hindurch , der einst Musik und Kerzenschein verschmähend , ruhig in der nahen Klosterkirche , unter dem steinernen Bilde seiner Ahnfrau schlief , bis Sie und die bunte Schaar der Gäste ihn dort erweckten . Aber es soll nun alles anders werden . Ich eile zu Ihnen und führe Sie und Luisen hieher . Gewiß , Sie dürfen mir keinen Augenblick länger fehlen . Sie allein verstanden mich immer . Ihre milde Güte söhnte mich zuerst mit mir selbst aus und öffnete mir die seligste Zukunft . - Ach ich erschrecke , wie ich das Wort schreibe ! - Wer kennt ihre verborgne Tiefen ! und wem hat sie nicht mit neckenden Zauberkünsten gelogen ! Schelten Sie nicht über den ewig wiederkehrenden Trübsinn . Mir wird so wehmüthig wie ich von Ihnen scheide . Schon gestern ließ ich das Blatt unvollendet , und lief hinaus in den Wald , mich selbst und meine Träumereien zu vergessen . Ich traf hier zufällig den Mönch , dem ich schon mehreremale begegnete , ohne gleichwohl je ein Wort mit ihm zu wechseln . Diesmal begrüßte er mich auf eine feine , sittige Weise . Seine Stimme hat eine Weichheit , die die schärfsten Töne verschmilzt und unsrer Sprache etwas Fremdes , unendlich Anmuthiges leiht . Ich gesellte mich gern zu ihm . Wir sprachen bald vertraulicher , und mein Herz , das sich selten verschließt , lag in der heimlichen , stillen Sommernacht offen vor ihm da . Er sprach mit leutseligem Ernst über das trübe Versinken jugendlicher Gemüther , und warnte mich vor jener zagenden Unthätigkeit , die so oft die besten Kräfte untergrabe . Zwar , setzte er lächelnd hinzu , sei dies eine Klippe , an welcher nur Wenige scheitern , da die meisten Menschen durch freches Eingreifen ihr Leben verwirrten . Ueberall sprach eine große Kenntniß der Welt aus seinen Worten , deren Andenken ihn wohl oft wehmüthig bewegen mag . Wir schieden endlich mit dem Versprechen , uns öfter zu begegnen , was mir einen neuen Zuwachs von Freuden verheißt . Mein alter Georg drängt mich , zu schließen , er will Ihnen selbst diese Zeilen und das Geschmeide überbringen . Leben Sie denn wohl , meine gütige , liebe Mutter ! In wenig Tagen bin ich bei Ihnen , um endlich an Luisens Seite ein freudigeres Dasein kennen zu lernen . Mit tiefer Rührung schließe ich Sie Beide an mein Herz . Der Ihrige , Julius von Falkenstein . « Der arme , gute Mensch , sagte Luise , indem sie den Brief gedankenvoll zusammenfaltete . Ist denn , fuhr sie nach einer Weile fort , das alte Schloß wirklich so öde und düster , wie es ihm erscheint ? Es sieht fremd und sehr erhaben aus einer verschollnen Zeit hervor , sagte Mathilde , und scheint mit seinen gewaltigen Mauern und Gewölben des kindischen Flitters zu spotten , den Julius Mutter ersindrisch verbreitete , um die Riesengestaltung der Vorzeit zu vergessen . Sie konnte sich nie recht mit der freundlichen Stille dieser Gegend vertragen , am wenigsten aber mit ihrem Wohnsitz und dessen Umgebungen . Was war es doch eigentlich mit ihr ? fragte Luise , ich entsinne mich , sie in einem hellen Kleide und vielen Blumen gesehen zu haben . Sie erzählte Julius und mir wunderliche Mährchen , worin etwas von einem Salamander vorkam , und dabei leuchteten ihre großen , dunklen Augen so hell , daß ich die Meinigen gar nicht wieder abwenden konnte . Seitdem sah ich sie niemals wieder , aber das Bild ist mir für mein ganzes Leben geblieben . Sie starb bald darauf , sagte Mathilde , durch eine eigne Vorstellung geängstet , die sie ins Grab zog . Ich habe mir niemals einen rechten Begriff von einer so ungleichen Gemüthsart , als die ihrige , machen können , da mein Leben stets sehr einfach blieb und nur durch fremde Stürme getrübt ward ; noch weniger konnte ich die phantastische fast wilde Fröhlichkeit mit dem Trübsinn vereinen , der ihr zu Zeiten wie ein fremder Geist inwohnte und ihrem Wesen eine Einförmigkeit lieh , die jeden ermüdete . Und dennoch so durch Sitte und Gemüth als Vaterland und Sprache von einander geschieden , verband uns in der Ferne ein unglückseliges Verhältniß , das meinem Herzen die erste Wunde schlug . Hier schwieg Mathilde und ließ in Luisen das lebendigste Verlangen , mehr von einer Begebenheit zu erfahren , die ganz dunkel aus den frühesten Erinnerungen hervorsah . Das Andenken der schönen Viola , wie sie ihre Mutter sonst wohl mit Rührung nannte , hatte immer einen eignen Zauber über sie ausgeübt , und ohnerachtet sie nur in flüchtigen Hindeutungen von ihr hörte , so setzte sich dennoch der kindische Sinn ein Bild zusammen , das noch jetzt sehr reizend in ihrer Phantasie fortlebte . Ich weiß , sagte sie , in der Hoffnung mehr zu erfahren , die Gräfin Falkenstein trug früher den Schleier , den sie bald darauf willig zerriß , um dem Grafen nach Deutschland zu folgen , allein der eigentliche Zusammenhang des Ganzen ist mir fremd geblieben . Liebes Kind , hub die Mutter nach einer Weile an , man soll die Vergangenheit nie absichtlich aufdecken . Was ihr Schoos verbirgt , das ruhe , bis im Laufe der Zeiten die junge That unwillkührlich auf ihren frühern Ursprung zurückweist . Das Verborgene tritt so ungerufen allmählig ans Licht , und verliert im Zusammenhang des Ganzen das Fremde , was den gewagten Rückblick in die Tiefe oft schwindelnd zurückstoßt . Allein wie Julius Brief längst verklungene Saiten in mir anschlägt , so geht auch der Ton in Deine Seele über und könnte Dich verwirren , wenn ich nicht dreist fortgriffe , um den reinen Akkord wieder aufzusuchen . Aber laß uns hinunter an den See gehn , die Sonne neigt sich so groß und herrlich in die Fluth ! Sieh wie der Harz in seiner bläulichen Hülle feierlich dasteht , als wolle er ihr ein langes Lebewohl