zu Hülfe zu eilen . Die Prioren und sonstigen Vorgesetzten gingen natürlich nur im geistlichen Habit , doch manch rüstiger Frater und Pater hatte mutig und freiwillig die Büchse oder Halbpike auf die Schulter genommen und vermaß sich , Heldentaten zu tun , von denen der Chronist von Corvey noch nach Jahrhunderten zu erzählen haben sollte . Der Kriegerischste aber in der ganzen geistlich-weltlichen Heerschar war doch Bruder Henricus , der sicher und männlich , trotz seinem hohen Alter , mit einem gewaltigen Schwerte ging , das wahrscheinlich beim Übergang der Hussiten über die Weser im Kloster stehengeblieben war ; – der Zug sah mehr auf ihn als auf die im Fackelschein voranflatternde Abteifahne mit dem Bilde des heiligen Veits . Der heilige Patron trug seinen Kopf nur unterm Arm , der Bruder Heinrich dagegen den seinigen noch wacker auf den Schultern . » Meinen Segen nimmst du mit , mein Sohn ; komme mir aber auch ja gesund und vergnügt wieder « , hatte beim Abschied am Klostertor der Vater Adelhardus zu ihm gesprochen und ihn dabei ganz zärtlich auf die Schulter geklopft . – Nun waren sie auf dem zerfahrenen und zerwühlten Wege , den wir vorhin geschildert haben , mit der Parole : Sanctus Vitus ! und dem Feldgeschrei : Abbatia urbi imperat ! Corvey über Höxter ! Nun gerieten sie in die Sümpfe , die Löcher und unter die harten Feldsteine – nun hielten sie , um Atem zu schöpfen – und nun ächzten sie wieder weiter . » Bruder von Metternich , das ist eine Nacht , um Anathema zu sagen ! « stöhnte der Prior einmal über das andere . » Was ist deine Meinung ? « » Der Gerechte siehet vor seine Füße und gehet den Weg , den ihn der Herr schickt . « » Bene , bene ! Wie dunkel aber die Nacht ist ! Hätten wir doch ein jeglicher eine Laterne anstatt der Fackeln mit uns genommen ! Nun hört auch das Stürmen vom Turm gar auf , Henrice . « » Es ist vielleicht doch nur ein schlechter Gassenlärm gewesen , und die Tummelanten haben des Spaßes genug und gehen zu Bett . « » Und wir sind heraus und hier mitten im Felde ? O corpus Christi , der Bann auf ihre Häupter ! – Fort , voran , ihr alle , wahrlich , man soll Corvey nicht ungestraft hohnnecken ; abbatia urbi imperat , da ist das Corveytor ! Ruft : Sankt Vitus und laßt uns einziehen ! « Nach einem mehr als halbstündigen Marsche waren sie jetzt wirklich vor diesem Tore von Höxter angelangt ; allein das Einziehen ging so leicht nicht . Fürs erste fand das Stift die Tür verschlossen , obgleich es selber die Schlüssel dazu hatte – freilich in den Händen seines tapfern , oben schon benannten Hauptmanns Meyer , den wir jetzt ebenfalls von Person kennenlernen werden . » Lasset uns anpochen « , sprach der Subprior . » Das wird viel helfen , der Graben ist dazwischen « , murmelte der Propst . » So lasset den Zinkenisten von Corvey hertreten , Sohn Heinrich . Er soll sich den Hals zersprengen ; aber uns den Pförtner auf die Mauer schaffen . Das ist eine scheußliche Nacht ! « grollte der Prior . Das alte Stift hatte seinen Trompeter mitgebracht , und er blies , – er blies und blies sich halb die Lunge heraus , bis sein Blasen von der gewünschten Wirkung war . Endlich , endlich flimmerten Laternen auf der Mauer , und dann rasselte die Brücke unter dem alten Torturm herunter ; mit dem Hute in der Hand , von seinen Laternenträgern begleitet , wackelte der Hauptmann Meyer eilfertig und atemlos hervor , den Prior und das Stift zu begrüßen : ein freundlicher ältlicher Herr rötlichen Angesichts , breitbäuchig und behäglich , auch einer der besten Freunde des Pater Cellarius , Herrn Adelhardus von Bruch . Höchst verdrießlich empfingen ihn für diesmal die übrigen Würdenträger des Stiftes . » Sie sind wirklich mit Degen und Feldbinde da , Monsieur ? « schrie der Prior . » Weshalb kommen Sie nicht auch im Schlafrock und denen Pantuffeln , mein Herr Hauptmann ? Aus dem Bett kommen Sie doch ja ! Bei Sankt Veit , Herr , es geht lustig zu in Höxter . Die Sturmglocke bringt das ganze Land in Aufruhr , und der Herr Kapitän drehen sich auf die andere Seite und geruhen weiter zu ruhen . Wo steckt Ihr mit Euern Leuten , Meyer ? Hat man Euch dazu der Stadt Obhut zum zweiten Male anvertrauet ? « Der Bischöflich Münster ' sche Befehlshaber ließ dieses und noch eine lange Reihe ähnlicher Vorwürfe und Fragen wie das Hochwasser aus einem aufgezogenen Schütt über sich hingehen . Erst als der Prior von Corvey mit seinem Atem zu Ende war , verantwortete er sich oder fing wenigstens an , sich zu verantworten . » Aus dem warmen Bett komme ich nicht , Hochwürden , sondern von den Wesermauern am Brucktor , allwo ich seit angehobenem Tumult auf den Noht gepasset habe nach meinem Eid und meiner Pflicht . « » Auf den Noht ? ! « » Ja , Hochwürden , auf des Herzogen Rudolf Augusten Oberstwachtmeister Noht ! « » Sankt Veit und Corvey , aber weshalb denn grade auf den ? « » Wer anders hat uns denn diesen Aufruhr angerichtet als der ? Aber beim Teufel , hat er mir einmal meine Trommel genommen , zum zweiten Mal soll er sie nicht in die Tatzen kriegen , und wenn er sich noch so verstohlen über die Weser schliche ! « Bei Fackelschein und Laternenlicht sah sich der Prior , Herr Nicolaus von Zitzwitz , verzweiflungsvoll und zweifelnd auf den Gesichtern seines Gefolges um . Sie grinsten alle , und Bruder Heinrich von Herstelle lachte sogar . Es blieb dem Prior von Corvey nichts anders übrig , als sich fußstampfend von neuem an den biedern Hauptmann zu wenden