. Elke faltete die Hände ; sie senkten wohl den Sarg jetzt in die Grube . » Und zur Erde wieder sollst du werden ! « Unwillkürlich , leise , als hätte sie von dort es hören können , sprach sie die Worte nach ; dann füllten ihre Augen sich mit Tränen , ihre über der Brust gefalteten Hände sanken in den Schoß . » Vater unser , der du bist im Himmel ! « betete sie voll Inbrunst . Und als das Gebet des Herrn zu Ende war , stand sie noch lange unbeweglich , sie , die jetzige Herrin dieses großen Marschhofes ; und Gedanken des Todes und des Lebens begannen sich in ihr zu streiten . Ein fernes Rollen weckte sie . Als sie die Augen öffnete , sah sie schon wieder einen Wagen um den anderen in rascher Fahrt von der Marsch herab und gegen ihren Hof herankommen . Sie richtete sich auf , blickte noch einmal scharf hinaus und ging dann , wie sie gekommen war , durch den Stall in die feierlich hergestellten Wohnräume zurück . Auch hier war niemand ; nur durch die Mauer hörte sie das Rumoren der Mägde in der Küche . Die Festtafel stand so still und einsam ; der Spiegel zwischen den Fenstern war mit weißen Tüchern zugesteckt und ebenso die Messingknöpfe an dem Beilegerofen ; es blinkte nichts mehr in der Stube . Elke sah die Türen vor dem Wandbett , in dem ihr Vater seinen letzten Schlaf getan hatte , offenstehen und ging hinzu und schob sie fest zusammen ; wie gedankenlos las sie den Sinnspruch , der zwischen Rosen und Nelken mit goldenen Buchstaben darauf geschrieben stand : Hest du din Dagwark richtig dan , Da kummt de Slap von sülvst heran . Das war noch von dem Großvater ! – Einen Blick warf sie auf den Wandschrank ; er war fast leer , aber durch die Glastüren sah sie noch den geschliffenen Pokal darin , der ihrem Vater , wie er gern erzählt hatte , einst bei einem Ringreiten in seiner Jugend als Preis zuteil geworden war . Sie nahm ihn heraus und setzte ihn bei dem Gedeck des Oberdeichgrafen . Dann ging sie ans Fenster , denn schon hörte sie die Wagen an der Werfte heraufrollen ; einer um den andern hielt vor dem Hause , und munterer , als sie gekommen waren , sprangen jetzt die Gäste von ihren Sitzen auf den Boden . Händereibend und plaudernd drängte sich alles in die Stube ; nicht lange , so setzte man sich an die festliche Tafel , auf der die wohlbereiteten Speisen dampften , im Pesel der Oberdeichgraf mit dem Pastor ; und Lärm und lautes Schwatzen lief den Tisch entlang , als ob hier nimmer der Tod seine furchtbare Stille ausgebreitet hätte . Stumm , das Auge auf ihre Gäste , ging Elke mit den Mägden an den Tischen herum , daß an dem Leichenmahle nichts versehen werde . Auch Hauke Haien saß im Wohnzimmer neben Ole Peters und anderen kleineren Besitzern . Nachdem das Mahl beendet war , wurden die weißen Tonpfeifen aus der Ecke geholt und angebrannt , und Elke war wiederum geschäftig , die gefüllten Kaffeetassen den Gästen anzubieten ; denn auch der wurde heute nicht gespart . Im Wohnzimmer an dem Pulte des eben Begrabenen stand der Oberdeichgraf im Gespräche mit dem Pastor und dem weißhaarigen Deichgevollmächtigten Jewe Manners . » Alles gut , ihr Herren « , sagte der erste , » den alten Deichgrafen haben wir mit Ehren beigesetzt ; aber woher nehmen wir den neuen ? Ich denke , Manners , Ihr werdet Euch dieser Würde unterziehen müssen ! « Der alte Manners hob lächelnd das schwarze Sammetkäppchen von seinen weißen Haaren . » Herr Oberdeichgraf « , sagte er , » das Spiel würde zu kurz werden ; als der verstorbene Tede Volkerts Deichgraf , da wurde ich Gevollmächtigter und bin es nun schon vierzig Jahre ! « » Das ist kein Mangel , Manners ; so kennt Ihr die Geschäfte um so besser und werdet nicht Not mit ihnen haben ! « Aber der Alte schüttelte den Kopf : » Nein , nein , Euer Gnaden , lasset mich , wo ich bin , so laufe ich wohl noch ein paar Jahre mit ! « Der Pastor stand ihm bei . » Weshalb « , sagte er , » nicht den ins Amt nehmen , der es tatsächlich in den letzten Jahren doch geführt hat ? « Der Oberdeichgraf sah ihn an : » Ich verstehe nicht , Herr Pastor ! « Aber der Pastor wies mit dem Finger in den Pesel , wo Hauke in langsam ernster Weise zwei älteren Leuten etwas zu erklären schien . » Dort steht er « , sagte er , » die lange Friesengestalt mit den klugen grauen Augen neben der hageren Nase und den zwei Schädelwölbungen darüber ! Er war des Alten Knecht und sitzt jetzt auf seiner eigenen kleinen Stelle ; er ist zwar etwas jung ! « » Er scheint ein Dreißiger « , sagte der Oberdeichgraf , den ihm so Vorgestellten musternd . » Er ist kaum vierundzwanzig « , bemerkte der Gevollmächtigte Manners ; » aber der Pastor hat recht : was in den letzten Jahren Gutes für Deiche und Siele und dergleichen vom Deichgrafenamt in Vorschlag kam , das war von ihm ; mit dem Alten war ' s doch zuletzt nichts mehr . « » So , so ? « machte der Oberdeichgraf ; » und Ihr meinet , er wäre nun auch der Mann , um in das Amt seines alten Herrn einzurücken ? « » Der Mann wäre er schon « , entgegnete Jewe Manners ; » aber ihm fehlt das , was man hier › Klei unter den Füßen ‹ nennt ; sein Vater hatte so um fünfzehn , er mag gut zwanzig Demat haben ; aber damit ist bis jetzt hier niemand Deichgraf geworden . « Der