war außer sich vor Bewegung , sah mich mit weiten Augen wie ein durstiger Himmel an , griff hastig nach meiner Hand und bedeckte sie mit Küssen . Ich erwehrte mich dessen kaum - das heiße Wasser stand in ihren Augen ; erregt stieg ich wieder auf mein Roß , winkte ihr Lebewohl und flog davon . Dieselbe Dame - ich erkannte sie jetzt genau - war die Desdemona . Ich sah unverwandt hin und bemerkte es nicht , daß mich die Fürstin fortwährend fixierte , daß ihr Bruder , den ich einige Male an der Pharaobank und in liederlichen Häusern gefunden , mich zu begrüßen versuchte . Als ich dessen inne ward , fertigte ich ihn kurz ab und verwies ihn auf das schöne Spiel der schönen Schauspielerin . Seine Schwester winkte ihm , und nach dem ersten Akte stellte er mich ihr vor . Ich war zerstreut und sprach wie eine Seite der Abendzeitung in langweiligen Aphorismen , die Blicke immer auf den Vorhang heftend . Sie fragte boshaft , ob ich so sehnsüchtig auf die Desdemona wartete . Ich sah sie lange freundlich an und sagte lächelnd : » Ja . « Es zuckte etwas über ihr Gesicht , und sie wendete den Kopf hinweg . Jetzt erst fiel mir ein , daß ich doch wohl etwas unartig sei . - Das Profil der Fürstin betrachtend , versank ich aber doch wieder in ein behagliches Träumen . Sie ist blond und hat die schönste weißeste Haut , die ich je gesehen . Das Gesicht ist vornehm und edel , braune Augenbrauen und lange gleichfarbige Wimpern beschatten ein dunkles verlangendes blaues Auge , das in seiner heißzonigen Art wunderlich heißzonig absticht gegen das Nördliche , Unschuldsvolle des übrigen Gesichts , dessen feine , fast unmerklich aufgestutzte Nase keck und leichtsinnig aussieht . Der kleine Mund ist zum Küssen herausfordernd mit seinen quellenden Lippen , der Körper ist voll und üppig . Sie trug einen blausammtnen Reitrock , der am Busen geöffnet war , und unter weißer Chemisette , dessen erster Knopf sich gelöst hatte , zeigte sich eine schneeweiße , kühn und gesund gewölbte Brust zum Teil ohne Hülle dem fragenden Blicke . Ihre Gedanken schienen sich zu erhitzen , sie ward rot und die Brust ward rascher . Plötzlich wendete sie sich zu mir und fragte mich , warum ich sie unverwandten Blickes ansehe . Ich lachte und versicherte ihr , ich sei ein Physiognomiker , der Charaktere studiere und bei den interessantesten natürlich am längsten verweile . Ich war zwischen ein doppeltes Leben eingedrängt . Desdemona kam wieder und sendete mir befruchtende Lichtstrahlen , die Fürstin erwärmte wie Maiensonne . Ich habe lange nicht so viel gelebt als an jenem Abende . Der Fürst kam dazu und wollte meine Familie und ihren Stammbaum in Spanien kennen , er schwatzte viel unnützes , genealogisches Zeug ; ich versicherte ihm , daß ich ein Bastard , von einer armen Baskin geboren , und nur aus Mitleid angenommen und mit meinem jetzigen Namen beschenkt sei . Er lächelte , meinte , ich sei ein schnurriger Kauz , und ich solle ihm meine Aufwartung machen . Die Fürstin warf dazwischen , ich würde wohl keine Zeit haben ; der Fürst fragte , womit ich mich beschäftige . Ich dichte , antwortete ich . Sonst - fuhr er fort - sonst , nahm ich seine Rede auf , studier ' ich die chinesische Geschichte , wegen der schwierigen Stammtafeln . Sie sind Historiker ? - Nur mit dem interessantesten Teile der Geschichte , mit der Genealogie und Heraldik beschäftige ich mich . Jetzt schien er ' s zu glauben , nur die Fürstin schüttelte leicht das Köpfchen und lächelte . Ich weiß alle guten Familien von Nebukadnezar herunter - fuhr ich fort . » Hatten denn die Alten auch Wappen ? « - O ja , sie trugen sie an den Schwertknöpfen und die Urvölker an den Häuptern , über welche sie Tierhäupter zogen . » Was halten Sie von Shakespeare und dem Othello ? « warf die Fürstin dazwischen . Wenn ich eine Frau wäre , entgegnete ich , würde mir die Desdemona nicht gefallen , weil sie der ausgeprägteste Typus von weiblicher Ergebenheit ist , und ich hasse als Mann die Ergebenheit ; sie ist wie ein rührendes Lied ; man muß das Lied lieben , ich liebe aber auch gern den Dichter des Liedes . Vom Dichten ist aber nichts an ihr , sie ist nur gedichtet , sie ist durch und durch Passivum - sie ist nur Träne , darum ein reizendes Weib ; der Mann liebt aber den Schmerz mehr als die Träne . Sie ist zum Sterben , zum Vergehen liebenswürdig , der Mann braucht aber weniger Todesmut als Lebensmut ; Sterben ist leichter als Leben . Aber sie ist so verführerisch weiblich liebenswürdig , daß man mit ihr sterben möchte , und dies ist ihr einziges Unrecht . Ihr Vater , Shakespeare , aber ist ein braver Mann . - » Ein wenig roh , « setzte der Fürst hinzu . - Beefsteak , Durchlaucht , Beefsteak - und die Natur ist nicht für alle anständig , der Herrgott hat die Etikette nicht erfunden . Der Mann mit den Sternen auf der Brust schwatzte noch viel albernes Zeug , ich sagte ihm noch dreimal , daß er recht habe , dann schwieg ich , legte mich an den Pfeiler und litt mit des Mohren Weib . Zwei Striche für Jago , und er ist der stärkste Engel . Shakespeare hätte den Raffael übertreffen können , der mit zwei Strichen Weinen in Lachen verwandelte . Es ist die fürchterlichste Potenz von menschlicher Kraft in diesem Jago - Shakespeare muß ein starker Mensch gewesen sein , sonst hätte er nie einen Jago zeichnen können . Es ist die verzeihlichste Schwäche , einen großen Menschen anzubeten , ich verzeihe darum gern der Welt die Tändeleien mit dem dogmatischen Christentume - wenn mich Shakespeare nicht umarmen wollte ,