Dummheit anzuhören , in denen , ihrer erneuten Verwunderung Luft zu machen , die zwei armen Kinder , Ernesta und Hilarion , sich gedrängt fühlen mochten . » Oh ! « seufzte Ernesta , ohne fähig zu sein , sich eine weitere Bemerkung zu gestatten . Zu letzterer war Hilarion imstande ; ja ihm als dem stärkeren Mann gelang es sogar , alle seine Geistesfähigkeiten allen Gesichtern und Klängen aus Dschinnistan zum Trotz zusammenzuraffen und vermittelst einer Dummheit von neuem in der Wirklichkeit festen Fuß zu fassen . » Es ist verschwunden ! « sagte er , und das war die Bemerkung . » Wir sind wieder unter uns allein ! « fügte er hinzu , und das war die Dummheit . Neuntes Kapitel . » Scheußlich ! schauderhaft ! gräßlich ! « hatte Oppermann , der doch wahrscheinlich auch in dieser Beziehung viel vertragen konnte , gesagt , und es verhielt sich ganz so , wie er sagte : der Vater Konstantius , der Waldbruder , war ein Anblick zum Rücküberfallen . Versuchen wir es nunmehr , uns ihm zu nahen , ohne die Augen zuzukneifen , wie ein Kind , das überredet worden ist , einen Igel anzurühren . Auch wir haben einen Igel anzurühren und überlassen es der Leserin , in ihren naturhistorischen Schulerinnerungen nachzublättern und sich ins Gedächtnis zurückzurufen , daß es mehrere Arten von Igeln gibt , und darunter eine , vielleicht dann und wann auch von ihr , der liebenswürdigen , reinlichen Leserin , bildlich verwendete , sehr bedenkliche Sorte . Der Vater Konstantius saß vor der Tür seiner Hütte , strickend an einem blauwollenen Strumpf . Einen zweiten Strumpf , ebenfalls von Wolle , aber von graubrauner Farbe , hatte er sich vermittelst eines rotbraunen und außerdem mit dem Porträt des regierenden Landesherrn geschmückten Taschentuches auf die geschwollene Backe gebunden , und wer da weiß , wie unter solchen Umständen der ehrwürdigste Langbart sich präsentiert und zu einem Schrecknis wird , und wer dabei auf seine äußere Erscheinung etwas hält , der geht sofort hin und läßt sich das zierlichste Bärtchen glatt wegrasieren . Auch wir sind dann und wann Heiligenmaler gewesen , auch wir können idealisieren , wir könnten sogar den Vater Konstantius idealisieren ; aber wir tun es nicht ! Wir malen ihn nach der Natur , die nach einem alten bekannten Liebe in jedem Kleide schön sein soll : Einen gibt es ja vielleicht doch wohl unter den vorbeiziehenden Geschlechtern der Menschen , der mit der Hand grüßend winkt und dabei lächelt , wie wir uns es wünschen ! – dem Einen oder der Einen werden wir dann selbst den Teufel nicht zu schwarz malen . – Da der Vater Konstantius gezwungen war , seine Wäsche im Waldbache selber zu besorgen , und er überdem keine Gabe dafür hatte , so übertraf sein Weißzeug manches Schwärzliche an Düsterheit . Seine , wie schon zu Anfang bemerkt , durch einen Strick um den Leib zusammengehaltene Kutte war arg geflickt und nicht von einer Hand , die geschickt mit der Nadel umzugehen wußte . Wenn auch er nach Art der Eremiten Sandalen trug , so steckten heute doch , seines Unwohlseins halber , seine Füße in zwei umfangreichen Filzschuhen . Er sang kein Abendlied , kein weißes Täubchen saß ihm zärtlich auf der Schulter ; er fütterte kein frommes Reh mit frommer Hand ; – er hatte auf eine zu harte Eichel gebissen , er hatte fürchterliches Zahnweh , er hatte seinen Freund Oppermann mit dem strengsten Befehl fortgeschickt , ihm wenigstens heute keine Menschenseele auf dreitausend Schritte nahe kommen zu lassen , und – das einzige Glück war momentan , daß – Hilarion und Ernesta nicht drei oder mehr Monate nach ihrer Hochzeit um Rat , Trost und Hülfe zu ihm geschickt worden waren . Das würde dann vielleicht auch eine schöne Geschichte geworden sein ; aber wahrlich keine wie die , welche wir jetzt erzählen ! – – – – – – – – – – – – Es soll möglich sein , ein heftiges Zahnweh in reinem Quellwasser zu vertrinken ; uns ist es noch nicht gelungen . Man soll auch ein Zahnweh verstricken können ; dieses haben wir bis jetzt noch nicht probiert ; der Vater Konstantius aber schien eben den Versuch zu machen . Er strickte mit einer schier wütenden Verbissenheit an seinem Winterstrumpf ; er strickte wie wahnsinnig ; – weder bei Zahnweh noch bei irgendeinem anderen Weh haben wir mit einer derartigen dumpfig verstörten Ingrimmigkeit an einer Novelle weiter geschrieben ! Er sah nicht auf , als es seinen Maßregeln und seiner Verabredung mit Oppermann zum Trotz doch wieder im Busch und im welken Laube von Tritten näher kommender Menschen rauschte . Er hatte sich freilich auch die Ohren verbunden ; und empor schaute er erst ob des schrillen Schreies , den Ernesta ausstieß , als sie seiner ansichtig wurde . Ihrer und ihres jungen hübschen Begleiters ansichtig werden und , Strumpf , Nadeln und Wollenknäuel in die Tasche seiner Kutte zwängend , aufspringen , die Kapuze über Schädel , Stirn und Nase herunterreißen und den Rückzug gegen seine Tür antreten , war dem Eremiten – eins . Mit kaninchenhafter , dachsartiger Hast suchte er unterzuschlüpfen . Er stürzte sich Hals über Kopf in seine Hütte hinein ; – noch ein Moment und es wäre ihm gelungen , die Tür zuzuschlagen und den Riegel vorzuschieben , als Hilarion , seinerseits gleichfalls mit aller Hast zuspringend , ihn hinten am Gürtelstrick ergriff , sein Entweichen verhinderte , den Fuß zwischen die Tür der Klause klemmend , die Verbarrikadierung der letzteren unmöglich machte und dem scheuen Greise flehentlich zuschrie : » Nur auf ein kürzestes Wort , ehrwürdiger Vater ! « » Pax vobiscum – alle Hagel – o , es ist nicht auszuhalten ! – Man lasse mich ungeschoren ! « kreischte der Heilige , fast geifernd in Verdruß und nervösester Wildheit . » Ich will nichts wissen ! nichts hören ! nichts sehen ! nichts