ein ungeheurer Kronleuchter herab . Caspar will die Bücher betrachten , da verlöschen langsam die Flammen des Leuchters eine nach der andern , und die Frau zieht ihn weiter . Sie führt ihn durch einen langen Flur und eine gewaltige Treppe hinab , sie schreiten im Innern des Hauses den Wandelgang entlang . Er sieht Bilder an den Wänden , Männer im Helm und Frauen mit goldenem Schmuck . Er schaut durch die Mauerbogen der Halle in den Hof , dort plätschert ein Springbrunnen ; die Säule des Wassers ist unten silberweiß und oben von der Sonne rot . Sie kommen zu einer zweiten Treppe , deren Stufen wie goldene Wolken aufwärts steigen . Es steht ein eiserner Mann daneben , er hat ein Schwert in der Rechten , doch sein Gesicht ist schwarz , nein , er hat überhaupt kein Gesicht . Caspar fürchtet sich vor ihm , will nicht vorbeigehen , da beugt sich die Frau und flüstert ihm etwas ins Ohr . Er geht vorbei , er geht zu einer ungeheuern Tür , und die Frau pocht an . Es wird nicht aufgemacht . Sie ruft , und niemand hört . Sie will öffnen , die Tür ist zugeschlossen . Es scheint Caspar , daß sich etwas Wichtiges hinter der Tür ereignet , er selbst beginnt zu rufen , doch in diesem Augenblick erwacht er . Seltsam , dachte Daumer , da sind Dinge , die er nie zuvor gesehen haben kann , wie den gerüsteten Mann ohne Gesicht . Seltsam ! Und sein Wortesuchen , seine hilflosen Umschreibungen bei solcher Klarheit des Geschauten . Seltsam . » Wer war die Frau ? « fragte Caspar . » Es war eine Traumfrau « , entgegnete Daumer beschwichtigend . » Und die Bücher und der Springbrunnen und die Tür ? « drängte Caspar . » Warens Traumbücher , wars eine Traumtür ? Warum ist sie nicht aufgemacht worden , die Traumtür ? « Daumer seufzte und vergaß zu antworten . Was bekam da Gewalt über seinen Caspar , sein Seelenpräparat ? Sehr an Welt und Stoff gebunden war dieser Traum . Caspar kleidete sich langsam an . Plötzlich erhob er den Kopf und fragte , ob alle Menschen eine Mutter hätten ? Und als Daumer bejahte , ob alle Menschen einen Vater hätten ? Auch dies mußte bejaht werden . » Wo ist dein Vater ? « fragte Caspar . » Gestorben « , antwortete Daumer . » Gestorben ? « flüsterte Caspar nach . Ein Hauch des Schreckens lief über seine Züge . Er grübelte . Dann begann er wieder : » Aber wo ist mein Vater ? « Daumer schwieg . » Ist es der , bei dem ich gewesen ? Der Du ? « drängte Caspar . » Ich weiß es nicht « , antwortete Daumer und fühlte sich ungeschickt und ohne Überlegenheit . » Warum nicht ? Du weißt doch alles ? Und hab ich auch eine Mutter ? « » Sicherlich . « » Wo ist sie denn ? Warum kommt sie nicht ? « » Vielleicht ist sie gleichfalls gestorben . « » So ? Können denn die Mütter auch sterben ? « » Ach , Caspar ! « rief Daumer schmerzlich , » Gestorben ist meine Mutter nicht « , sagte Caspar mit wunderlicher Entschiedenheit . Plötzlich flammte es über sein Gesicht , und er sagte bewegt : » Vielleicht war meine Mutter hinter der Tür ? « » Hinter welcher Tür , Caspar ? « » Dort ! im Traum ... « » Im Traum ? Das ist doch nichts Wirkliches « , belehrte Daumer zaghaft . » Aber du hast doch gesagt , die Seele ist wirklich und macht den Traum ? Ja , sie war hinter der Tür , ich weiß es ; das nächste Mal will ich sie aufmachen . « Daumer hoffte , das Traumwesen würde sich verlieren , doch dem war nicht so . Dieser eine Traum , Caspar nannte ihn den Traum vom großen Haus , wuchs immer weiter , umschlang und krönte sich mit allerlei Blüten- und Rankenwerk gleich einer zauberhaften Pflanze . Immer wieder schritt Caspar einen Weg entlang und immer wieder endete der Weg vor der hohen Türe , die nicht geöffnet wurde . Einmal zitterte die Erde von Tritten , die innen waren , die Türe schien sich zu bauschen wie ein Gewand , durch einen Spalt über der Schwelle brach Flammengeloder , da erwachte er , und die nicht zu vergessende Traumnot schlich durch die Stunden des Tages mit . Die Gestalten wechselten . Manchmal kam statt der Frau ein Mann und führte ihn durch die Bogenhalle . Und wie sie die Treppe hinaufgehen wollten , kam ein andrer Mann und reichte ihm mit strengem Blick etwas Gleißendes , das lang und schmal war und das , als Caspar es fassen wollte , in seiner Hand zerfloß wie Sonnenstrahlen . Er trat nahe an die Gestalt heran , auch sie ward zu Luft , doch sprach sie lautschallend ein Wort , welches Caspar nicht zu deuten verstand . Daran hingen sich wieder besondere kleine Träume , Träume von unbekannten Worten , die er im Wachen nie gehört und deren er , wenn der Traum vorüber war , vergebens habhaft zu werden suchte . Sie hatten meist einen sanften Klang , bezogen sich aber , so fühlte er , nie auf ihn selbst , sondern auf das , was hinter der verschlossenen Türe vor sich ging . Traumboten waren es , Vögeln des Meeres gleich , die in beständiger Wiederkehr Gegenstände eines halbversunkenen Schiffes an die ferne Küste tragen . In einer Nacht lag Daumer schlaflos und hörte in Caspars Zimmer ein dauerndes Geräusch . Er erhob sich , schlüpfte in den Schlafrock und ging hinüber . Caspar saß im Hemde am Tisch , hatte ein Blatt Papier vor sich , einen Bleistift in der Hand und schien geschrieben zu haben . Ein matter Mondschein schwamm im Zimmer . Verwundert