reden ! « rief sie der störrischen Magd zu , die schon wieder nach ihrem Rechen griff . » Heute über vier Wochen hast du im Hirschwinkel nichts mehr zu suchen – daß du ' s weißt ! « Nach einer halben Stunde lag der Erschöpfte in einem guten Bett . Durch das große , helle Fenster der sogenannten Soldatenkammer im Erdgeschoß guckte der grüne Birnbaum im Hofe herein ; der Abendwind kam durch die Waldwipfel mit leisem Fächeln daher und hauchte das saubere Stübchen voll Kühle und Laubduft ; die kollernden Truthühner waren zur Ruhe gebracht , und nur auf der Mauer , welche die beiden Höfe trennte , saß ein weißes Kätzchen und putzte sich . Zum erstenmal hatte Herr Markus selbst die Schlüssel aus dem Wandschränkchen im Erkerzimmer genommen und war in den Weinkeller der seligen Frau Oberforstmeisterin hinabgestiegen , um eine Flasche von dem köstlichen alten , nur für die Armen und Bedürftigen angeschafften Krankenwein aus ihrer dunklen Ecke zu holen . Der Kranke hatte gegessen und auch von dem Wein getrunken , – aber über seine Lippen war kein Wort gekommen , und je mehr ihm Nahrung und Stärkung die schon halb entflohenen Lebensgeister in das frischer kreisende Blut zurückriefen , desto verzweiflungsvoller sah er aus . Sein Blick hing sehnsüchtig am offenen Fenster , und der Gutsherr dachte im stillen , die erste selbständige Kraftäußerung dieses armen Menschen werde ein Sprung aus dem niederen Fenster sein , um auf Niewiedersehen zu verschwinden und die Erinnerung an ihn und sein Elend in den barmherzigen Seelen so schnell wie möglich zu verwischen . Aber ein wenig später machte die erschöpfte Natur ihr Recht gebieterisch geltend – er fiel in einen tiefen Schlaf , und Herr Markus verließ das Stübchen , um das Gartenhäuschen aufzusuchen , in dem Frau Griebel das Abendbrot für ihn hergerichtet hatte . Er aß wenig und dachte grollend an das frischgebackene Schwarzbrot , das der Forstwächter heute auf seinem Tische hatte ... Wie diese Leute doch treu und zärtlich füreinander sorgten , bei aller Armut ! – Frau Griebel war eine brave Frau , eine wackere Seele , und sie hatte das Herz auf dem rechten Flecke ; aber die » Forellchen « und » Kartöffelchen « kosteten ihn doch sein gutes Geld – der alte Sägemüller hatte die Fische ganz gewiß nicht aus reiner Liebe für ihn gegeben , und der Herr Schloßgärtner ebensowenig seine Frühkartoffeln . – Und um das Maß des Verdrusses voll zu machen , hantierten die zwei Mägde mit ihren Heurechen gerade jetzt draußen an der Gartenecke , nahezu unter dem Häuschen auf der Mauer und schnatterten unaufhörlich . » Was du nur willst – ich schere mich viel drum , ob mir die Alte gekündigt hat oder nicht ! « sagte die grobe Magd , welcher vorhin der Dienst aufgekündigt ward . » Wer seine Arbeit so kann , wie ich , der kriegt alle Tage eine andere Herrschaft – « » Aber um die Zeit nicht , « fiel die andere ein . » In ganz Tillroda ist jetzt keine Stelle offen . Nachher kann dir ' s auch gehen , daß du bei Leuten unterkriechen mußt , wie die auf dem Vorwerk – keinen Heller Lohn und die wahre Knechtsarbeit auf dem Felde . « » Ach was – die jetzige hat ' s doch so schlimm nicht ! Der hilft der Forstwächter , wo er kann – die kann lachen ! Und mit dem Lohn mag ' s auch nicht so windig aussehen , wie die Leute sagen . Sie hat doch immer hübsche , knappe Lederstiefelchen an – so viel hab ' ich gesehen , wenn sie auch den Menschen immer auf zehn Schritt aus dem Wege geht und tut , als hätte unsereins Gift an sich . « » Ja , eine Eingebildete ist sie ! « bestätigte die andere . » Ich will nur sehen , wie die ' s treibt , wenn sie erst einmal drüben im Grafenholz zu Hause ist ! – Die hat Glück ! So eine Hergelaufene setzt sich in das schöne , warme Nest ! « » Na , meinetwegen , was geht denn mich die ganze Sippschaft an , wenn ich aus dem Hirschwinkel fort bin ! « murrte die Gestrafte ergrimmt und schleuderte einen Rechen voll Halme auf den nächsten Heuhaufen . » Mich ärgert nur das dumme Getue von der Alten ! Bringt da den ersten besten Strolch , der am Wege liegt , angeschleppt , legt ihn wie ein Wickelkind ins Bett , und den besten Wein , der im Keller aufzutreiben ist , gießen sie ihm in die Biergurgel – das läßt sich der freilich gefallen ! – Eine verrückte Gesellschaft auf dem Gute da ! Unsereins wird angeschnurrt wie ein Hund , wenn einmal eine Tür offen bleibt – von wegen der Stehlerei – und da holen sie sich die Spitzbuben selber ins Haus ! Ich lachte mich tot , wenn der morgen in seiner Tasche irgend was mitgehen hieße – das gönnte ich der Alten ! Nicht zehn Taler nähm ' ich für den Spaß ! « Der Gutsherr schlug klirrend das Fenster zu , und die Lästermäuler duckten sich wie erschreckte Wachteln hinter die nächsten Heuhaufen und scharrten da so emsig die letzten Halme zusammen , als könnten sie vor lauter Arbeit kein Wort über die Lippen bringen . Es war ein stiller , engumgrenzter Waldwinkel , der kleine Erdensteck da , und auch da litten sie nicht , daß der süße Frieden einmal ausruhend seine Flügel zusammenschlage – Neid und Bosheit nämlich , und so ziemlich alle dämonischen Regungen der Menschenseele , welche auf dem großen Welttheater ihr Spiel treiben . 7. Am anderen Morgen wurde es sehr früh laut vor dem Gutshause . Herr Markus sah durchs Fenster die kleine hübsche Luise über die gemähte Wiese hinirren . Sie war im hellen Morgenröckchen , und ihr dickes blondes Haar steckte in einem weißen Netz mit