den Füßen gegen die Türe und schrie nach Befreiung – draußen im Gange blieb es totenstill . Wieder schwang ich mich auf in die Fensternische und rüttelte wie ein Verzweifelter an dem Eisengitter , es war nicht zu erschüttern . Ein Fieberfrost ergriff mich und meine Zähne schlugen aufeinander . Dem Wahnsinne nahe warf ich mich auf Boccards Lager und wälzte mich in tödlicher Bangigkeit . Endlich als der Morgen zu grauen begann , verfiel ich in einen Zustand zwischen Wachen und Schlummern , der sich nicht beschreiben läßt . Ich meinte mich noch an die Eisenstäbe zu klammern und hinauszublicken auf die rastlos flutende Seine . Da plötzlich erhob sich aus ihren Wellen ein halbnacktes , vom Mondlichte beglänztes Weib , eine Flußgöttin auf ihre sprudelnde Urne gestützt , wie sie in Fontainebleau an den Wasserkünsten sitzen , und begann zu sprechen . Aber ihre Worte richteten sich nicht an mich , sondern an eine Steinfrau , die dicht neben mir die Zinne trug , auf welcher die drei fürstlichen Verschwörer gestanden . » Schwester « , frug sie aus dem Flusse , » weißt vielleicht du warum sie sich morden ? Sie werfen mir Leichnam auf Leichnam in mein strömendes Bett und ich bin schmierig von Blut . Pfui , pfui ! Machen vielleicht die Bettler , die ich abends ihre Lumpen in meinem Wasser waschen sehe , den Reichen den Garaus ? « » Nein « , raunte das steinerne Weib , » sie morden sich , weil sie nicht einig sind über den richtigen Weg zur Seligkeit . « – Und ihr kaltes Antlitz verzog sich zum Hohn , als belache sie eine ungeheure Dummheit ... In diesem Augenblicke knarrte die Türe , ich fuhr auf aus meinem Halbschlummer und erblickte Boccard , blaß und ernst wie ich ihn noch nie gesehen hatte , und hinter ihm zwei seiner Leute , von welchen einer einen Laib Brot und eine Kanne Wein trug . » Um Gottes willen , Boccard « , rief ich und stürzte ihm entgegen , » was ist heute nacht vorgegangen ? . . . Sprich ! « Er ergriff meine Hand und wollte sich zu mir auf das Lager setzen . Ich sträubte mich und beschwor ihn zu reden . » Beruhige dich ! « sagte er . » Es war eine schlimme Nacht . Wir Schweizer können nichts dafür , der König hat es befohlen . « – » Der Admiral ist tot ? « frug ich , ihn starr ansehend . Er bejahte mit einer Bewegung des Hauptes . » Und die andern hugenottischen Führer ? « – » Tot . Wenn nicht der eine oder andere , wie der Navarrese , durch besondere Gunst des Königs verschont blieb . « – » Ist das Blutbad beendigt ? « – » Nein , noch wütet es fort in den Straßen von Paris . Kein Hugenott darf am Leben bleiben . « – Jetzt zuckte mir der Gedanke an Gasparde wie ein glühender Blitz durchs Gehirn und alles andere verschwand im Dunkel . » Laß mich ! « schrie ich . » Mein Weib ! mein armes Weib ! « – Boccard sah mich erstaunt und fragend an . » Dein Weib ? Bist du verheiratet ? « – » Gib Raum , Unseliger ! « rief ich und warf mich auf ihn , der mir den Ausweg vertrat . Wir rangen miteinander und ich hätte ihn übermannt , wenn nicht einer seiner Schweizer ihm zu Hilfe gekommen wäre , indes der andere die Türe bewachte . Ich wurde auf das Knie gedrückt . » Boccard ! « stöhnte ich . » Im Namen des barmherzigen Gottes – bei allem , was dir teuer ist – bei dem Haupte deines Vaters – bei der Seligkeit deiner Mutter – erbarm dich meiner und laß mich frei ! Ich sage dir , Mensch , daß mein Weib da draußen ist – daß sie vielleicht in diesem Augenblicke gemordet – daß sie vielleicht in diesem Augenblicke mißhandelt wird ! Oh , oh ! « – und ich schlug mit geballter Faust gegen die Stirn . Boccard erwiderte begütigend , wie man mit einem Kranken spricht : » Du bist von Sinnen , armer Freund ! Du könntest nicht fünf Schritte ins Freie tun , bevor dich eine Kugel niederstreckte ! Jedermann kennt dich als den Schreiber des Admirals . Nimm Vernunft an ! Was du verlangst , ist unmöglich . « – Jetzt begann ich auf den Knieen liegend zu schluchzen wie ein Kind . Noch einmal , halb bewußtlos wie ein Ertrinkender , erhob ich das Auge nach Rettung , während Boccard schweigend die im Ringen zerrissene Seidenschnur wieder zusammenknüpfte , an der die Silbermünze mit dem Bildnis der Madonna tief niederhing . » Im Namen der Mutter Gottes von Einsiedeln ! « – flehte ich mit gefalteten Händen . Jetzt stand Boccard wie gebannt , die Augen nach oben gewendet und etwas murmelnd wie ein Gebet . Dann berührte er das Medaillon mit den Lippen und schob es sorgfältig wieder in sein Wams . Noch schwiegen wir beide , da trat , eine Depesche emporhaltend , ein junger Fähndrich ein . » Im Namen des Königs und auf Befehl des Hauptmanns « , sagte er , » nehmt zwei Eurer Leute , Herr Boccard , und überbringt eigenhändig diese Ordre dem Kommandanten der Bastille . « – Der Fähndrich trat ab . Jetzt eilte Boccard , nach einem Augenblicke des Besinnens , das Schreiben in der Hand , auf mich zu : » Tausche schnell die Kleider mit Cattani hier ! « flüsterte er . » Ich will es wagen . Wo wohnt sie ? « – » Isle St. Louis . « – » Gut . Labe dich noch mit einem Trunke , du hast Kraft nötig . « Nachdem ich eilig meiner Kleider mich entledigt , warf ich mich in die Tracht eines königlichen Schweizers , gürtete das Schwert um