fand sich auf einem weichen Rasen am Rande einer Quelle , die in die Luft hinausquoll und sich darin zu verzehren schien . Dunkelblaue Felsen mit bunten Adern erhoben sich in einiger Entfernung ; das Tageslicht [ , ] das ihn umgab , war heller und milder als das gewöhnliche , der Himmel war schwarzblau und völlig rein . Was ihn aber mit voller Macht anzog , war eine hohe lichtblaue Blume , die zunächst an der Quelle stand , und ihn mit ihren breiten , glänzenden Blättern berührte . Rund um sie her standen unzählige Blumen von allen Farben , und der köstlichste Geruch erfüllte die Luft . Er sah nichts als die blaue Blume , und betrachtete sie lange mit unnennbarer Zärtlichkeit . Endlich wollte er sich ihr nähern , als sie auf einmal sich zu bewegen und zu verändern anfing ; die Blätter wurden glänzender und schmiegten sich an den wachsenden Stengel , die Blume neigte sich nach ihm zu , und die Blüthenblätter zeigten einen blauen ausgebreiteten Kragen , in welchem ein zartes Gesicht schwebte . Sein süßes Staunen wuchs mit der sonderbaren Verwandlung , als ihn plötzlich die Stimme seiner Mutter weckte , und er sich in der elterlichen Stube fand , die schon die Morgensonne vergoldete . Er war zu entzückt , um unwillig über diese Störung zu seyn ; vielmehr bot er seiner Mutter freundlich guten Morgen und erwiederte ihre herzliche Umarmung . Du Langschläfer , sagte der Vater , wie lange sitze ich schon hier , und feile . Ich habe deinetwegen nichts hämmern dürfen ; die Mutter wollte den lieben Sohn schlafen lassen . Aufs Frühstück habe ich auch warten müssen . Klüglich hast du den Lehrstand erwählt , für den wir wachen und arbeiten . Indeß ein tüchtiger Gelehrter , wie ich mir habe sagen lassen , muß auch Nächte zu Hülfe nehmen , um die großen Werke der weisen Vorfahren zu studiren . Lieber Vater , antwortete Heinrich , werdet nicht unwillig über meinen langen Schlaf , den ihr sonst nicht an mir gewohnt seid . Ich schlief erst spät ein , und habe viele unruhige Träume gehabt , bis zuletzt ein anmuthiger Traum mir erschien , den ich lange nicht vergessen werde , und von dem mich dünkt , als sey es mehr als bloßer Traum gewesen . Lieber Heinrich , sprach die Mutter , du hast dich gewiß auf den Rücken gelegt , oder beim Abendsegen fremde Gedanken gehabt . Du siehst auch noch ganz wunderlich aus . Iß und trink , daß du munter wirst . Die Mutter ging hinaus , der Vater arbeitete emsig fort und sagte : Träume sind Schäume , mögen auch die hochgelahrten Herren davon denken , was sie wollen , und du thust wohl , wenn du dein Gemüth von dergleichen unnützen und schädlichen Betrachtungen abwendest . Die Zeiten sind nicht mehr , wo zu den Träumen göttliche Gesichte sich gesellten , und wir können und werden es nicht begreifen , wie es jenen auserwählten Männern , von denen die Bibel erzählt , zu Muthe gewesen ist . Damals muß es eine andere Beschaffenheit mit den Träumen gehabt haben , so wie mit den menschlichen Dingen . In dem Alter der Welt , wo wir leben , findet der unmittelbare Verkehr mit dem Himmel nicht mehr Statt . Die alten Geschichten und Schriften sind jetzt die einzigen Quellen , durch die uns eine Kenntniß von der überirdischen Welt , so weit wir sie nöthig haben , zu Theil wird ; und statt jener ausdrücklichen Offenbarungen redet jetzt der heilige Geist mittelbar durch den Verstand kluger und wohlgesinnter Männer und durch die Lebensweise und die Schicksale frommer Menschen zu uns . Unsre heutigen Wunderbilder haben mich nie sonderlich erbaut , und ich habe nie jene großen Thaten geglaubt , die unsre Geistlichen davon erzählen . Indeß mag sich daran erbauen , wer will , und ich hüte mich wohl jemanden in seinem Vertrauen irre zu machen . - Aber , lieber Vater , aus welchem Grunde seyd Ihr so den Träumen entgegen , deren seltsame Verwandlungen und leichte zarte Natur doch unser Nachdenken gewißlich rege machen müssen ? Ist nicht jeder , auch der verworrenste Traum , eine sonderliche Erscheinung , die auch ohne noch an göttliche Schickung dabey zu denken , ein bedeutsamer Riß in den geheimnißvollen Vorhang ist , der mit tausend Falten in unser Inneres hereinfällt ? In den weisesten Büchern findet man unzählige Traumgeschichten von glaubhaften Menschen , und erinnert Euch nur noch des Traums , den uns neulich der ehrwürdige Hofkaplan erzählte , und der Euch selbst so merkwürdig vorkam . Aber , auch ohne diese Geschichten , wenn Ihr zuerst in Eurem Leben einen Traum hättet , wie würdet Ihr nicht erstaunen , und Euch die Wunderbarkeit dieser uns nur alltäglich gewordenen Begebenheit gewiß nicht abstreiten lassen ! Mich dünkt der Traum eine Schutzwehr gegen die Regelmäßigkeit und Gewöhnlichkeit des Lebens , eine freye Erholung der gebundenen Fantasie , wo sie alle Bilder des Lebens durcheinanderwirft , und die beständige Ernsthaftigkeit des erwachsenen Menschen durch ein fröhliches Kinderspiel unterbricht . Ohne die Träume würden wir gewiß früher alt , und so kann man den Traum , wenn auch nicht als unmittelbar von oben gegeben , doch als eine göttliche Mitgabe , einen freundlichen Begleiter auf der Wallfahrt zum heiligen Grabe betrachten . Gewiß ist der Traum , den ich heute Nacht träumte , kein unwirksamer Zufall in meinem Leben gewesen , denn ich fühle es , daß er in meine Seele wie ein weites Rad hineingreift , und sie in mächtigem Schwunge forttreibt . Der Vater lächelte freundlich und sagte , indem er die Mutter , die eben hereintrat , ansah : Mutter , Heinrich kann die Stunde nicht verläugnen , durch die er in der Welt ist . In seinen Reden kocht der feurige wälsche Wein , den ich damals von Rom mitgebracht hatte , und der unsern Hochzeitsabend verherrlichte . Damals war ich auch