sehen , ohne zu wagen , sich gleicher Höhe zu nahen ; wenn sich gemeine rohe Armut über die Trümmer fremder Pracht und Bildung triumphierend lustig macht , unwissend an den Kunstdenkmalen zerstört , weil die Besitzer nicht mehr die Kraft haben zu schützen und zu erhalten , was sie vom Überflusse geschaffen hatten - und darum wendete ich mich schmerzlich von einem Kreise lumpiger Barbarenkinder fort , die dort im Lustgarten des gräflichen Palastes an einem schönen Amor in Marmor , der schlafend unter einer Rosenlaube ruhte , die schändliche Art von Geißelung wiederholten , die ihnen in roher Erziehung zu einer scherzhaften Strafe geworden . Vergebens war mein Pochen an allen Türen , ob denn keine einzige Seele in dem großen Hause , die diesen Frevel , den ich gestört , auch bestrafte ; einsam und immer schneller und ungeduldiger hallte mein Schritt , wie von einer Schildwache , die abzulösen vergessen , unter den Säulen des Eingangs , daß die Schwalben aus ihren Nestern im Laube der korinthischen Säulen ausflogen , vielleicht um zu schauen , ob es gewittere . Mir war so schwül zu mute , und ich dachte nicht , daß in den oberen Zimmern zwei junge Gräfinnen versteckt wären , bei denen mir alles üble Wetter so leicht übergegangen wäre ; ich stieg wieder in meinen Wagen und dachte , besser daß ein Wetterstrahl alle Kunstwerke in einem Augenblicke vernichte , ein Feind sie entrisse , als daß sie in vielen Jahren vor den Augen der Völker , die sie nicht verstehen , nicht in heiliger Sitte bewahren , verderben und geschändet werden ; denn wer das Schöne zerstört , oder dessen Zerstörung duldet , kann es nie heiligen und erzeugen , wohl aber selbst der , welcher es gar nicht anders , als aus sich und der freien Welt gekannt hat . Zweites Kapitel Graf P ... und die Seinen Dieser Palast , dieser Garten mit Kunstwerken geschmückt , die jetzt niemand wert zu sein schienen und niemand nützten , das Werk vieljähriger Anstrengungen eines leidenschaftlichen Bauverständigen , des Grafen P ... , begründeten den Ruhm seiner Einsicht und seines Geschmackes ; sie galten für Weltwunder in der ganzen Gegend und wären auch in Italien ausgezeichnet worden . Der Graf hatte sich mit vielem Kunstsinne einen der schönsten Pläne Palladios angeeignet und zugerichtet , der Garten ging aus dem französischen zu dem Naturgeschmacke über . Nicht die Schönheit dieses Baues , aber seine Größe kränkte den Stolz der Fürstin , deren Neigung zum Grafen in eine Art Eifersucht übergegangen war auf seine Frau , der sie es schon allzu hoch anrechnete , daß sie den Grafen in Besitz genommen . Sie fand sich in ihrem alten Schlosse zum erstenmal wie im Gefängnisse , seit sie in die hellen Zimmer ihr gegenüber blicken konnte ; der Fürst , ihr sonst so ganz ergeben , war nicht zu einem ähnlichen Schloßbaue zu bewegen ; der Graf hatte zu viel Stolz auf sein Werk , um sich mäßigen zu können , als die Fürstin es ihm aus Verdruß tadeln wollte ; er wurde beleidigend und der Hof wurde ihm verboten , nachdem er dreißig Jahre mit dem Fürsten ganz vertraulich von der Jugendzeit an zusammen gelebt , mit ihm auf Reisen manches Abenteuer bestanden , die Fürstin ihm zugeführt hatte . Er sagte kein Wort zu seiner Verteidigung ; doch ließ er über seine Gartentüre die Worte eines Liedes eingraben : Freund , hüte dich vor Fürsten , Denn Freunde werden sie nie , Magst du auch hungern und dürsten Für sie . Wollen wir aber ruhiger sein Verhältnis überschauen , so entdecken wir , daß es nicht immer reine Freundschaft war , die ihn dem Fürsten verbunden ; die Freundschaft war ihm nur ein Mittel den Unterschied auszugleichen , den die Geburt zwischen ihnen beiden unabänderlich festgesetzt hatte . Doch war sein Geist unabhängig genug , um sich über diese Ungunst leicht hinwegzusetzen , welche gleich die meisten Einwohner der Stadt und der Gegend von ihm entfernte . Sein Einzugsfest in das vollendete Haus war wenig glänzend , auch von unangenehmen Zeichen begleitet . Der Erbprinz , der mit kindischer Neigung an der jüngeren Tochter des Grafen , Dolores , hing , war heimlich hinübergeschlichen ; Dolores sprang mit ihm die glatten Treppen hinunter , der Prinz fiel herab und wurde blutig halbtot in das Haus seiner fürstlichen Eltern zurück gebracht , die den Bann ihrer Kinder , nicht zum Grafen zu gehen , darum noch schärften . Dieser Bann kränkte den Grafen sehr tief , insbesondre da eben dieser Älteste der fürstlichen Kinder , gegen die Familienart , schwarzes Haar , wie der Graf zeigte ; er hatte ihn immer allen andern vorgezogen . Klelia , die ältere Tochter des Grafen wollte sich über diese Trennung tot grämen , sie erdachte die abenteuerlichsten Mittel ihre Verbindung zu erhalten , doch die Zeit und andre Gesellschaften ersetzten ihr allmählich , was Dolores in den ersten Tagen schon vergessen hatte . Der große Bau , und noch mehr das Bemühen seinen Palast mit Gesellschaften zu beleben , hatten das Vermögen des Grafen in einer Reihe von Jahren aufgezehrt , während denen Klelia ihr achtzehntes und Dolores ihr sechzehntes Jahr erreichte ; weder die Seinen noch die Fremden merkten etwas davon in dem steten Wechsel der verschiedensten Zerstreuungen . Mit heimlichem Neide sahen die Prinzessinnen , als sie eines Abends mit ihrer Fürstinmutter in goldverschnörkeltem Wagen langsam daher fuhren , die Gräfin Dolores auf einem zierlichen englischen Pferde in rotem Reitkleide , von den artigsten Reisenden in mancherlei Uniform umgeben , zu einem Feste im Walde vorüberjagen , das sie aus der reichen Jagdmusik erraten hatten . Dolores machte dann wohl spielend die Herren auf den Kutscher mit dem großen Barte , auf die uralten schön geputzten Geschirre der sechs alten glänzenden dicken Rappen aufmerksam . So etwas erzählte sich leicht wieder und erbitterte ; aber was bedurften sie der Herrscher , die froh sein mußten ,