zu ihr herüber , und sie verstand wohl alles , als der Student wieder weitersang : » Durch Nacht und Nebel schleich ich sacht , Kein Lichtlein brennt , kalt weht der Wind , Riegl ' auf , riegl ' auf bei stiller Nacht , Weil wir so jung beisammen sind ! Ade nun , Kind , und nicht geweint ! Schon gehen Stimmen da und dort , Hoch überm Wald Aurora scheint , Und die Studenten reisen fort . « So war es endlich Abend geworden , und die Schiffer lenkten ans Ufer . Alles stieg aus , und begab sich in ein Wirtshaus , das auf einer Anhöhe an der Donau stand . Diesen Ort hatten die Studenten zum Ziele ihrer Begleitung bestimmt . Hier wollten sie morgen früh den Grafen verlassen und wieder zurückreisen . Sie nahmen sogleich Beschlag von einem geräumigen Zimmer , dessen Fenster auf die Donau hinausgingen . Friedrich folgte ihnen erst etwas später von den Schiffen nach . Als er die Stiege hinaufging , öffnete sich seitwärts eine Türe und die unbekannte Schöne , die auch hier eingekehrt war , trat eben aus dem erleuchteten Zimmer . Beide schienen übereinander erschrocken . Friedrich grüßte sie , sie schlug die Augen nieder und kehrte schnell wieder in das Zimmer zurück . Unterdes hatten sich die lustigen Gesellen in ihrer Stube schon ausgebreitet . Da lagen Jacken , Hüte , Federbüsche , Tabakspfeifen und blanke Schwerter in der buntesten Verwirrung umher , und die Aufwärterin trat mit heimlicher Furcht unter die wilden Gäste , die halbentkleidet auf Betten , Tischen und Stühlen , wie Soldaten nach einer blutigen Schlacht , gelagert waren . Es wurde bald Wein angeschafft , man setzte sich in die Runde , sang und trank des Grafen Gesundheit . Friedrich war heute dabei sonderbar zumute . Er war seit mehreren Jahren diese Lebensweise gewohnt , und das Herz war ihm jedesmal aufgegangen , wie diese freie Jugend ihm so keck und mutig ins Gesicht sah . Nun , da er von dem allem auf immer Abschied nehmen sollte , war ihm wie einem , der von einem lustigen Maskenballe auf die Gasse hinaustritt , wo sich alles nüchtern fortbewegt wie vorher . Er schlich sich unbemerkt aus dem Zimmer und trat hinaus auf den Balkon , der von dem Mittelgange des Hauses über die Donau hinausging . Der Gesang der Studenten , zuweilen von dem Geklirre der Hieber unterbrochen , schallte aus den Fenstern , die einen langen Schein in das Tal hinauswarfen . Die Nacht war sehr finster . Als er sich über das Geländer hinauslehnte , glaubte er neben sich atmen zu hören . Er langte nach der Seite hin und ergriff eine kleine zarte Hand . Er zog den weichen Arm näher an sich , da funkelten ihn zwei Augen durch die Nacht an . Er erkannte an der hohen Gestalt sogleich das schöne Mädchen von dem andern Schiffe . Er stand so dicht vor ihr , daß ihn ihr Atem berührte . Sie litt es gern , daß er sie noch näher an sich zog , und ihre Lippen kamen zusammen . » Wie heißen Sie ? « fragte Friedrich endlich . » Rosa « , sagte sie leise und bedeckte ihr Gesicht mit beiden Händen . In diesem Augenblicke ging die Stubentür auf , ein verworrener Schwall von Licht , Tabaksdampf und verschiedenen tosenden Stimmen quoll heraus , und das Mädchen war verschwunden , ohne daß Friedrich sie halten konnte . Erst lange Zeit nachher ging er wieder in sein Zimmer zurück . Aber da war indes alles still geworden . Das Licht war bis an den Leuchter ausgebrannt und warf , manchmal noch aufflackernd , einen flüchtigen Schein über das Zimmer und die Studenten , die zwischen Trümmern von Tabakspfeifen , wie Tote , umherlagen und schliefen . Friedrich machte daher die Tür leise zu und begab sich wieder auf den Balkon hinaus , wo er die Nacht zuzubringen beschloß . Entzückt in allen seinen Sinnen , schaute er da in die stille Gegend hinaus . » Fliegt nur , ihr Wolken « , rief er aus , » rauscht nur und rührt euch recht , ihr Wälder ! Und wenn alles auf Erden schläft , ich bin so wach , daß ich tanzen möchte ! « Er warf sich auf die steinerne Bank hin , wo das Mädchen gesessen hatte , lehnte die Stirn ans Geländer und sang still in sich verschiedene alte Lieder , und jedes gefiel ihm heut besser und rührte ihn neu . Das Rauschen des Stromes und die ziehenden Wolken schifften in seine fröhlichen Gedanken hinein ; im Hause waren längst alle Lichter verlöscht . Die Wellen plätscherten immerfort so einförmig unten an den Steinen , und so schlummerte er endlich träumend ein . Zweites Kapitel Als die ersten Strahlen der Sonne in die Fenster schienen , erhob sich ein Student nach dem andern von seinem harten Lager , riß das Fenster auf und dehnte sich in den frischen Morgen hinaus . Auch Friedrich befand sich wieder unter ihnen ; denn eine Nachtigall , welche die ganze Nacht unermüdlich vor dem Hause sang , hatte ihn draußen geweckt und die kühle , der Morgenröte vorausfliegende Luft in die wärmere Stube getrieben . Singen , Lachen und muntere Reden erfüllten nun bald wieder das Zimmer . Friedrich überdachte seine Begebenheit in der Nacht . Es war ihm , als erwachte er aus einem Rausche , als wäre die schöne Rosa , ihr Kuß und alles nur Traum gewesen . Der Wirt trat mit der Rechnung herein . » Wer ist das Frauenzimmer « , fragte Friedrich , » die gestern abends mit uns angekommen ist ? « - » Ich kenne sie nicht , aber eine vornehme Dame muß sie sein , denn ein Wagen mit vier Pferden und Bedienten hat sie noch lange vor Tagesanbruch von hier abgeholt . « - Friedrich blickte bei diesen Worten durchs offene Fenster auf