Abend , den Beginn einer Künstlerlaufbahn – und eines Familiendrama ’ s. Die nächsten Tage und Wochen im Almbach ’ schen Hause gehörten nicht zu den angenehmsten . Es konnte dem Kaufmann natürlich nicht verborgen bleiben , daß sein Schwiegersohn öffentlich mit einer Composition hervorgetreten war , schon deshalb nicht , weil Doctor Welding im Morgenblatte eine ausführliche Besprechung jenes Concerts brachte , in der der Name des jungen Componisten genannt wurde . Aber weder das Lob , das der sonst so strenge Kritiker hier ertheilte , noch der Beifall , mit dem das Lied überall aufgenommen wurde , noch selbst die Dazwischenkunft des Consuls Erlau , der lebhaft für Reinhold Partei nahm und ganz entschieden für dessen musikalische Begabung eintrat , vermochten das Vorurtheil Almbach ’ s zu erschüttern . Er beharrte darauf , in jeder künstlerischen Bestrebung eine ebenso unnütze wie gefährliche Spielerei zu sehen , den eigentlichen Grund der Untüchtigkeit zum praktischen Geschäftsleben und die Wurzel alles Uebels . Da er so wenig wie sonst Jemand davon wußte , daß es eine Art von Gewaltstreich gewesen war , mit dem Signora Biancona Reinhold zum öffentlichen Hervortreten gezwungen , so hielt er das Ganze für eine vorher abgekartete Sache , die ohne sein Wissen , wider seinen Willen unternommen war , und das brachte ihn vollends außer sich . Er ließ sich so weit hinreißen , seinen Schwiegersohn wie einen Knaben darüber zur Rede zu stellen , und ihm kurz und gut jede weitere Beschäftigung mit der Musik zu verbieten . Das war nun freilich das Schlimmste , was er thun konnte . Reinhold flammte bei dem Verbote in einem ganz unzähmbaren Trotze auf . Die Leidenschaftlichkeit , die trotz Allem , was sie äußerlich fesselte und in Schranken hielt , doch den eigentlichen Grundzug seines Charakters bildete , brach jetzt in wahrhaft erschreckender Heftigkeit hervor . Es gab eine furchtbare Scene , und hätte sich nicht Hugo rasch besonnen in ’ s Mittel gelegt , der Bruch wäre jetzt schon unheilbar geworden . Aber Almbach sah mit Entsetzen , daß der Neffe , den er erzogen und geleitet , den er mit allen möglichen Familien- und Geschäftsbanden an sich gefesselt , ihm völlig entwachsen war und nicht daran dachte , sich seinem Machtworte zu beugen . Der Streit war für den Augenblick beigelegt worden , aber nur , um bei der nächsten Gelegenheit von Neuem hervorzubrechen . Eine Scene folgte der andern ; eine Bitterkeit überbot die andere . Reinhold stand bald genug im Kampfe gegen seine ganze Umgebung , und der Trotz , mit dem er seinen musikalischen Studien mehr als je nachhing und seine Selbstständigkeit nach außen behauptete , erhöhte nur den Groll seiner Schwiegereltern . Frau Almbach , die die Ansichten ihres Mannes durchaus theilte , unterstützte jenen nach Kräften , Ella dagegen verhielt sich , wie gewöhnlich , vollständig passiv . Von ihr wurde freilich ein Eingreifen oder eine Parteinahme weder erwartet noch verlangt ; den Eltern fiel es nicht ein , ihr auch nur den geringsten Einfluß auf Reinhold zuzutrauen , und Reinhold selbst ignorirte sie in dieser Angelegenheit völlig und schien ihr gar nicht einmal das Recht einer Meinungsäußerung zuzugestehen . Die junge Frau litt unleugbar unter diesen Verhältnissen ; ob sie auch die traurige , demüthigende Rolle empfand , die sie , die Gattin , hier spielte , wo sie von beiden Parteien übersehen , bei Seite geschoben und als unmündig behandelt ward , ließ sich kaum entscheiden . Sie zeigte bei den erbitterten und erregten Debatten der Eltern und bei der fortwährenden Gereiztheit ihres Mannes , die oft um geringfügiger Anlässe willen hervorbrach und sich zumeist gegen sie richtete , stets die gleiche geduldige Fügsamkeit , kam nur höchst selten mit einem bittenden Worte , nie mit einer entschiedenen Parteinahme dazwischen , und zog sich , wenn sie wie gewöhnlich von beiden Seiten herb zurückgewiesen wurde , scheuer als je zurück . Der Einzige , der mit Allen nach wie vor auf dem besten Fuße stand und seine Stellung als allgemeiner Liebling unangefochten behauptete , war merkwürdiger Weise der junge Capitain . Wie alle eigensinnigen Menschen , fügte sich Almbach weit eher einer Thatsache als einem Conflicte , und verzieh leichter die directe , aber ruhige Mißachtung seiner Autorität , die der älteste Neffe sich hatte zu Schulden kommen lassen , als die stürmische Auflehnung gegen seinen Willen , die jetzt von dem jüngeren versucht ward . Hugo hatte , als er sah , daß ihm ein verhaßter Beruf aufgezwungen werden sollte , weder getrotzt , noch den Oheim beleidigt ; er war einfach davon gegangen und ließ den Sturm hinter seinem Rücken austoben . Freilich kam es ihm auch gar nicht darauf an , später die Rückkehr des verlorenen Sohnes in Scene zu setzen , um sich damit den Wiedereintritt in das Haus , dem sein Bruder angehörte , und die Wiederaufnahme in die Gunst seiner Verwandten zu sichern . Reinhold besaß weder die Fähigkeit noch die Lust , in dieser Weise mit den Verhältnissen [ 414 ] zu spielen und sie sich dienstbar zu machen . Wie er niemals im Stande gewesen war , seine Abneigung gegen das Geschäftsleben und seine Gleichgültigkeit gegen die kleinbürgerlichen Interessen zu verhehlen , so machte er auch jetzt kein Hehl aus seiner Verachtung der ganzen Umgebung , seinem glühenden Haß gegen die Fesseln , die ihn einengten , und das war es , was ihm nicht verziehen wurde . Hugo , der entschieden auf der Seite seines Bruders stand , durfte ganz offen dessen Partei nehmen , was auch bei jeder Gelegenheit geschah . Der Oheim vergab ihm das , fand es sogar natürlich , denn die Art des jungen Capitains , sich zu geben , ließ es nie zu einem Conflicte kommen , während bei Reinhold dieser Punkt nur berührt zu werden brauchte , um sofort die heftigsten Scenen zwischen ihm und den Schwiegereltern zu veranlassen . Es war um die Nachmittagsstunde , als Hugo das Almbach ’ sche Haus