sah trüb ins Leere , die Hände verschlungen im Schoß haltend . Ich blieb noch eine Weile stumm in meinem Winkel hocken ; da aber das Mädchen sich immer noch nicht rührte , stand ich schließlich auf und nahm die Testamentsurkunde vom Tisch , trat ans Fenster und las , so gut ich konnte , die Artikel durch . Darnach meinte ich etwas kleinlaut : » Was wird jetzt wohl werden ? Wirst mich halt nimmer mögen , wenn ich einmal groß bin , wo du jetzt auf einmal eine Herrische bist ! Wird dich halt ein Graf kriegen oder ein Junker ! « Sie antwortete mir nichts , und ich kam mir recht armselig und bemitleidenswert vor , als ich das Schriftstück so unschlüssig in der Hand drehte . Nach einer Weile begann ich wieder : » Was hast jetzt vor ? Was willst jetzt tun ? Wirst wohl kaum mehr mitgehen in den Weidhof ? Bleibst wohl gleich da ? « Da ich abermals keine Antwort von ihr erhielt , warf ich die Urkunde auf den Tisch , nahm mein Hütl und sagte : » Jetzt bist halt ein Herrenkind ! Jetzt kennst halt den Weidhoferbalg nimmer , gelt ! ... « Draußen war ich , und krachend fiel die Tür ins Schloß , und ich rannte ingrimmig dahin , die Herrischen verfluchend und denen die Hölle wünschend , die mich hergesetzt in diese lausige Welt . Keinen Blick tat ich mehr zurück nach dem Waldhaus und kam keuchend in den Weidhof , schlich mich ungesehen in die Kammer des Ambros und warf mich aufs Bett . In meinen Ohren sauste und hämmerte das Blut , und der Schmerz würgte mich am Halse , daß ich Mühe hatte , die Tränen zu verbeißen . Stundenlang lag ich so , beide Fäuste vor den Kopf gepreßt und nichts denkend als : sie ist herrisch , von Höhenrain , sie wird einen Herrischen kriegen . Schließlich bildete sich in meinem Hirn ganz von selber eine Melodie zu diesem Gedanken , und am End mußte ich mit dem Fuß den Takt dazu stoßen , während ich auf dem Bauch lag und summte : Sie ist herrisch , von Höhenrain ... sie wird einen Herrischen kriegen ... Mein Ziehvater riß mich endlich aus diesem unsinnigen Brüten ; er kam herauf und sah nach mir , fragte um die Jungfer und wollte uns zum Nachtessen holen . Ohne mich zu erheben , berichtete ich ihm mit wenigen Worten von der Testamentseröffnung . » Die Jungfer ist gleich droben blieben im Waldhaus « ; schloß ich darnach ; » ghört ja jetzt alles ihr . Sie ist ja eine Herrische von Höhenrain ! « Erstaunt über diese Botschaft wollte der Weidhofer gerade was erwidern , als das Mädchen eilig über die Stiegen heraufkam und ihn , als er aus meiner Kammer blickte , ängstlich fragte , ob ich schon daheim sei . » Ja , ja , Jungfer « , sagte mein Ziehvater lachend ; » der ist schon da . Hat mir schon allerhand vorgeflunkert von der Erbschaft ! « Damit ging er wieder zu mir in die Kammer herein und lud auch das Kathreinl ein , sich ein wenig auf meinen wackligen Stuhl zu setzen und zu erzählen . Ich sprang nun rasch aus dem Bett , strich es glatt und wollte davon ; aber der Ziehvater lehnte an der Kammertür , und so mußte ich noch einmal die ganze Sach über mich ergehen lassen . Der Meßmer hörte ihr aufmerksam zu , überlas auch die Urkunde und erbot sich schließlich , ihr in allem getreu zu helfen und zu raten , darüber sie sehr erfreut war und ihm froh dankte . Darnach gingen wir alle drei hinunter in die Wohnstube , und der Vater rief im Vorbeigehen in die Kuchel : » Auftragen für drei ! Haben die andern schon gessen ? « , worauf ihm vom Kuchelmensch der mürrische Bescheid wurde : » Schon lang . « Also aßen wir , und der Vater unterhielt sich eifrigst mit der Jungfer und gab ihr viel gute Ratschläge , erbot sich , ihr Vieh aufzunehmen , ihr Haus zu versorgen und sie selber - wenn sie wolle , natürlich - als ein Vormunder in allen ihren Gerechtsamen zu unterstützen und ihr Erbe zu verwalten . Das Mädchen war mit allem einverstanden und bat am Ende noch um die Vergünstigung , daß sie , bis sie einmal irgendwo ein gedeihliches Unterkommen fände , im Weidhof bleiben dürfe , wofür sie dann dem Vater den vollen Milchertrag und fürs Jahr ein Kalb verschreiben tät . Einigten sich also , daß die Jungfer von nun an wie ein Hausglied im Weidhof aus und ein gehen und leben kunnt , wohingegen der Meßmer dann den vollen Milchertrag und zu Lichtmessen ein Kalb erhielt . Fröhlich ging das Kathreinl darnach in ihre Kammer ; der Weidhofer aber nahm die Mutter beiseite und brachte es nach langem , hartem Kampf dahin , daß sie zu dem Handel ja und amen sagte . Also blieb die Jungfer im Weidhof ; ich aber trug mich mit dem Gedanken , das Haus zu verlassen und mich in der Fremde ein wenig umzuschauen ; doch sagte ich niemandem etwas davon und wartete nur auf eine Zeit , die mir besser dazu paßte wie der Sommer ; wie denn insgemein ein jeder weiß , daß in den Hundstagen überall bei den Bauern die Arbeit metzenweis um etliche Groschen leichtlich zu haben ist . Es mög mir aber nicht zu einer Unehr angerechnet werden , daß ich in jenem Alter noch nicht so gar aufs Geldverdienen aus war , vielmehr lieber ums Gnadenbrot und Gottes Lohn in meiner Kammer oder auf der Hausbank hockte und meiner Ziehmutter , der Meßmerin , aus weichem Holz allerhand Koch- und Rührlöffel schnitzte , während die andern auf dem Felde schwitzten und die Kathrein droben in ihrer Stube am Spinnrocken saß und tagein , tagaus spann und einen