war ' s ein ältlich , aber reiches Fräulein aus der Nachbarschaft ; forschete also muthig weiter , wie ' s drüben in Herrn Gerhardus ' Haus bestellet sei , und wie das Fräulein und der Junker mit einander hauseten . Da warf der Alte mir wieder seine seltsamen Blicke zu . » Ihr meinet wohl « , sagte er , » daß alte Thürm ' und Mauern nicht auch plaudern könnten ! « » Was soll ' s der Rede ? « rief ich ; aber sie fiel mir centnerschwer aufs Herz . » Nun , Herr Johannes « , und der Alte sahe mir gar zuversichtlich in die Augen , » wo das Fräulein hinkommen , das werdet doch Ihr am besten wissen ! Ihr seid derzeit im Herbst ja nicht zum letzten hier gewesen ; nur wundert ' s mich , daß Ihr noch einmal wiederkommen ; denn Junker Wulf wird , denk ich , nicht eben gute Mien zum bösen Spiel gemachet haben . « Ich sah den alten Menschen an , als sei ich selber hintersinnig worden ; dann aber kam mir plötzlich ein Gedanke . » Unglücksmann ! « schrie ich , » Ihr glaubet doch nicht etwan , das Fräulein Katharina sei mein Eheweib geworden ? « » Nun , lasset mich nur los ! « entgegnete der Alte – denn ich schüttelte ihn an beiden Schultern . – » Was geht ' s mich an ! Es geht die Rede so ! Auf alle Fäll ' ; seit Neujahr ist das Fräulein im Schloß nicht mehr gesehen worden . « Ich schwur ihm zu , derzeit sei ich in Holland krank gelegen ; ich wisse nichts von alledem . Ob er ' s geglaubet , weiß ich nicht zu sagen ; allein er gab mir kund , es solle dermalen ein unbekannter Geistlicher zur Nachtzeit und in großer Heimlichkeit auf den Herrenhof gekommen sein ; zwar habe Bas ' Ursel das Gesinde schon zeitig in ihre Kammern getrieben ; aber der Mägde eine , so durch die Thürspalt gelauschet , wolle auch mich über den Flur nach der Treppe haben gehen sehen ; dann später hätten sie deutlich einen Wagen aus dem Thorhaus fahren hören , und seien seit jener Nacht nur noch Bas ' Ursel und der Junker in dem Schloß gewesen . – – Was ich von nun an alles und immer doch vergebens unternommen , um Katharinen oder auch nur eine Spur von ihr zu finden , das soll nicht hier verzeichnet werden . Im Dorf war nur das thörichte Geschwätz , davon Hans Ottsen mich die Probe schmecken lassen ; darum machete ich mich auf nach dem Stifte zu Herrn Gerhardus ' Schwester ; aber die Dame wollte mich nicht vor sich lassen ; wurde im übrigen mir auch berichtet , daß keinerlei junges Frauenzimmer bei ihr gesehen worden . Da reisete ich wieder zurück und demüthigte mich also , daß ich nach dem Hause des von der Risch ging und als ein Bittender vor meinen alten Widersacher hintrat . Der sagte höhnisch , es möge wohl der Buhz das Vöglein sich geholet haben ; er habe dem nicht nachgeschaut ; auch halte er keinen Aufschlag mehr mit denen von Herrn Gerhardus ' Hofe . Der Junker Wulf gar , der davon vernommen haben mochte ließ nach Hans Ottsens Kruge sagen , so ich mich unterstünde , auch zu ihm zu dringen , er würde mich noch einmal mit den Hunden hetzen lassen . – Da bin ich in den Wald gegangen und hab gleich einem Strauchdieb am Weg auf ihn gelauert ; die Eisen sind von der Scheide bloß geworden ; wir haben gefochten , bis ich die Hand ihm wund gehauen und sein Degen in die Büsche flog . Aber er sahe mich nur mit seinen bösen Augen an ; gesprochen hat er nicht . – Zuletzt bin ich zu längerem Verbleiben nach Hamburg kommen , von wo aus ich ohne Anstand und mit größerer Umsicht meine Nachforschungen zu betreiben dachte . Es ist alles doch umsonst gewesen . Aber ich will vors erste nun die Feder ruhen lassen . Denn vor mir liegt dein Brief , mein lieber Josias ; ich soll dein Töchterlein , meiner Schwester sel . Enkelin , aus der Taufe heben . – Ich werde auf meiner Reise dem Walde vorbeifahren , so hinter Herrn Gerhardus ' Hof belegen ist . Aber das alles gehört ja der Vergangenheit . * Hier schließt das erste Heft der Handschrift . – Hoffen wir daß der Schreiber ein fröhliches Tauffest gefeiert und inmitten seiner Freundschaft an frischer Gegenwart sein Herz erquickt habe . Meine Augen ruhten auf dem alten Bild mir gegenüber ; ich konnte nicht zweifeln , der schöne ernste Mann war Herr Gerhardus . Wer aber war jener tote Knabe , den ihm Meister Johannes hier so sanft in seinen Arm gebettet hatte ? – Sinnend nahm ich das zweite und zugleich letzte Heft , dessen Schriftzüge um ein weniges unsicherer erschienen . Es lautete wie folgt : Geliek as Rook un Stoof verswindt , Also sind ock de Minschenkind . Der Stein , darauf diese Worte eingehauen stehen , saß ob dem Thürsims eines alten Hauses . Wenn ich daran vorbeiging , mußte ich allzeit meine Augen dahin wenden , und auf meinen einsamen Wanderungen ist dann selbiger Spruch oft lange mein Begleiter blieben . Da sie im letzten Herbste das alte Haus abbrachen , habe ich aus den Trümmern diesen Stein erstanden , und ist er heute gleicherweise ob der Thüre meines Hauses eingemauert worden , wo er nach mir noch manchen , der vorübergeht , an die Nichtigkeit des Irdischen erinnern möge . Mir aber soll er eine Mahnung sein , ehbevor auch an meiner Uhr der Weiser stille steht , mit der Aufzeichnung meines Lebens fortzufahren . Denn du , meiner lieben Schwester Sohn , der du nun bald mein Erbe sein wirst , mögest mit meinem kleinen