konnte seinen Auseinandersetzungen nicht recht folgen , und Balailoff versteht es sicher noch weniger als ich . Der Idiot aber will jetzt plötzlich auch über Petroleumgewinnung besser Bescheid wissen als alle anderen , nachdem er vorher nur in Heiratspapieren kompetent war . Bei jedem anderen Gespräch verstummte er und klappte ratlos mit den Kinnladen . Einstweilen ist er hier noch unentbehrlich , denn die Heiratsangelegenheit scheint trotz all seiner Bemühungen nicht vom Fleck zu rücken . Balailoff ist manchmal sehr nervös und klagt darüber , daß die Beamtenbestechung unwahrscheinliche Summen verschlinge . Wir anderen trauen dem schwarzen Kerl nicht über den Weg . Bei Tisch setzt er sich nach wie vor zu uns , ist auf keine Weise loszuwerden , sondern sitzt da , starrt uns an und erzählt , wenn man ihn überhaupt zu Wort kommen läßt , von seinem angeblich bewegten Leben . Anfangs brachte man ihn rasch zum Schweigen , aber wir lassen ihn jetzt manchmal gewähren , um gelegentlich eine Handhabe gegen ihn zu gewinnen . Bis jetzt haben wir aber nur festgestellt , daß er unerhört lügt und höchstens in Balailoffs Gegenwart seine Erzählungen etwas glaubhafter hält . Von uns nimmt er wohl an , daß wir alles glauben , da wir immer schweigend zuhören und nie den leisesten Zweifel äußern . ... Es scheint beinah , daß wir unserem Ziel näher kommen und eine wichtige Entdeckung gemacht haben , mittels deren wir ihn vielleicht stürzen können . Neulich abends waren wir alle in Henrys Zimmer - der Pavillon der Braut liegt nahe an unserem Separatflügel , und man hört sie allabendlich Klavier spielen , war aber so daran gewöhnt , daß man nicht weiter darauf achtete . Balailoff ist um diese Zeit nie vorhanden , sondern treibt sich allein in der Stadt herum . An diesem Abend nun unterhielten wir uns ganz friedlich . Henry hatte Wein aus dem Bureau heraufgeschafft , und Baumann , der einen ziemlichen Schwips hatte , sagte auf einmal nachdenklich : » Hört nur , das ist wirklich merkwürdig ... sie spielt ja vierhändig . « Wir schwiegen und hatten so unsere Gedanken dabei , während Baumanns Freundin ihn im tiefen Ernst zu überzeugen versuchte , daß es unmöglich sei , allein vierhändig zu spielen . Natürlich wollten wir in ihrer Gegenwart unseren Verdacht nicht äußern , aber als sie fort war , machten wir das Licht aus und warteten gespannt am Fenster , bis das Klavierspiel verstummte . Kurz nachher sahen wir denn auch den Privatsekretär vorsichtig durch den Garten schleichen . Aber was nun ? Darüber wurde lang hin und her beraten . Man kann die beiden doch nicht einfach verklatschen ... es ist schließlich ihre Privatsache . Andererseits ist Balailoff , wenn er sich auch neuerdings schlecht benimmt , sozusagen unser Freund , während wir die Braut nicht ausstehen können und den Idioten los sein möchten . Sollte einer von den Männern den Ahnungslosen aufklären , was da vor sich geht ... es nimmt sich eventuell doch schlecht aus , und die beiden würden zweifellos leugnen . Gott weiß , ob sie nicht auch wirklich nur zusammen Klavier spielen . Und doch , meinte Henry , wäre es beinahe Christenpflicht , ihn aufmerksam zu machen , denn wenn der Idiot ihm mit seiner Braut Hörner aufsetzt , wird er ihm auch mit dem Petroleum Hörner aufsetzen , sobald es ihm gelingt , seine Pfoten dahinein zu bekommen ... und die ganze Geschichte geht für uns zum Teufel . Zunächst haben wir also nur versucht , den Schwarzen aufs Glatteis zu führen . Ich fragte ihn gleich am nächsten Morgen in aller Harmlosigkeit , ob es bei starker musikalischer Begabung möglich sei , alleine vierhändig zu spielen . Balailoff schlug ein schallendes Gelächter an ... er ahnt also nichts von den nächtlichen Konzerten ... die Braut verfärbte sich ... sie hat jedenfalls ein schlechtes Gewissen . Der Idiot aber behielt seine Fassung und hielt mir einen längeren Vortrag über Klaviertechnik sowie über Möglichkeiten und Unmöglichkeiten . Es war ein ausgesprochener Mißgriff , denn nun sind sie gewarnt und spielen nicht mehr zusammen . Darauf versuchten Henry und Baumann - der Privatdozent gab sich nicht dazu her - der Braut auf Tod und Leben die Cour zu machen , um den Idioten auszustechen . Sie reagierte in keiner Weise , und man erreichte nur , daß Balailoff noch verstimmter auf uns ist . Nun haben wir noch einen Plan im Hinterhalt ... wir wunderten uns nämlich schon lange darüber , daß weder Balailoff noch die Braut auf den Gedanken gekommen sind , die Ehe in England zu schließen . Er selbst weiß am Ende gar nichts von dieser segensreichen Einrichtung ... bei einem Russen mit Spleen wäre das gar nicht so unmöglich , und sein Faktotum wird sich hüten , ihn auf den Gedanken zu bringen , da die Angelegenheit dadurch zu einem rascheren Abschluß käme . Das liegt selbstverständlich nicht in seinem Interesse . Uns selbst geht es , offen gesagt , ebenso . Wir konnten uns nie besonders für die Heirat erwärmen und hofften immer , daß sie noch möglichst hinausgezogen würde , bis das Petroleum ... Denn daran sind wir alle aufs lebhafteste interessiert und wollen mit hineingehen , sobald eine gewisse Garantie gegeben ist . Lukas hat trotz seiner nationalökonomischen Weisheit Blut - respektive Petroleum - geleckt und möchte sein bescheidenes Kapital vermehren , Baumann mit fast gar nichts eines gewinnen , und ich - nun , wenn irgend möglich , das Unglück mit dem Pflichtteil wieder gutmachen . Wäre nur Henry für einen Gründer nicht viel zu anständig , ich begreife allmählich , daß es eben das ist , was ihn immer wieder um den Erfolg bringt . Wie oft hätte er mit mehr Schwindel schon etwas erreichen können , aber er will nicht . Er schlägt statt dessen auf den Tisch und sagt : » Teufel , es muß auch so gehen ! « Glaubst du , er wäre auch nur imstande