und leicht fühlte . Das dumpfe Geräusch der Wagen , wie das ganze Gewirr der Menge , ward in der einsameren Gegend von den lustigen Liedern der Schiffer übertäubt , die längs dem Ufer das dürftige Mahl an kleinen Feuern verzehrten . Das seltsame Spiel des Lichtes zwischen den dunklen Bäumen ergötzte ihn unendlich . Er glaubte den Zauber der Beleuchtung noch nie so gekannt zu haben , und entwarf tausend Plane , die vor ihm schwebenden Gruppen darzustellen , als er bei einer Beugung des Ganges plötzlich vor einem geöffneten Gitterthor stand , das die Vorübergehenden recht gastlich zum Eintreten einlud . Die blühenden Ufer waren hier zum kunstreichen Garten umgewandelt . Zwischen duftigen Blumengewinden glänzten helle Springbrunnen , deren silberne Stralen sich in Marmorbecken ergossen . Dunkle Pinien und Cypressen beschatteten Kunstwerke der besten Meister . Rodrich stand wie in einem Zauberkreise vor den steinernen Gebilden , die in der stillen Nacht seltsam auf ihn herabblickten . Mit innerm Grausen betrachtete er einen Lakoon , der auf einem hervorspringenden Hügel einsam am Ufer stand . Ihm war , als neige sich jetzt erst das schmerzenvolle Haupt gegen den sterbenden Knaben . Er glaubte das Angstgeschrei zu hören , und unwillkührlich schloß er den starren Marmor an die bewegte Brust . Da hörte er von fern leise Musik . Die Töne zogen ihn fort zu einem kleinen Pavillon , der , wie von Wellen getragen , dicht am Wasser stand . Aus dem Innern erschollen die Worte : Blumen , süßes Angedenken , Blumen , meiner Liebsten Gabe , Seyd ein Bild der kurzen Freuden , Die mit euch verblühend schwanden . Seh euch todt nun vor mir liegen , Muß mit Wehmuth die betrachten , Deren reiches frisches Leben Freudig meinen Sinn erlabte . Zaid nimmt die welken Blumen , Drückt sie gegen Mund und Wange , Will mit Thränen sie benetzen , Will mit Küssen sie erwarmen . Und der Thränen helle Perlen Glänzen in des Mondes Stralen , Bebend so in Lichtes Wonne Spielen sie viel tausend Farben . Blumen , wollt auch ihr mich täuschen , Neu erblüh ' nd im nächt ' gen Glanze ? Wollt euch dem Gestirn verbünden . Das im Dunklen trüg ' risch waltet ? Leben habt ihr mir gelogen , Will euch länger nicht bewahren ; Denn für solch ' ein falsches Leben Wähl ' ich ' s einsam zu verschmachten . Und er wirft die Liebespfänder Von dem steilen Meeresstrande Tief hinunter in die Fluthen , Sie auf ewig zu begraben . Wie die Blumen dort verschwimmen , Gar vergessend aller Farben , Hat die Thrän ' auf ihren Blättern Bald zur Perle sich gestaltet . Hier fiel Rodrich , ohne zu wissen , was er thue , ein und sang : Perlen sind ja Liebesthränen ; Denn von Wehmuth süß umfangen Ruht des Feuers ew ' ger Funke Mild verklärt im stillen Wasser . Plötzlich rauschten die seidnen Vorhänge auf , und ein weiblicher Kopf beugte sich aus dem geöffneten Fenster . Rodrich war vergebens bemühet , die zarten Umrisse aufzufassen . In der Dunkelheit schwankte alles verwirrt in einander . Tausend Erinnerungen flogen wie Schatten vorüber ; je fester er die Blicke heften wollte , desto beweglicher wogten die wechselnden Bilder auf dem dunklen Grunde . Zuletzt glaubte er die Züge des Lakoon wieder zu erkennen ; da sank der Vorhang leise nieder , und er wandte sich gedankenvoll zur Stadt . Als er sich dem Gasthofe nahete , hörte er in den untern Zimmern sehr lebhaft sprechen , und im Hineintreten fand er eine zahlreiche Tischgesellschaft in allgemeinem Streite begriffen , der indeß bald durch seine Ankunft unterbrochen ward . Das Fremde und Stolze in seinen edlen Zügen , die dunkel glühenden Augen , der hohe Wuchs , alles erregte die Aufmerksamkeit der Anwesenden , die ihn mit neugierigen Blicken maßen , während er ganz unbefangen einen leer gebliebenen Platz einnahm , und sich des günstigen Eindruckes freuete , der sichtlich bei seiner Erscheinung aus jedem Auge sprach . Diese stille Bewunderung , in welcher er sich zum erstenmal klarer als in einem Spiegel erkannte , gab seinem Wesen Haltung und Sicherheit , und söhnte ihn mit der ungekannten Welt aus , die ihm Anfangs so fremd und abstoßend erschien . Indeß ward , nach einigen lebhaften Erkundigungen bei dem Wirthe , der eben mit Rodrich gesprochen hatte , das vorige Gespräch nach und nach wieder angeknüpft . Je mehr ich nachdenke , sagte ein Mann , der mit verschränkten Armen und niederhangendem Kopfe da saß , je wahrer finde ich , was Sie vorher sagten : es giebt in der That Worte , deren Bedeutung wir auf Treu und Glauben annehmen , die uns eben deswegen niemals klar wird , und dennoch mit uns aufwächst , sich uns anschmiegt und glauben läßt , sie gehöre zu unserm Wesen , während es nur eines kräftigen Stoßes bedarf , um sie als etwas ganz Fremdes uns Aufgedrungenes zu erkennen . Zu diesen gehört die äußere Ehre in dem Sinne , wie sie allgemeingültig angenommen wird . - Welchen Unterschied , ich bitte Sie , rief ein lebendiger Jüngling ihm zur Seite aus , machen Sie denn zwischen äußerer und innerer Ehre ? und was ist Ehre überhaupt , nach ihren Begriffen ? - Ehre , erwiederte ein Offizier , der bis jetzt von seinem Nachbar verdeckt , Rodrich unbemerkt geblieben war , Ehre ist freie Selbstständigkeit , innere Consequenz des Willens , die sich durch ein folgerechtes Leben behauptet . Der Zweck , wie der Ausgangspunkt , sind als freie Erzeugungen ganz individuel , und es ist nichts seltsamer , als allgemeine Prinzipien über etwas aufstellen zu wollen , was seiner Natur nach auf der Eigenthümlichkeit der Ansicht beruhet . - Daß die Ihrige Ihnen allein angehört , sehe ich , fiel der junge Mann rasch ein ; denn sie ist mir in der That fremd . Nur thun Sie doch nicht gut , die Individualitäten