Er kommt wieder frei . « Und » He kümmt wedder rut « hieß es auch im Hause der alten Jeschke , wo die blonde Nichte , die Line – dieselbe , nach der Hradscheck bei seinen Gartenbegegnungen mit der Alten immer zu fragen pflegte – , seit Weihnachten zum Besuch war und an einer Ausstattung , wenn auch freilich nicht an ihrer eigenen , arbeitete . Sie war eine hervorragend kluge Person , die , trotzdem sie noch keine siebenundzwanzig zählte , sich in den verschiedensten Lebensstellungen immer mit Glück versucht hatte : früh schon als Kinder- und Hausmädchen , dann als Nähterin und schließlich als Pfarrköchin in einem neumärkischen Dorf , in welch letztrer Eigenschaft sie nicht nur sämtliche Betstunden mitgemacht , sondern sich auch durch einen exemplarisch sittlichen Lebenswandel ausgezeichnet hatte . Denn sie gehörte zu denen , die , wenn engagiert , innerhalb ihres Engagements alles Geforderte leisten , auch Gebet , Tugend und Treue . Solcher Forderungen entschlug sich nun freilich die Jeschke , die vielmehr , wenn sie den Faden von ihrem Wocken spann , immer nur Geschichten von begünstigten und genasführten Liebhabern hören wollte , besonders von einem Küstriner Fourage-Beamten , der drei Stunden lang im Schnee hatte warten müssen . Noch dazu vergeblich . All das freute die Jeschke ganz ungemein , die dann regelmäßig hinzusetzte : » Joa , Line , so wihr ick ook . Awers moak et man nich to dull . « Und dann antwortete diese : » Wie werd ich denn , Mutter Jeschke ! « Denn sie nannte sie nie Tante , weil sie sich der nahen Verwandtschaft mit der alten Hexe schämen mochte . Plaudern war beider Lust . Und plaudernd saßen beide Weibsen auch heute wieder . Es war ein ziemlich kalter Tag , und draußen lag fußhoher Schnee . Drinnen aber war es behaglich , das Rotkehlchen zwitscherte , die Wanduhr ging in starkem Schlag , und der Kachelofen tat das Seine . Dem Ofen zunächst aber hockte die Jeschke , während Line weitab an dem ganz mit Eisblumen überdeckten Fenster saß und sich ein Kuckloch gepustet hatte , durch das sie nun bequem sehen konnte , was auf der Straße vorging . » Da kommt ja Gensdarm Geelhaar « , sagte sie . » Grad über den Damm . Er muß drüben bei Kunicke gewesen sein . Versteht sich , Kunicke frühstückt um diese Zeit . Und sieht auch so rot aus . Was er nur will ? Er wird am Ende der armen Frau , der Hradschecken , einen Besuch machen wollen . Is ja schon vier Wochen Strohwitwe . « » Nei , nei « , lachte die Alte . » Dat deiht he nich . Dem is joa sien ejen all to veel , so lütt se is . Ne , ne , den kenn ick . Geelhaar is man blot noch för so . « Und dabei machte sie die Bewegung des Aus-der-Flasche-Trinkens . » Hast recht « , sagte Line . » Sieh , er kommt grad auf unser Haus zu . « Und wirklich , unter diesem Gespräch , wie ' s die Jeschke mit ihrer Nichte geführt hatte , war Geelhaar von der Dorfstraße her in einen schmalen , bloß mannsbreiten Gang eingetreten , der , an der Hradscheckschen Kegelbahn entlang , in den Garten der alten Jeschke führte . Von hier aus war auch der Eingang in das Häuschen der Alten , das mit seinem Giebel nach der Straße stand . » Guten Tag , Mutter Jeschke « , sagte der Gensdarm . » Ah , und guten Tag , Lineken . Oder ich muß jetzt wohl sagen Mamsell Linchen . « Line , die den stattlichen Geelhaar ( er hatte bei den Gardekürassieren gedient ) , aller despektierlichen Andeutungen der Alten ungeachtet , keineswegs aus ihrer Liste gestrichen hatte , stemmte sofort den linken Fuß gegen einen ihr gegenüberstehenden Binsenstuhl und sah ihn zwinkernd über das große Stück Leinwand hin an , das sie , wie wenn sie ' s abmessen wollte , mit einem energischen Ruck und Puff vor sich ausspannte . Die Wirkung dieser kleinen Künste blieb auch nicht aus . So wenigstens schien es Linen . Die Jeschke dagegen wußt es besser , und als Geelhaar auf ihre mit Vorbedacht in Hochdeutsch gesprochene Frage , » was ihr denn eigentlich die Ehre verschaffe « , mit einem scherzhaft gemeinten Fingerzeig auf Line geantwortet hatte , lachte sie nur und sagte : » Nei , nei , Herr Gensdarm . Ick weet schon , ick weet schon ... Awers nu setten S ' sich ihrst ... Joa , diss ' Hradscheck ... he kümmt joa nu wedder rut . « » Ja , Mutter Jeschke « , wiederholte Geelhaar , » he kümmt nu wedder rut . Das heißt , er kommt wieder raus , wenn er nich drin bleibt . « » Woll , woll . Wenn he nicht drin bliewt . Awers worümm sall he drin bliewen ? Keen een hett joa wat siehn , un keen een hett joa wat utfunn ' n. Un Se ook nich , Geelhaar . « » Nein « , sagte der Gensdarm . » Ich auch nich . Aber es wird sich schon was finden oder doch finden lassen , und dazu müssen Sie helfen , Mutter Jeschke . Ja , ja . Soviel weiß ich , die Hradscheck hat schon lange keinen Schlaf mehr und ist immer treppauf und treppab . Und wenn die Leute sagen , es sei bloß , weil sie sich um den Mann gräme , so sag ich : Unsinn , er is nich so und sie is nich so . « » Nei , nei « , wiederholte die Jeschke . » He is nich so un se is nich so . De Hradschecks , nei , de sinn nich so . « » Keinen ordentlichen Schlaf also « , fuhr Geelhaar fort , » nich