Tiefe der Weisheit und Lust , als alles , was in der Geschichte laut geworden . Sie liegt der Eigenheit des Menschen zu nahe , als sie den Zeitgenossen deutlich würde , aber die Geschichte in ihrer höchsten Wahrheit gibt den Nachkommen ahndungsreiche Bilder und wie die Eindrücke der Finger an harten Felsen im Volke die Ahndung einer seltsamen Urzeit erwecken , so tritt uns aus jenen Zeichen in der Geschichte das vergessene Wirken der Geister , die der Erde einst menschlich angehörten , in einzelnen , erleuchteten Betrachtungen , nie in der vollständigen Übersicht eines ganzen Horizonts vor unsre innere Anschauung . Wir nennen diese Einsicht , wenn sie sich mitteilen läßt , Dichtung , sie ist aus Vergangenheit in Gegenwart , aus Geist und Wahrheit geboren . Ob mehr Stoff empfangen , als Geist ihn belebt hat , läßt sich nicht unterscheiden , der Dichter erscheint ärmer oder reicher , als er ist , wenn er nur von einer dieser Seiten betrachtet wird ; ein irrender Verstand mag ihn der Lüge zeihen in seiner höchsten Wahrheit , wir wissen , was wir an ihm haben und daß die Lüge eine schöne Pflicht des Dichters ist . Auch das Wesen der heiligen Dichtungen ist wie die Liederwonne des Frühlings nie eine Geschichte der Erde gewesen , sondern eine Erinnerung derer , die im Geist erwachten von den Träumen , die sie hinüber geleiteten , ein Leitfaden für die unruhig schlafenden Erdbewohner , von heilig treuer Liebe dargereicht . Dichtungen sind nicht Wahrheit , wie wir sie von der Geschichte und dem Verkehr mit Zeitgenossen fordern , sie wären nicht das , was wir suchen , was uns sucht , wenn sie der Erde in Wirklichkeit ganz gehören könnten , denn sie alle führen die irdisch entfremdete Welt zu ewiger Gemeinschaft zurück . Nennen wir die heiligen Dichter auch Seher und ist das Dichten ein Sehen höherer Art zu nennen , so läßt sich die Geschichte mit der Kristallkugel im Auge zusammenstellen , die nicht selbst sieht , aber dem Auge notwendig ist , um die Lichtwirkung zu sammeln und zu vereinen ; ihr Wesen ist Klarheit , Reinheit und Farbenlosigkeit . Wer diese in der Geschichte verletzt , der verdirbt auch Dichtung , die aus ihr hervorgehen soll , wer die Geschichte zur Wahrheit läutert , schafft auch der Dichtung einen sichern Verkehr mit der Welt . Nur darum werden die eignen unbedeutenden Lebensereignisse gern ein Anlaß der Dichtung , weil wir sie mit mehr Wahrheit angeschaut haben , als uns an den größern Weltbegebenheiten gemeinhin vergönnt ist . Das Mittätige und Selbstergriffene daran ist gewiß mehr hemmend als aufmunternd , denn Heftigkeit des Gefühls unterdrückt sogar die Stimme , weil diese sie zum Maß der Zeit zwingt , wie viel weniger mag sie mit der trägen Pflugschar des Dichters , mit der Schreibfeder zurecht kommen . Die Leidenschaft gewährt nur , das ursprünglich wahre , menschliche Herz , gleichsam den wilden Gesang des Menschen , zu vernehmen und darum mag es wohl keinen Dichter ohne Leidenschaft gegeben haben , aber die Leidenschaft macht nicht den Dichter , vielmehr hat wohl noch keiner während ihrer lebendigsten Einwirkung etwas Dauerndes geschaffen und erst nach ihrer Vollendung mag gern jeder in eignem oder fremden Namen und Begebenheit sein Gefühl spiegeln . Waiblingen Die Geschichten , welche hier neben der Karte von Schwaben vor uns liegen , berühren weder unser Leben , noch unsere Zeit , wohl aber eine frühere , in der sich mit unvorhergesehener Gewalt der spätere und jetzige Zustand geistiger Bildung in Deutschland entwickelte . Das Bemühen , diese Zeit in aller Wahrheit der Geschichte aus Quellen kennen zu lernen , entwickelte diese Dichtung , die sich keineswegs für eine geschichtliche Wahrheit gibt , sondern für eine geahndete Füllung der Lücken in der Geschichte , für ein Bild im Rahmen der Geschichte . Die Karte von Schwaben , wie sie Homanns Erben im Jahre 1734 herausgaben , muß noch jetzt nach so vielen Veränderungen , wohlgefallen . Diese sinnreichen Nürnberger haben alle Farben ihres weltberühmten Muschelkastens benutzt , die Grenzen der vielen Staaten augenscheinlich zu machen , auf daß ein jeder in dieser Farbenpracht den Bogen der Gnade erkennen möge , den Gott über dieses herrliche Land gestellt hatte , als er es nach freier Entwickelung durch Krieg und Friede mit der Kraft seines heiligen , deutschen Reichs für Jahrhunderte schützte . Ein mächtiger Strom , die Donau , entspringt in Schwaben , begrenzt den Erbfeind der Christenheit , den Türken . Ein anderer , der Rhein , findet erst im Bodensee seinen rechten Boden , der ihn zur Größe erzieht , wofür er die Grenze , von der er ungern scheidet , zu einer Inselwelt durchflicht . Der Bodensee selbst ein sanftes Abbild des Meeres , bezeichnet neben den Höhen eine reiche Tiefe des Landes . Wer nennt alle lieblichen Ströme , welche das Land durchrauschen ! Wer nennt alle Berge von Schlössern gekrönt , von denen die Ströme entspringen , von denen die Heldengeschlechter herrschend zu den fernen Ebenen niedergezogen sind ! Ganz Schwaben ist dem Reisenden ein aufgeschlagenes Geschichtbuch , hier war der früheste Mittelpunkt deutscher Geschichten und so seltsam alles umfassend die Deutschen sich später schaffend und zerstörend geregt haben , diese Vollendung in einem gewissen Sinne erreichten sie nicht wieder und so reibt sich das Bild des Unterganges unmittelbar an den Glanz der Hohenstaufen . Schöner ist das dauernde Steigen eines Landes , das in jeder Einrichtung das ungestörte Erbe der Jahrhunderte aufweisen kann , aber menschlich näher tritt uns als ein Bild des eignen Geschicks diese Berührung mit großen Hoffnungen aus früheren Tagen in einem Volke , das bewahrtem und achtend gegen seine Vorzeit in Urkunden , Erinnerungen und Gebräuchen jedem Dorfe seine Denkwürdigkeit erhalten hat . Suchen wir auf unsrer Karte den Neckarfluß und gehen wir mit Behagen an seinem Ufer von Reben umgrünt zum Einflusse der Rems und da hinauf durchs reiche Wiesental nach Waiblingen , so befinden wir uns auf