meiner Küche . Und zur Hochzeit brauchen Sie mich auch nich einzuladen , weil , daß ich zu eine angehende Mörderin doch nich 77 komme ; und Sie können man Gott danken , daß das Kind nich an Ihrer offen gelassenen Türe gestorben is – Sie – Sie – « » Kathrin ! « rief ich entsetzt , » wenn Großmutter Sie hörte ! « » Kann mich hören , Fräulein , gnä ' Frau kann mich hören , sie weiß , wie ich ' s meine , denn jetzt kennt sie mir , und auf diese Welt kann uns nichts mehr trennen , ausgenommen , ich müßte heiraten . Nee , Fräulein , nu stecken Sie sich man lieber nich zwischen Ihre Großmutter und mir , wir beide sind einig for immer . « Und so war ' s auch . Kathrin hat der alten Frau in guten und bösen Tagen beigestanden ; sie ist bei ihr gewesen , als Großvater so plötzlich starb , und hat ihr selbst die Augen zugedrückt , als sie uns im hohen Alter entrissen ward . Großvater hatte Kathrin die Rettungsmedaille verschafft ; sie trug dieselbe an allen hohen Festtagen , auf ihrer eigenen Hochzeit , bei Begräbnissen und Taufen in unserer Familie und wenn sie zum heiligen Abendmahl ging . In ihren letzten Lebensjahren äußerte sie noch einen Wunsch , den sie immer wiederholte . Sie lebte in einem sogenannten Spittel , hatte dort ein nettes Stübchen und ruhte , Strümpfe strickend und Kaffee trinkend , aus von ihrem arbeitsvollen Leben , und wenn ich sie besuchte , dann sprach sie gern von ihrem Tode , und endlich kam auch der Wunsch : einen recht feinen Sarg und einen schönen Nachruf im Wochenblättchen ! Wenn 78 sie das sicher wüßte , dann könnte sie sich doch noch auf etwas freuen auf dieser Welt . Ich versprach es ihr . Und als sie heimgegangen war , da stand im Wochenblatt zu lesen , daß Kathrin So und So , geborene Zeugler , Inhaberin der Rettungsmedaille , die treueste Seele gewesen , nicht nur als Dienerin , sondern auch als Freundin , die mit Gefahr ihres eigenen Lebens ihre Herrschaft vor großem Schmerz bewahrte . Unterschrieben : Die dankbaren Familien v. Stetten und v. Reinecke . Meine Schwester Gretchen stiftete den Sarg ; ihr Sohn , der Leutnant v. Reinecke , einen herrlichen Kranz , und seine niedliche Braut am Arm wanderte er beim nächsten Urlaub hinaus auf den Friedhof zu Kathrins Grab . Ja , ja , wenn diese Kathrin nicht gewesen wäre , diese ungeschlachte , ungebildete Kathrin , die dennoch das Beste besaß , was es auf der Welt gibt : ein treues Herz ! 79 Korl Lorensen . Ich gehe schon den ganzen Tag in Gedanken an eine neue Geschichte umher ; was soll ich diesmal meinen freundlichen Lesern erzählen ? Es gäbe gewiß noch vieles zu berichten aus dem Lenkwitzer Forsthause , aber mir fällt just nichts ein . Eigentlich habe ich auch schon zu oft geplaudert von den alten Begebenheiten ; es könnte wirklich einmal etwas anderes sein – aber was ? Vielleicht Geschichten aus der Gegenwart ? Aus dem Hause , dem großen Mietshause , in dem ich wohne ? Oder von der Straße – Geschichten , deren Inhalt sich an Vorübergehende knüpft , so eine Art Chronik der W.-Straße ? Oder Begebenheiten aus der Dorfgasse , in der das Haus meiner Eltern steht ? Es gibt überall Interessantes , aber man muß es nur erst haben , sehen ; lebendig werden müssen die Gestalten , die schattenhaft an meinen Augen vorübergleiten . Aber so viele ich auch heute festhalte und sie frage : » Nun sag , was könntest du wohl erlebt haben – und du und du ? « sie bleiben stumm , schweben vorüber und zerfließen ; sie lassen mich allein . Nichts ! Ein Königreich für den Stoff zu einer neuen , fesselnden Geschichte ! Und dabei ist ' s so friedlich in meiner Schreibstube , so recht zum Arbeiten geschaffen . Der Regen , der sich gegen Abend eingestellt hat , schlägt an die Fenster , der kleine Amerikanerofen steht und sieht mich mit feurigen Augen durch 82 die leichte Dämmerung an , die schon herabsinkt , und die Uhr tickt , die winzig kleine Schwarzwälderuhr , die ich mir einmal für fünf Mark in Rippoldsau erstand und die seit Jahren ihr Ticktack hören läßt , so traut und lieb , daß ich ihr immer wieder von neuem verzeihe , wenn sie so ganz und gar nicht richtig gehen will . Der Wind heult auch recht hübsch da draußen ; aber das macht mein Zimmer noch behaglicher . Wenn nur ein Stoff da wäre für die Geschichte , dann müßte es ein reizender Abend werden . – Denken wir nach ! Ich könnte ja vielleicht von meinen Reisen erzählen ? Freilich , das geht – versuchen wir es ! Da vor mir steht ein Briefbeschwerer , der geflügelte Löwe von San Marco . – Venezia ! Ich sehe die Gondeln gleiten , ich höre den Schrei der Gondeliere . Der Mondschein flimmert auf dem Canale grande , weiß leuchten die Marmorpaläste , und eine weiche Männerstimme – ein erster Schmalztenor , wie man in Berlin sagt – klingt in mein Ohr . O du zaubervolles , göttliches Venedig , wenn nur nicht schon so über alle Maßen viel von dir erzählt wäre , das alles auf Mondschein , Meer und Gesang , auf Marmorpaläste und Gondeln herauskommt ! Nein , Venedig gebe ich auf – aber was nun ? Meine Gedanken fliegen von der stolzen Dogenstadt , hingelenkt durch einen Tannenbruch , der hinter dem Bilderrahmen über meinem Schreibtisch steckt und von dem schon die meisten Nadeln abgefallen sind , nach dem kleinen märkischen Städtchen , in dem mein Vater fünf Jahre lang in Garnison stand . Der Bruch stammt noch von einer Schnitzeljagd , welche die Ulanen ritten , bei der