Haustüren aufschichtete . » Wir heben uns von hinnen über den Bondascagletscher ins Bergell . Fausch , alle Dachluken auf , damit es Luft gibt ! Und dann hierher ! « Fausch krabbelte die Treppe herunter , beladen mit allerlei Mundvorrat , den er oben gefunden hatte , und Waser sah sich jetzt nach Jenatsch um . » Hier scheiden sich die Wege , Pancrazi « , sagte der alte Prädikant und drückte dem Pater die Hand über den Reisigwall hinweg , während das Mittelstück des Haustors unter dem Geheul der Belagerer auseinanderkrachte . » Dein ist die Vordertür . Unsern Rückzug durch die hintere deckt die Flamme . « Und er entzündete den Holzstoß . » Abgezogen , ihr evangelischen Männer ! « – Während das Feuer in aufrechter Lohe durch die luftige Bodenöffnung emporschlug , trat Jenatsch , die Tote im Arme , aus dem Wohnraume in die flackernde Helle . In seiner Rechten leuchtete das lange Schwert , auf dem linken Arme trug er , als spürte er die Last nicht , seine Tote , deren stilles , sanftes Haupt wie geknickt ihm an der Schulter ruhte . Er wollte sie nicht auf der Mordstätte zurücklassen . Waser konnte trotz der Gefahr der Stunde den Blick nicht verwenden von diesem Nachtbilde sprachlosen Grimms und unversöhnlicher Trauer . Er mußte an einen Engel des Gerichts denken , der eine unschuldige Seele durch die Flammen trägt . Aber es war kein Bote des Lichts , es war ein Engel des Schreckens . Indes die Bündner durch den Garten nach dem Fuße des Gebirges enteilten , hatte der Pater in der Küche neben Feuer und Rauch standhaft den Augen blick erwartet , wo die Türe in Splitter flog . Jetzt sprang er , das Kruzifix in der vorgestreckten Rechten , zwischen die Pfosten und rief der blutlechzenden Menge entgegen : » Heilige Mutter Gottes ! Wollt ihr mit den Ketzern verbrennen ? . . . Feuer vom Himmel hat sie verzehrt ! Löschet ! Rettet euer Dorf ! « ... Und hinter ihm prasselte die lebendige Glut . Mit einem Wehgeheul , das nichts Menschliches mehr hatte , wichen die Entsetzten zurück und es enstand eine unbeschreibliche Verwirrung . Blitzschnell verbreitete sich die Sage , Sankt Franziskus in eigener Person habe die Ketzer im protestantischen Pfarrhause vernichtet und sei in erhabener Gestalt den Gläubigen erschienen . So gelang es dem Kapuziner , sein Eselchen , das er in einem benachbarten Stalle untergebracht hatte , unbemerkt zu besteigen . Brandröten und Mordgeschrei hinter sich lassend , ritt er auf Umwegen , die Kapuze tief ins Gesicht gezogen , seinem Kloster am Comersee zu . Siebentes Kapitel Siebentes Kapitel Am Abend des fünften Tages nach diesen außerordentlichen Ereignissen näherte sich Heinrich Waser auf dem von Rapperswyl herkommenden ordinären Markt- und Postschiffe seiner Vaterstadt . Die schlanken Turmspitzen der beiden Münster zeichneten sich immer schärfer und größer auf dem klar geröteten Westhimmel , und bei diesem viellieben Anblick dankte der junge Amtschreiber aus Herzensgrunde der gütigen Vorsehung für das glückliche Ende seiner über Erwarten gefährlichen Ferienreise . Bei der Abfahrt von Rapperswyl hatte er sich nur in Gesellschaft der Schiffer befunden ; denn eine Schar von Pilgerinnen aus dem Breisgau , alte müde Weiber , verbargen ihre sonnenbraunen Gesichter scheu unter den roten Kopftüchern und hatten sich im Vorderteile des Schiffes eng zusammengeduckt . Sie beteten oder schliefen . Sie kamen vom heiligen Gnadenort Einsiedeln und waren noch über die lange Brücke zu den Kapuzinern von Rapperswyl gewandert , um von den als Geisterbanner und Exorzisten bewährten Vätern allerlei Mittelchen einzuhandeln gegen Krankheit von Menschen und Vieh und gegen teuflischen Spuk . Dort hatten die Wallfahrer von einem schrecklichen Strafgerichte gehört , das in einem Tale jenseits der Berge über die Ketzer hereingebrochen sei . Alle seien sie mit Feuer und Schwert vertilgt worden . Wohl erfüllte die Weiblein mit freudigem Schrecken dies Unglück der Mißgläubigen , aber auch mit dem Wunsche , so bald als möglich den protestantischen Landen , die sie zu durchwandern hatten , den Rücken zu kehren und jenseits der Grenze in ihrer katholischen Heimat diese großen Dinge zu verkündigen . So war das Gerücht von dem Protestantenmorde im Veltlin schon vor , oder doch zugleich mit dem jungen Zürcher hieher gelangt . Auch Waser hatte auf dem Heimwege erfahren , was zu glauben er sich immer noch in innerster Seele gesträubt hatte , daß der Überfall in Berbenn , den er miterlebt , nur eine Einzelnheit , und nicht die grausamste , eines längst geplanten , unerhörten Blutbades gewesen sei . Sogar die nach und nach bei den Dörfern , wo man anlegte , einsteigenden Marktleute waren voll davon . Es war eine Gesellschaft , die sich nicht erst von gestern her kannte . Die zwei Schiffleute , Vater und Sohn , vermittelten mit ihren Ruderknechten schon seit Jahren den Verkehr zwischen den beiden See-Enden . Der Junge , ein von der Sonne geschwärztes , kräftig aufgeschossenes Gewächs , war Wasers Altersgenosse . Sein Vater hatte ihn von Kindesbeinen an auf den See mitgenommen und ihn früh zum Vertragen der dem Schiffe für die Stadt anvertrauten Briefe und Pakete gebraucht . So war der Bursche mit dem jungen Jenatsch schon bekannt geworden , als der Pfarrer von Scharans seinen Jürg nach Zürich auf die Schule führte , hatte ihm später manche Botschaft gebracht , und wenn Waser zu Ferienanfang seinen Schulkameraden seeaufwärts begleitete , hätte dem lustigen Tage das Beste gefehlt , wenn der wort- und schlagfertige Kuri Lehmann nicht mitgefahren wäre . Er auch war es gewesen , der mit seinem Vater die müde kleine Lucretia in das Schiff aufgenommen , ihr in Zürich den Weg nach dem Carolinum gezeigt und ihr Mut gemacht hatte , nur frisch und unverzagt dem Jürg ihren Kram auf die Schulbank zu stellen . Auch die Dorfleute – ein alter Mann von Stäfa , der allwöchentlich seine Spanferkel in Zürich zu Markte brachte , der Honighändler , die Fischer und ein