sagte es sich mit Schaudern , würde sich von selbst ergeben . Auch Bernhard war in tiefem Sinnen neben ihm geschritten . » Aber « , begann er jetzt , nachdem sie vom Moore wieder zwischen die Felder hinausgelangt waren , » wie sind wir doch in ein solches Gespräch geraten ? Du lebst und bist gesund ; weshalb sollte Anna anderer Hülfe bedürfen ? « Rudolf hatte diese Frage erwartet , ja , er hatte sich künstlich darauf vorbereitet ; jetzt , da sie wirklich an ihn herantrat , machte es ihn stutzen ; ein Gefühl wie bei unredlichem Beginnen überkam ihn , es war schon recht , daß die zunehmende Dunkelheit sein Angesicht verdeckte . » Ich habe dir wohl schon davon gesprochen « , sagte er , » daß ich meinen Vater plötzlich durch einen frühen Tod verlor ; es war ein Herzleiden ; einem und dem andern unserer Vorfahren ist es ebenso ergangen ; allerlei Symptome waren vorausgegangen – ich war noch ein Kind ; aber später hat meine Mutter mir es erzählt , in den letzten Monden hab ich ganz dasselbe auch bei mir bemerkt ; es geht mir nach , ich könnte auch plötzlich so hinweggenommen werden . « Bernhard ergriff seine Hand , deren herzlichen Druck er nicht zu erwidern wagte : » Aber weshalb ziehst du nicht einen Arzt zu Rate , einen Spezialisten ? « » Ich tat es ; neulich bei Gelegenheit meiner Geschäftsreise . « » Und er hat dir keinen Trost gegeben ? « » Doch , was so die Ärzte schwatzen , aber ich weiß es besser . « Noch einmal empfand er Bernhards Händedruck , in welchem alle Versicherung eines treuen Herzens lag . – – Ein paar Stunden später befanden die Förstersleute sich wieder auf der Rückfahrt . Anna saß an ihres Mannes Seite das Haupt geneigt , wie in Gedanken eingesponnen : Rudolf und Bernhard – ihr war es immer wieder , als sähe sie die beiden in der sinkenden Dämmerung an dem Moore entlanggehen ; sie meinte die erregte Stimme ihres Mannes , die beschwichtigende ihres Jugendfreundes zu vernehmen ; nur die Worte selbst – ja , wenn sie nur die Worte hätte hören können ! Sie war ja jung , sie fürchtete sich nicht ; nur wissen mußte sie , wo sie das Unheil fassen könne . Aber – auch Bernhard mußte ja von allem wissen ; hatte doch auch er , der noch am Nachmittage wie in früherer Zeit mit ihr geplaudert hatte , beim Abendessen kaum ein Wort oder doch nur wie gezwungen zum Gespräche beigetragen ! Einen Augenblick war ' s , als ständen ihr die Gedanken still , dann aber richtete sie sich mit einem tiefen Atemzuge auf ; gleich morgen – sie wußte keinen andern Ausweg- wollte sie an Bernhard schreiben . » Wo sind wir , Rudolf ? « frug sie und sah mit klaren Augen um sich . Rudolf schrak empor , als würde er aus schwerem Traum geweckt , und wieder , wie auf dem Hinwege , fuhr das Pferd in der Deichsel auf . Ein paar Schläge mit der Peitsche , dann wies er schweigend nach den Wäldern , die sich einige Büchsenschüsse weit zu ihrer Rechten gleich einem düsteren Wall entlangzogen . Darüber stand der volle Mond , der in der weichen Herbstnacht ein fast goldenes Licht über die schlafenden Fluren ausgoß . » Wie schön ! « sagte Anna . » Ist das da drüben euere Wildnis ? Armer Rudolf , die wird dir wohl noch viel zu schaffen machen ! « Er hatte den Kopf zu ihr gewandt ; und er sah sie an , als ob er keine Antwort darauf habe . Sie bemerkte es nicht ; das Tuch um ihre Schultern war herabgeglitten , und sie mühte sich , es wieder festzustecken . Als sein Blick auf ihre unverhüllte Hand fiel , deren schöne Form das milde Nachtgestirn mit seinem Licht verklärte , zuckte es um des Mannes Lippen , und seine Augen wurden wie vor Schmerz gerötet . Der Weg zog sich dichter an die Wälder , und bald rollte der Wagen in ihrem Schatten ; das Mondlicht fiel jetzt über sie hin auf die weiter seitwärts liegenden Wiesen ; eine weidende Kuh brüllte ein paarmal von dort herüber . » Zu Hause ! « sagte Anna , ihre Reisehüllen von sich streifend , » wir sind gleich zu Hause ! « Als bald darauf der Wagen anhielt , trat von der Haustreppe die Magd in augenscheinlicher Hast heran : die Frau Forstjunkerin seien abends angekommen , aber vor einer Stunde schon zur Ruh gegangen ; Frau Försterin möge sich nur ganz beruhigen , Sie hätten ihr , der Magd , den Speisekammerschlüssel ja gelassen , es habe der gnädigen Frau an nichts gefehlt . Rudolf , der schon neben dem Wagen stand , war totenbleich geworden ; wäre der Schatten des Hauses nicht gewesen , so hätte Anna es gewahren müssen . » Jetzt schon ! « kam es kaum hörbar über seine Lippen ; dann hob er das junge Weib herab und sagte laut : » So muß ich morgen früh heraus ! « » Morgen , Rudolf ? Aber du bist dann zeitig doch zurück ? « Er war schon in das Haus getreten , und Anna folgte mit der Magd , den Kopf jetzt voll Gedanken an die Gegenwart der Mutter , deren Beistand sie nicht mehr in Rechnung nahm . Es war noch dunkel , als vor Anbruch des Morgens neben dem Bette der schlummernden jungen Frau sich ein schweres , überwachtes Haupt aus den Kissen hob . Bald darauf – ein dichter Nebel draußen machte die erste Dämmerung noch fast zur Nacht – trat Rudolf leisen Schrittes in sein Zimmer ; tastend , mit unsicherer Hand , zündete er die auf dem Tische stehende Lampe an , bei deren Scheine jetzt sein blasses Antlitz mit den brennenden Augen aus dem Dunkel