des kleinen Salons legte , hörte ich drinnen die tiefe Stimme des Barons , welcher sagte : » Nein , mein lieber Junge , das ist eine kapitale Überraschung . « » Junge « , dachte ich , » mein Gott , wer kann das sein ? « und trat ein . Ich sehe sie noch alle deutlich vor mir stehen : der Baron , wie es seine Gewohnheit auch im heißesten Sommer war , vor dem Ofen , die Hände auf dem Rücken , Hanna neben ihm . Auf dem Sofa saß Frau v. Bendeleben , sie hatte ein grauseidenes Kleid und ein Häubchen mit rosa Bändern an . Vor ihr stand ein schlanker , junger Offizier , der hielt lachend ihre beiden Hände in den seinen – Wilhelm v. Eberhardt . Bei meinem Eintritt wandte er sich um : wir standen uns gegenüber und sahen uns an . Später , nach langen Jahren , noch jetzt frage ich mich manchmal , warum Menschen , die verhängnisvoll füreinander werden sollen , dies nicht beim ersten Begegnen empfinden ? Oh , hätte ich eine Ahnung davon gehabt , welch einen Einfluß er auf mein Leben bekommen sollte , ich wäre in mein ödes Vaterhaus geflohen und wäre dann vielleicht glücklicher geworden . » Sieh da , unser Wildfang ! « rief der Baron . » Liebes Gretchen , sehen Sie sich einmal diesen jungen Mann an . Er gibt vor , Wilhelm v. Eberhardt zu heißen , und macht infolgedessen Vetterrechte hier geltend . Ich glaube es aber nicht eher , bis ich eine Bescheinigung vom Regimentskommandeur habe . In ein paar Jahren kann aus einem kleinen , exemplarisch mageren , ewig hungrigen Kadetten nicht ein so strammer Leutnant geworden sein . « Er schien nicht recht zu wissen , was er zu dieser Vorstellung sagen sollte , da er keine Ahnung hatte , wer ich sei . Aber Frau v. Bendeleben kam ihm zu Hilfe : » Die junge Dame , lieber Wilhelm , ist Fräulein Margaret Siegismund und Hannas Freundin . « Der Eintritt der anderen Offiziere machte dieser Szene ein Ende . Ich trat zu Hanna . Es erfolgten nun die langweiligen Vorstellungen und Entschuldigungen bei der Hausfrau über die unfreiwillige Störung im Hause . Leutnant v. Eberhardt lehnte am Flügel und sah zu mir herüber . Ein kleiner blonder Offizier , der Adjutant , stand vor uns und versicherte Hanna , daß er in seinem ganzen Leben noch kein solch reizendes Quartier gehabt habe . Er sprach sehr viel und sehr lebhaft und beneidete den Leutnant v. Eberhardt , daß er hier gleich Onkel , Tante und Cousinen vorgefunden hätte . Der Hauptmann und Premierleutnant waren ältere Herren . Der Hauptmann , dick wie eine Kugel , sah aus , als liebte er sehr die geistigen Getränke , den Premierleutnant habe ich während der ganzen Zeit seines Aufenthaltes keine drei heiteren Worte sprechen hören . Er sah finster und mürrisch aus und schimpfte auf das schlechte Avancement . » Ich sage Ihnen , mit einer Garnitur Knochen kommt man heutzutage nicht mehr aus « , das war seine stete Redeweise . Die Namen der beiden Herren weiß ich nicht mehr . Der Oberst , ein feiner , liebenswürdiger Mann mit vollendet hofmännischen Manieren , war ein Baron Rosenberg . Unsere Tafel war sehr heiter und amüsant . Der kleine blonde Adjutant , ein Herr v. Bergen , Leutnant v. Eberhardt , Hanna und ich bildeten die untere Ecke , und wir waren bald im lebhaftesten Geplauder . Wir stießen auf vergnügte Stunden an , sprachen von Partien , Tanzen und von allem möglichen . Dann ertönte plötzlich die Regimentsmusik : der aufmerksame Oberst ließ den Damen ein Ständchen bringen . Ach , solche Kapelle hatte ich noch nie gehört , sie elektrisierte mich vollständig – Musik und Blumen sind das Schönste , was es auf der Erde gibt , solange man jung ist ! » Gretchen « , erklang die Stimme des Barons , » geh , sing uns ein Lied , aber ein Volkslied , bitte . « Es war Dämmerung geworden , und die Diener wollten eben die Kerzen auf den silbernen Leuchtern anzünden , da sagte der Oberst : » Oh , nicht doch ! Volkslieder hören sich am schönsten im Dämmern an . « Leutnant v. Eberhardt war aufgestanden und hatte mir den Arm geboten : » Darf ich Sie zum Flügel führen ? « Wir gingen in das Nebenzimmer . Hanna war uns gefolgt und schickte sich an , meinen Gesang zu begleiten . Ich fühlte , daß ich zitterte . Vergebens besann ich mich auf ein Lied . Ich weiß nicht , wie gerade dieses Lied mir in den Sinn kam . Ich sang : Mondschein am Himmel , Unter Bäumen ein Platz , Dort suchte mich abends Mein schwarzäugiger Schatz . So schwarz seine Augen , So rot sein Mund , So golden der Mondschein , O selige Stund ' ! So selig , so wonnig , So wunderbar lieb , Oh , ihr Steine am Himmel , Wenn ' s immer so blieb ' ! Mond ist gegangen , Erloschen die Stern ' . So blaß meine Wangen Und er , ach so fern ! – Ich hatte anders gesungen als sonst . Machten es die schwarzen Augen , die mich während des Singens unverwandt anschauten ? » Bravo , Gretchen ! « rief der Baron , zu dessen Lieblingen die einfachen , schwermütigen Melodien gehörten . » Aber wie kommst du auf dies traurige Lied ? Bitte , verwandle dich in den Pagen und singe mir Cherubins Klage . « » Neue Freuden , neue Schmerzen « , hob ich an , meine ganze Sicherheit war wiedergekommen . Ich sang mit wahrer Begeisterung und fühlte , daß ich ganz besonders gut sang . Ein stürmisches Bravo belohnte mich , die Herren traten alle an mich heran , der Oberst versicherte einmal über das andere , ich müsse