» Sie - Monsieur Dame , wie hat er denn ausgesehen ? « Ich versuche ihn zu beschreiben : » Schlank - mittelgroß - das Gesicht hab ' ich nicht deutlich sehen können , dazu war das Zimmer zu dunkel . Aber ich besinne mich , daß er Maria abholen wollte . « » Oh , dann war es Georg « , sagt Susanna , » die Handschuhe sind deine , Maria ... « Die beiden sehen sich an , lächeln - dies Lächeln , dieser Blick ist absolut heidnisch - bei Susanna vielleicht noch mehr . Hinter ihrem Lächeln ist nie ein Schmerz oder eine Zerrissenheit - Susanna kann selbst aus meinem Herzen alle Nebel und alles Dunkel hinweglächeln , wenn sie mich ansieht wie an diesem Morgen . Ich kann nicht anders , ich muß ihnen beiden die Hände küssen . Da sitzt ein Herr am Tisch , der ein Monokel trägt und alles aufmerksam beobachtet . Er ist ein Jugendbekannter von Susanna , den sie heute nacht beim Fest zufällig wiedergetroffen hat . Er steht in Berlin bei der Garde , wie sie mir nachher erzählte . » Na , weißt du , Susi , das ist wirklich eine originelle Bude - und da wohnst du ? « » Freilich wohne ich hier « , antwortete sie gleichmütig . » Ja - sag mal ... « Willy erscheint aus dem Nebenzimmer , er ist in Zivil , denn er war heute nicht mit - sieht sich mit seinen runden Augen etwas erstaunt um , begrüßt alle , setzt sich an den Tisch . » Ach , Susanna , gibt es schon Frühstück ? « sagt er weich und sehnsüchtig . - » Ja , bitte , mahlen Sie den Kaffee , wir warten nur noch auf Onsky . « Willy beginnt Kaffee zu mahlen , Maria zupft ihn an den Haaren und erzählt ihm von dem Feste . Der Jugendbekannte betrachtet ihn etwas erstaunt und wirft einen fragenden Blick auf die Herrin des Hauses . » Das ist Willy « , erklärte sie , » der wohnt da drüben neben der Küche , und Orl - Gott sei Dank , da kommt er endlich . « Orlonsky kommt die Treppe herauf , alles an ihm ist wieder rasselndes Eisen , und er ist böse . » Ah - Maria - wo ist denn der Sonnenbengel ? Schon untergegangen am frühen Morgen ? « » Onsky , wir verhungern « , sagt Susanna , » Ihr könnt Euch nachher zanken . « Orlonsky und der Gardeleutnant stellen sich einander aufs förmlichste vor , sie verbeugen sich und schlagen die Absätze zusammen : » Sehr angenehm . « » Freut mich sehr . « Die anderen betrachten das wie eine seltene Schaunummer . Dann begibt sich Orlonsky an den Herd - er ist ein sonderbarer Kauz , und ich habe ihn sehr schätzen gelernt , ein wenig rauh und kurz angebunden , aber Gentleman durch und durch . Er treibt alle Sportarten , die es überhaupt gibt , mit Vollendung und kocht vorzüglich - die Frauen läßt er überhaupt nicht an den Herd und behauptet , sie verständen nichts davon . Man pflegt deshalb andächtig mit den Mahlzeiten zu warten , bis er kommt . Er bereitete uns denn auch an diesem Morgen ein ausgezeichnetes englisches Frühstück . Susannas Jugendfreund beobachtet ihn stumm , dann läßt er sein Monokel fallen und beugt sich zu Susanna hinüber : » Großartig , das ist ja das reinste Familienleben - dein Onkel in Berlin erzählte mir - ja sag mal - Susi , und was tust denn du hier eigentlich ? « » Aber das siehst du doch - ich führe ihnen den Haushalt « , sagte sie lässig und zufrieden . Ich dachte , sie würden alle etwas ruhebedürftig sein , aber nach dem Frühstück wurden sie wieder sehr lebendig und berieten , was nun mit diesem angebrochenen Tag zu beginnen sei . Orlonsky ordnete schließlich an , wir sollten alle aufs Land fahren . Er nahm den Leutnant mit auf den Speicher , und sie förderten eine Anzahl Rodelschlitten und Schneeschuhe zutage . Ich schickte Chamotte in meine Wohnung und ließ ihn holen , was ich an Sportgarderobe besitze - einiges fand sich auch im Eckhaus vor . Orlonsky musterte erst die vorhandenen Kleidungsstücke , dann jeden seiner Gäste mit Kennerblicken , und unter seinem Kommando wurde eine Art militärische Einkleidung vorgenommen . Wir fuhren aufs Land , alle in der heitersten Stimmung , selbst im Waggon fingen sie noch wieder an , einen Konter zu tanzen , aber der Schaffner verbot es . Es war ein wundervoller , weißer Wintertag , wir trieben uns viele Stunden im Schnee herum . Susanna hatte mich zum Partner genommen , und ich fühlte mich stillglücklich , ich , der Müde , Verurteilte , unter diesen Unermüdlichen . Sie verlangen ja nicht , daß ich mich persönlich stark betätige , und ich störe sie nicht , ich lasse mich so gerne mitziehen . Maria war an dem Tag stürmisch und voller Leben , mit Willy zusammen sauste sie leidenschaftlich die Abhänge hinunter - einmal stürzen sie und der Schlitten geht entzwei . Orlonsky macht ihr Vorwürfe , es ist immer etwas Krieg zwischen den beiden , und er hält beim Sport auf Ordnung . Sie lacht nur und sagt : » Oh , meinetwegen soll alles zerbrechen - alles , nicht nur der Schlitten , auf dem ich fahre . « Und Susanna war schläfrig , ihre Bewegungen hatten etwas Mattes - sie meinte , die Welt sei für sie heute in lauter Schleier gewickelt . Wenn Orlonsky in ihre Nähe kam , drückte sie ihm die Hand . Er sah sie an - seine Augen sind scharf und graublau - wie von Stahl . » Onsky , ich bin sehr glücklich - das Leben ist so schön « , sagte sie . Als wir einmal aus der Bahn geraten , will sie