das Bedürfniß der Männer . Sie verlangen offenbar etwas mehr als blos menschliches von den Weibern . Das gründet sich nicht auf Ungerechtigkeit , sondern auf reinen Instinkt . Wenn wir mit Demuth und kindlichem Sinne dies glauben , werden es die Männer wohl dulden . Siebenter Brief Wilhelmine an Julie Dulden ! Herzchen , darüber habe ich bis zum Weinen gelacht . Allerdings werden sie es dulden ! Duldeten es doch die amerikanischen Pflanzer , wenn man ihren Sclaven die Freuden der künftigen Welt recht anschaulich machte , und ihren elenden Zustand als ein Mittel zur höhern Bildung darstellte . Fahre nur so fort ! und Du wirst bald eine zweite Elise werden . Gott ! ist es nicht himmelschreiend ? daß selbst Weiber unsre Ketten erschweren ! - Kann man sich etwas abgeschmackteres und inkonsequenteres denken , als eben diese Elise wie sie seyn sollte ? - Trägt ihr Vermögen - was offenbar ihren unmündigen Kindern gehörte , und um so mehr für sie erhalten werden mußte , da ihr Herr Papa ein ausgemachter Taugenichts war - trägt es hin zu der Buhlerin eben dieses lieblichen Herrn . Zwar bringt dieser Heroismus Fußfälle , Anbetungen und Versöhnungen hervor , und ist , in sofern diese Herrlichkeiten nicht anders zu bekommen waren , in dem Romane recht nützlich . Im wirklichen Leben aber mögte er wohl etwas ganz anderes , und höchst wahrscheinlich , eine gänzliche Trennung hervorgebracht haben . Freilich die gute Elise war nun einmal gewohnt , auf ihrem Kothurne im höchstmöglichen Pathos einherzuschreiten , und hatte das Glück von ihrer gutmüthigen Schöpferin bis an ihr pompeuses Ende darauf erhalten zu werden . Meinetwegen mag auch wer da will , ihre Stelzenschuhe erben ! Nur meine Julie soll sie nicht tragen . Soll nicht ? - habe ich ihr denn zu befehlen ? - O ja ! ich habe ihr zu befehlen , daß sie sich nicht unglücklich machen soll - und wenn ich ihr das nicht mehr befehlen darf ; so mag ich nicht mehr leben . Achter Brief Julie an Wilhelmine Du meine treue Einzige ! ich drücke Dich in Gedanken an mein Herz , und bedecke Dein liebes zorniges Gesicht mit tausend Küssen . O mitten unter Deinem Schelten fühle ich wie sehr Du mich liebst . Mein lieber Schutzengel ! sey doch nur ruhig ! Ja , ja ! ich will vorsichtig , behutsam seyn , nicht schwärmen , und Deinem Rathe folgen . Aber sage mir auch , daß Du wieder ruhig bist ! nicht ängstlich für mein Schicksal sorgest . Nein , meine Wilhelmine ! ich werde nicht unglücklich ! gewiß , ich kann es nicht werden . - Gieb doch dem Boten ein paar Zeilen , damit ich weiß , daß Du nicht böse bist . Neunter Brief Wilhelmine an Julie Ein paar Zeilen ? - Sieh , das ist es ja eben was Dich unglücklich machen wird ! dieses Herz voll unzerstörbarer Liebe ! - Was ? ich ? ich soll nicht böse seyn ? - Hast Du denn gepredigt , gescholten , die Hofmeisterin gespielt ? - Sieh ! so verwechselt Dein Kinderherz ! Statt empfindlich und zurückhaltend zu werden , wie ich es wohl verdient hätte , kömmst Du und bittest , ich möge nicht böse seyn . - Ach wenn nun ein solcher eingefleischter Teufel seine Krallen in dieses Engelherz schlägt ; wie wird es bluten ! - Nein ! ich dulde es nicht ! ich kann es nicht dulden ! - Zehnter Brief Der Obriste Olivier an Reinhold Was ich treibe ? Nicht viel Gescheutes ! - Belagern schon seit Jahr und Tag , muß endlich die Belagerung in eine Blokade verwandeln , und werde meinen Zweck wohl nur mit Hülfe einer sehr genanten Kapitulation erreichen können . Ja ! Ja ! exclamire nur ! - Die Zeiten ändern sich , man ist nicht immer jung , und die Siege werden schwerer . - Am Ende muß man doch auch für einen Heerd sorgen , und die Dämchen , womit man sich am meisten amüsirt , taugen gerade am wenigsten dabey . Meine jetzige Prima Donna ist freilich in gewisser Rücksicht verzweifelt eigen ; aber sie wird eine gute Hausfrau . Dafür stehe ich Dir . Etwas ähnliches von Sanftmuth und Geduld ! - Nein , ich versichre Dir , es übersteigt allen Glauben . Ob ich ihr denn schon Gelegenheit gegeben habe diese an mir zu üben ? - Nein ! nein ! so arg ist es nicht . Aber die Mutter ! - das Weib ist offenbar von sieben Teufeln besessen . Ich bedarf alle Augenblicke meines ganzen Savoirfaire , um meine Wuth gegen diesen Beelzebub zu bekämpfen . Freilich arbeitet sie doch am Ende zu meinem Nutz und Frommen . Wer weiß ob ich nicht aufs Alter noch ein bischen wunderlicher werde , und wie viel Geduld ich dann verbrauche . - Überhaupt wage ich nicht viel bey der Sache . Das gute Schäfchen besorgt mein Hauswesen und ein paar Buben , die meinen Nahmen fortpflanzen . Wartet mich , wenn ich krank , und zerstreut mich , wenn ich hypochondrisch bin . Übrigens versteht es sich von selbst , daß wenn es mir früh oder spät einfällt , einen kleinen Seitengang zu machen , keine Achs und Ohs vorfallen . Das würde mich wahrhaftig am wenigsten zurückbringen . Aber dafür ist auch gesorgt ; der Mund dieses sonderbaren Mädchens scheint nur zum Lächeln geformt . Wahrhaftig ! ich schäme mich es zu gestehen - aber wenn ich dieses Lächeln sehe - nein , ich kann es Dir nicht sagen , wie mir da wird - und Du glaubst es mir auch nicht . Schreibe doch bald . Eilfter Brief Olivier an Reinhold Eine Entdeckung ! tausend Element , da mußt Du mir dienen ! Höre nur ! in Br ... , und noch dazu in Deiner Nachbarschaft , wohnt eine Amazone , die mit Julien correspondirt . Revolutionäre Grundsätze ! Eine