Richter von seiner Schuld . Aber dies eigene Geständnis genügte nicht und durch Glocken läuten wurde das Volk zusammengerufen , um unter Gottes freiem Himmel ein ordentlich Gericht zu halten und die Strafe für diesen seltenen Verbrecher festzusetzen . So wollten es Richter und Magistrat . Das Volk indes war gegen jeden Aufschub , und verlangte stürmisch und ohne gesetzliche Prozedur die augenblickliche Hinrichtung . Zwei Bürger , Koppe Königsberg und Heinrich Keller , wurden durchs Los zu Vollstreckern gewählt ( man hatte damals , wenigstens in den kleineren Städten , noch keinen Nachrichter ) und Jakob Schildicke hing am Galgen , ehe noch eine Stunde vergangen war . Dies Stück Volksjustiz – dem entgegenzutreten Richter und Magistrat nicht die Macht hatten – rief innerhalb der gesamten Geistlichkeit einen Sturm des Unwillens hervor , die Bischöfe von Havelberg und Brandenburg brachten es vor den Papst und Ruppin ward in den Bann getan . Handel und Verkehr stockten , die Tore waren wie gesperrt , und jeder Ruppiner , der sich außerhalb der Stadt betreffen ließ , war vogelfrei . Es kostete viel demütiges Bitten , eh ' endlich , nach sechs Jahren , die Absolution erwirkt werden konnte , der umwohnende Adel aber fand es bequem , keine Notiz von der Freisprechungsbulle zu nehmen und seine Angriffe , unter dem Titel : » im Dienst der Kirche « , fortzusetzen . Die Frage entsteht : Wie stellten sich die Grafen , die doch die nächstoberste Macht im Lande waren , zu all diesen Übergriffen ? Waren sie nie zur Hand , um die Städte gegen den Adel , und nie zur Hand , um den Adel gegen die Städte zu schützen ? Es scheint , daß ihnen früh der Zügel der Herrschaft entfiel ; mühsam sich selber bei Ansehen haltend , waren sie viel zu schwach , um in jedem gegebenen Falle , gleichviel nun wie sich die Rollen tauschten , das Recht des Schwächeren gegen den Stärkeren wahrzunehmen . Schutz und Ordnung kamen erst in diesen Landesteil , als ein neues , lebendiges Regiment an die Stelle des alten , hinfälligen trat , mit anderen Worten , als die Hohenzollern – nach dem Tode des letzten Grafen Wichmann – das Ruppiner Land als Lehn eingezogen und sich selber als die Herren desselben etablierten . Dies war 1524 , wie wir gesehen . Es kam nun ein Jahrhundert rasch wachsender Prosperität . Die Stadt wußte sich den Hohenzollern zu verpflichten und empfing dafür , neben der Bestätigung alter Privilegien , neue Freiheiten und Vorrechte . Die Zünfte und Innungen waren stark besetzt und Handel und Verkehr blühten unter den Joachims , wie es die Stadt nie vordem gekannt hatte . Der Dreißigjährige Krieg , der wenige Jahrzehnte später dem allen ein Ende machte , warf keine voraufziehenden Schatten in die Ruppiner Gemüter , ahnungslos lebte jeder dem Augenblick und an die Stelle der kriegerischen Erregtheit , in die einst die nachbarlichen Fehden die guten Bürger von Ruppin versetzt hatten , traten jetzt die friedlicheren Aufregungen , zu denen abwechselnd eine Predigt gegen die Pluderhosen oder eine dem Kurfürsten zu leistende » Huldigung « einen immer erwünschten Anlaß gaben . Die erste Huldigung , die Stadt und Grafschaft nach dem Tode des letzten Grafen ( 1524 ) dem damaligen Kurprinzen Joachim darbrachten , war entweder von besonderer Nüchternheit oder die Aufzeichnung faßte sich allzu kurz . Desto mehr erfahren wir über die Huldigung , die , gegen Ausgang desselben Jahrhunderts , die Ruppiner dem Kurfürsten Joachim Friedrich leisteten . Kaspar Witte , einer der beiden Bürgermeister , hat den Hergang selbst beschrieben . Es heißt darin : Am 23. Juni 1598 kamen der Kurfürst samt Gemahlin zur Huldigung nach Neu-Ruppin ; mit ihnen waren die Kanzlei und der Hofstaat . Der ganze alte und neue Rat , dazu die Deputierten von Wusterhausen und Gransee , von Lindow , Zehdenick und Alt-Ruppin , als sie hörten , daß der kurfürstliche Zug die Grenze überschritten habe , fuhren auf drei Wagen bis an den Egelpfuhl , um daselbst Se . Durchlaucht zu begrüßen . Nachdem sie zwei Stunden gewartet hatten , kam der Kurfürst . Der Rat und die Deputierten gingen ihm vierzehn bis sechzehn Schritte entgegen . Er gab jedem die Hand . Der Kanzler Johann von Löben ( der Schwiegervater des später so berühmt gewordenen Konrad von Burgsdorf ) stellte sich darauf neben den Wagen , und der regierende Bürgermeister , Andreas Berlin , hielt eine lange Rede und überreichte die Schlüssel der Stadt . Der Kanzler antwortete in einer kurzen Rede . Nun bewegte sich der Zug langsam in die Stadt . Der Magistrat und die Deputierten begleiteten den kurfürstlichen Wagen auf beiden Seiten zu Fuß , ungeachtet es stark regnete , wofür sie aber durch die Unterhaltung mit Sr. Durchlaucht schadlos gehalten wurden . Vom Rosengarten bis zum Rathause stand die Bürgerschaft in zwei Reihen , unter ihnen einhundertundfünfzig » Buntröcke « oder Soldaten , welche Ehrenschüsse taten . Darauf speiste der Kurfürst samt seiner Gemahlin auf dem Rathause ; ihnen zunächst saßen die beiden durchnäßten Bürgermeister , Andreas Berlin und Kaspar Witte . Es herrschte ein heiterer ungezwungener Ton und Graf Hunert von Zerbst , der dazumalen kurfürstlicher Hauptmann auf dem Seeschloß von Alt-Ruppin war , » brachte viel Scherz und launige Rede an , von Jungfern und Frauen , von Ehebrecherei und anderer Löffelei « . ( Unser Gewährsmann Bratring , dem wir diese Stelle entnehmen , bemerkt dazu vorwurfsvoll , daß angenehme Zweideutigkeiten also auch damals schon in gebildeter Gesellschaft betroffen worden seien . ) Die Anwesenheit des kurfürstlichen Paares dauerte zwei Tage . » Der Magistrat hatte die sämtliche Dienerschaft beschenkt , zugleich aber mit allen Köchen und Kammerknechten sich gezankt « und war deshalb froh , als am dritten Tage die Huldigungsfeierlichkeiten vorüber waren . Wenn Bürgermeister und Deputierte , wie wir aus dieser Kaspar Witteschen Relation ersehen , sich mit » Köchen und Kammerknechten zankten « , so stiegen sie , in besonderer