Daraufhin eine neue Kalamität , er wollte meine Freunde kennenlernen . Ich liebe es gar nicht , meine verschiedenen Bekannten miteinander zu vermählen . Sie passen doch nie zusammen , und in diesem Fall schien es mir etwas riskiert . So wand ich mich anfänglich darum herum und verhandelte mit sämtlichen Beteiligten . Aber ich wurde überstimmt , der Sizilianer ermattete mich mit seiner Eifersucht , Sir John suchte meine Eitelkeit zu reizen , er meinte , ich wolle den remarkable Rasta nur nicht herzeigen - und der Dichter brannte natürlich auf Einblicke in die Lebewelt . Ich brachte sie also zusammen , und Pedro lud die beiden mit wilder Gastlichkeit ein . Er gab ein fürstliches Souper in seiner Wohnung und gewann ihre Herzen im Sturm . Ich selbst fand ihn an dem Abend so reizend , daß ich mich ganz neu in ihn verliebte . Es gibt Männer , in die man nur richtig verliebt ist , wenn noch andere dabei sind . Sir John strahlte vor innerem Pläsier , und der Dichter war so begeistert , daß er um keinen Preis mehr nach Hause gehen wollte . Man behielt ihn also da , bis zum nächsten Abend , wo wir alle Johns Gäste waren . Und so ging es ein paar Tage fort . Lieber Doktor , ich bin noch zu schläfrig , daß ich es bis auf weiteres vorziehe , Ihnen Lebewohl und gute Nacht zu sagen . 15 Ihren Brief habe ich hier vorgefunden , o nein , ich bin nicht für immer entschlafen - seit meinem letzten Brief aus Rom . Aber ich will gerne glauben , daß er etwas übernächtig ausgefallen ist . Ich hatte auch wirklich die besten Absichten , Sie auf dem laufenden zu halten , aber das Laufende lief mit mir davon , und ich bin etwas außer Atem gekommen . Man kann nicht immer im Zusammenhang bleiben , liebster Freund , das Leben selbst ist gar so unzusammenhängend . Momentan - aber wir wollen lieber erst die Ereignisse nachholen . Gott , ich habe es mir so angewöhnt , nur noch per wir zu sprechen . Das kommt davon , wenn man als Ensemble lebt . Manchmal muß ich mich förmlich erst darauf besinnen , daß ich auch noch ein Einzelwesen bin . Also - wie schon mein Telegramm Ihnen meldete - Bobby hat es aufgegeben und war sehr neugierig - wir sind umgezogen , nach Neapel . Pedro bekam fortwährend Telegramme , woraus man schließen konnte , daß etwas nicht in Ordnung war , er hat sonst sehr wenig Korrespondenz . Und der Chauffeur war wieder ungewöhnlich finster . Ich war sehr nett mit ihm - mit Pedro - diskrete Teilnahme bei völliger Ahnungslosigkeit , und er schloß mir dann auch sein Herz auf . In erster Linie Geld- , in zweiter Linie Brautverlegenheiten . Man wünscht , daß er sie heiratet . Das war ja eigentlich vorauszusehen , aber er scheint es sich nicht genügend klargemacht zu haben . Wir haben in den letzten Wochen wohl alle etwas vergessen , um was es sich handelt . Lieber Doktor , das ist immer der glücklichste Zustand , und wir waren auch wirklich alle sehr glücklich . Weiter : die Braut ist seine Cousine , folglich ihr Vater sein Onkel , und von diesem Onkel scheint er pekuniär ziemlich abhängig zu sein . Das Nähere hab ' ich natürlich vergessen , ich höre nie zu , wenn man mir Näheres auseinandersetzt , und das ist manchmal verhängnisvoll . Er , Pedro , treibt sich nun schon lange in Europa herum , und die Art , wie er das tut , scheint dem Onkel nicht mehr zu gefallen . Summa : der Onkel macht bedenkliche Anstalten ihn einzukassieren ( auch ein typisches Erlebnis , daß er von meiner Seite weg einkassiert wird ) . Pedro hat erst gerast , er wolle jetzt nicht heim , auf keinen Fall , dann bedrückte ihn wieder seine doppelte Verworfenheit - gegen sie und gegen mich . O meine Chancen - es war schon die Rede davon , daß er mich in Rom oder Neapel etablieren wollte . Ich sollte immer irgendwie da sein , auch wenn er eine Zeitlang nach Hause müßte . Ich weiß ja selbst noch nicht recht , ob das sehr mein Fall wäre , aber es hat ja auch wieder etwas Verlockendes . Apathische Dauersache mit lebhafteren Momenten - ich hab ' ihn doch wirklich ganz gern . Übrigens scheint es , daß wir in Rom beträchtliche Schulden gemacht haben . Ich riet deshalb zum Umzug nach Neapel , das heißt , die römische Wohnung sollte er behalten , Chauffeur und Auto zur Beruhigung der Gemüter noch eine Zeitlang dort lassen und dann von hier aus einen Besuch in Sizilien machen . Meine Ratschläge in solchen Angelegenheiten sind immer gut . Wieder einmal muß ich hervorheben , daß ich viel Sinn dafür habe , jede Lebenslage tunlichst harmonisch zu gestalten . Sie fanden deshalb auch dieses Mal Anklang und bewährten sich . Man hat uns ganz ruhig ziehen lassen , und der Chauffeur ist uns inzwischen schon nachgekommen . Sir John und sein Schützling sind natürlich auch mit - was Gott so schön zusammenfügte , keiner von uns hätte den Mut gehabt , es zu trennen . Wir haben unsere Namen hier etwas abgeändert - wie Sie auch aus meinem Telegramm schon ersehen haben - und gelten für eine Art Familie . Die Zusammenstellung erforderte einiges Kopfzerbrechen , aber wir haben doch eine halbwegs befriedigende Lösung gefunden . Wir sind nämlich aus Versehen in einem sehr braven deutschen Hotel abgestiegen und hatten keine Lust noch einmal zu wechseln . Pedros Abreise hat sich noch etwas hingezogen . Man konnte sich nicht gleich zur Trennung entschließen und wollte sich erst über verschiedene Punkte mit dem Onkel schriftlich verständigen . Dann ist er abgefahren , und alles Weitere bleibt eben abzuwarten . Die beiden anderen leisten mir dabei aufs angenehmste Gesellschaft