es hat sich ihm daraufhin manche Thür verschlossen . Ich halte es für ein Unrecht , man soll die Kinder nicht eine Schuld des Vaters büßen lassen , an der sie keinen Anteil haben . Dem ältesten Sohne hat es ohnehin die Carriere gekostet . Er konnte doch nicht vor den Schranken das Recht vertreten und verteidigen , wenn der Vater ein offenkundiger Betrüger war . « » Ein Betrüger ? « wiederholte Edith betroffen , fast bestürzt . Marlow zuckte die Achseln . » Leider ! Die Sache hat damals viel Aufsehen gemacht , denn das Haus Raimar galt für solid und ehrenwert . Es soll da eine große Spekulation mißglückt sein , das kommt ja öfter vor , und ein solides Haus überwindet solche Krisen . Raimar stürzte und – nahm sich das Leben . Er ersparte seiner Familie wenigstens die Schande , ihn im Gefängnis zu wissen , denn als der Bankrott ausbrach , fanden sich die ziemlich bedeutenden Depots nicht mehr vor . Sie waren vermutlich längst angegriffen und veruntreut , die Deponenten haben nie einen Pfennig zurückerhalten . « Der Bankier berichtete das alles in seiner kühlen , gelassenen Art , ohne besonderes Gewicht darauf zu legen . Edith erwiderte keine Silbe , aber ihre Augen hingen in atemloser Spannung an den Lippen des Vaters , der jetzt fortfuhr : » Ich habe mich stets über die Unbefangenheit gewundert , mit der dieser Max Raimar in unseren Kreisen verkehrt . Er war ja damals noch sehr jung , etwa sechzehn oder siebzehn Jahr , aber später ist ihm doch die volle Tragweite der Sache klar geworden . Uebrigens hat er recht , solchen Dingen muß man die Stirn bieten , sonst hängen sie sich wie ein Bleigewicht an das ganze Leben , aber es gehört doch eine gewisse Keckheit dazu . Der ältere Bruder scheint anders geartet zu sein , der hat Berlin seitdem nicht wieder betreten und empfindet selbst die Berührung mit seinen früheren Lebenskreisen peinlich , ich sah es bei unserer Begegnung . Er hat den Schlag noch heut nicht überwunden . « » Warum blieb er denn überhaupt in Deutschland ? « fragte die junge Dame mit einer beinahe gereizten Aufwallung , so daß sie der Vater erstaunt anblickte . » Er konnte ja nach Amerika gehen und dort die ganze Vergangenheit hinter sich werfen . « » Nein , das konnte er nicht , « entgegnete Marlow ruhig . » Er hatte für die Existenz seiner Familie zu sorgen , der selbstverständlich nichts geblieben war . Die Stellung in Heilsberg gab ihm die Möglichkeit dazu , und als Notar hatte er ja auch nur das rein Geschäftliche der Rechtspraxis zu vertreten . Da entfielen die idealen Gesichtspunkte , die es ihm unmöglich machten , Verteidiger zu bleiben . In Heilsberg wird man wohl auch die näheren Umstände des Bankrotts nicht so genau gekannt haben . Schade um den Mann ! Er war talentvoll , seine erste Rede vor den Schranken hatte einen geradezu sensationellen Erfolg – und nun muß er hier in einer untergeordneten Stellung verkümmern ! « Mit diesem kühlen Bedauern und einem Achselzucken war die Sache abgethan für den Bankier . Seine Tochter schien eine Erwiderung auf den Lippen zu haben , aber in diesem Augenblick kam Wilma mit den anderen Gästen und schloß sich ihnen an . Der Spaziergang in dem großen Park mit seinen prächtigen alten Bäumen und schattigen Wegen wurde ziemlich lange ausgedehnt . Marlow ging mit seiner Nichte und dem Major Hartmut voraus , die anderen folgten , aber Max Raimar , der es noch nicht verwunden hatte , daß der Major ihn vorhin mit seiner Unterhaltungsgabe so vollständig in den Schatten gestellt , wußte es so einzurichten , daß sie scheinbar zufällig zurückblieben . Er machte die junge Dame auf einen schönen Durchblick aufmerksam , wo sich gerade der Burgberg mit dem alten Schlosse zeigte , und hielt sie dort einige Minuten lang fest , bis die anderen ziemlich weit voraus waren . Nun behauptete er allein das Feld , denn Ernst hatte sich wieder in seine alte Schweigsamkeit gehüllt und sprach nur so viel , als die unumgängliche Höflichkeit erforderte . Der junge Maler redete desto eifriger . Jetzt endlich stand er im Vordergrunde und nützte das gehörig aus , dabei entging es ihm nur leider , daß die Dame seines Herzens gar nicht zuhörte . Edith hatte in der That ganz andere Gedanken im Kopfe , und während ihr Ohr mechanisch hin und wieder ein paar Worte von dem Redeschwall auffing , und sie ebenso mechanisch antwortete , streifte ihr Auge bisweilen mit einem fragenden , halbscheuen Blick den schweigsamen Begleiter zu ihrer Rechten . Der Widerspruch zwischen seiner Persönlichkeit und seinem jetzigen Lebenskreise war ihr nun freilich gelöst , sie hatte es ja vorhin gesehen , wie ihm die Scham dunkelrot in die Stirn stieg bei dem Zusammentreffen mit ihrem Vater , der um jenen Makel wußte . Der jüngere Bruder , den die Sache doch ebenso nahe anging , schien sie allerdings viel leichter zu nehmen und ließ sich den Lebensgenuß nicht dadurch verkümmern . Max bemühte sich in der That aus allen Kräften , interessant zu sein . Das war sonst eigentlich nicht sein Fall , aber er wußte , daß die junge Dame es verlangte , wenn sie jemand der Ehre ihrer Gesellschaft würdigte , also war er interessant . Sein gutes Gedächtnis kam ihm dabei zu Hilfe , er hatte wirklich all die modernen Schlagworte im Kopfe und wußte sie geschickt anzubringen , verwendete auch gelegentlich die Aussprüche von Berühmtheiten , die er in den Salons gehört hatte , als eigenes Erzeugnis . Da man nun gerade auf dem Lande war , fing er auch an poetisch zu werden und von Rosen und Nachtigallen zu sprechen , obgleich die Rosen noch gar nicht blühten und die Nachtigallen jetzt im hellen Sonnenscheine nicht schlugen . Ihn störte das nicht weiter , aber Edith schien jetzt zu finden ,