nach damaligen Begriffen , von Gespenstern heimgesuchten Stelle näherte , « warf ich ein , indem ich auf eine Thoröffnung in der sich vor uns erhebenden hohen Giebelmauer zu lenkte . Wie ganz anders wäre es zum Beispiel , träte uns aus diesem Gemäuer ein steinerner Gast entgegen , mit der Frage : » Wer wagt es mein stilles Reich zu entweihen und mich in meiner Ruhe zu stören ? « » Oder ein bleiches Burgfräulein im Weißen Gewände , « fügte das junge Mädchen mit schwärmerischem Ausdruck hinzu , » nein , lieber eine rosige Dame mit langer Sammetschleppe , den Falken auf der Hand und zwei muntere Windspiele zur Seite , ja , das wären Gespenster , von denen ich die Burg belebt sehen möchte ; aber es ist ja heller Tag , und die Burggeister verlassen , wie die Sage lehrt , nur um Mitternacht ihre längst überwucherten Ruhestätten . « » O , es müßte ein Geist des niedersten Ranges sein , der nicht die Macht besäße , sich auch im Sonnenschein etwas ergehen zu können ! « rief ich heiter aus , indem ich meiner Begleiterin den Vortritt in die erste , nur noch an den Mauerüberresten kenntliche Halle ließ . Eine Antwort schwebte ihr auf den Lippen ; plötzlich aber prallte sie erschreckt zurück , ihr Antlitz erbleichte , auf ihren Wangen erschienen wieder die beiden rothen Maale , und ihre Blicke starr auf einen mir noch nicht sichtbaren Punkt geheftet , flüsterte sie kaum vernehmbar : » Mein Gott , was ist das ? « Gleich darauf befand ich mich an ihrer Seite , und als ich nach der Ursache ihres Entsetzens umherspähte , gewahrte ich eine Persönlichkeit , die wohl geeignet war , ein leicht erregbares jugendliches Gemüth , namentlich nach der vorhergegangenen Unterhaltung , mit Schrecken zu erfüllen . Im Schatten der Mauer und unter einer laubenartig niederhängenden Epheuverzweigung stand nämlich , als wenn sie sich eben erhoben hätte , eine weibliche Gestalt , die für mich , der ich sie bereits seit vielen Jahren kannte , zwar nichts Befremdendes hatte , durch ihren unerwarteten Anblick mich aber dennoch in nicht geringem Grade überraschte . Dieselbe 1 war hoch und kräftig gewachsen , sogar zur Corpulenz hinneigend ; ihre breiten Gesichtszüge trugen den Ausdruck leichtfertiger Gutmüthigkeit und schienen aus einem freundlichen Lächeln gar nicht herauskommen zu können . Wenn man indessen tiefer in ihre graublauen Augen schaute , dann entdeckte man leicht ein unstetes Leuchten , welches auf eine Gestörtheit des Geistes hindeutete und zugleich ihren seltsamen Aufzug rechtfertigte . Ihren von wirren , nur nothdürftig aufgesteckten Haaren umgebenen Kopf bedeckte ein großes grünes Barett , wie man solche häufig auf Bildern den Knappen und Rittern beigegeben findet . Ein grellfarbiges Tuch schlang sich um ihren Hals , ein dunkeles Kleid von leichtem Stoff verhüllte , ziemlich unordentlich angelegt , ihren Körper , doch hatte sie den Rock des selben festonartig so aufgenommen , daß ein dunkelblaues Unterkleid sichtbar blieb , auf dessen unterem Rande mit weißen Fäden ein breiter Besatz höchst kunstvoll eingestickt war . Die Stickerei bestand aus einer fortlaufenden Reihe großer Figuren und Gruppen , und man brauchte nur einen Blick auf dieselben zu werfen , um sich zu überzeugen , daß sie , aus einer krankhaften Phantasie hervorgegangen , von der Eigentümerin selbst sehr sorgfältig ausgenäht worden waren . An ihrer Seite hing eine große Tasche , in welcher sie die ihr unentbehrlich erscheinenden Gegenstände mit sich führte , während sie einen kleinen Arbeitsbeutel an ihren Gürtel befestigt hatte . Ihre Bekleidung , überhaupt ihr ganzes Aeußere trug reichliche Spuren ihres unsteten Wanderlebens und ihrer Vorliebe für den Aufenthalt im Freien , und beim Hinblick auf den Figurenkreis und den altmodischen Kopfputz konnte man nicht umhin , sie in Gedanken mit den Beschreibungen längstverschollener Wahrsagerinnen oder Zauberinnen zu vergleichen . So stand sie denn vor uns ; ein gutmüthiges Lächeln schwebte auf ihren alternden Zügen , und weder in Miene noch Haltung äußerte sie Ueberraschung oder Mißmuth über unsere Störung . Und gestört hatten wir sie , das bewiesen die noch mit Dinte befeuchtete Feder und ein zur Hälfte beschriebenes Blatt Papier in der einen Hand , und ein Dintenfläschchen in der an dern , welches sie im Begriff stand , zuzukorken . » Ah , Fräulein Brüsselbach , « rief ich mit zutraulicher Freundlichkeit aus , denn ich glaubte dadurch am schnellsten den beängstigenden Eindruck zu verscheuchen , welchen der unvermuthete Anblick einer Geisteskranken auf meine Gefährtin ausübte , » wie geht es Ihnen und was verschafft mir die Ehre , mit Ihnen zwischen den Ruinen des Godesberg zusammenzutreffen ? « Die Angeredete verpackte mit unerschütterlicher Ruhe ihr Dintenfläschchen , und dann zuerst mich und demnächst das junge Mädchen flüchtig betrachtend , schritt sie uns langsam entgegen . » Excellenz belieben zu scherzen , indem Sie sich nach dem Befinden Ihrer gehorsamen Dienerin erkundigen , « begann sie mit ihrem tiefen , aber nicht unangenehm klingenden Organ , » ich erlaubte mir , wie Sie , die Gräber Ihrer Vorfahren zu besuchen und der Zeiten zu gedenken , in welchen in diesen Hallen die edlen Ritter die edlen Fräulein zum Tanze führten . « » Entfernen wir uns , ich fürchte mich , « flüsterte meine bebende Gefährtin , dichter zu mir herantretend . » Fürchten Sie sich nicht , gnädigste Comtesse , « versetzte Fräulein Brüsselbach , eh ' ich irgend etwas zur Beruhigung des jungen Mädchens erwidern konnte ; » die Mauern stehen noch fest , und die Verstorbenen verlassen ihre Gräber nicht wieder . Wenn Sie aber die Liebe fürchten und ihr auszuweichen wünschen , so hilft alle Vorsicht Ihnen nicht . Sie kommt , wo und wann es ihr gefällt , gleichviel , ob im Palast , in der Hütte des Armen oder zwischen den Ruinen von Godesberg . « » An wen haben Sie geschrieben ? « fragte ich , um der Unterhaltung eine andere Wendung zu geben . » An