, das zu ihm gehörte , gewaltsam von ihm losgerissen worden . Seine Abendbesuche in Dumala hatte Rast in letzter Zeit eingestellt . Karola schien ihn auch nicht zu erwarten , sie horchte nicht hinaus nach dem Schellengeklingel . Das sagte sich Werner jetzt . Also - über die Galgenbrücke - den geraden Weg nach dem Park von Dumala - zu der hinteren Pforte und dann - dann - - » Du bist ja im Finstern , du Armer . « Es war wieder Lene , die in das Zimmer schaute . Werner fuhr aus seinen Gedanken auf . » Ja - ich - ich - hab ' über etwas nachgedacht . « » Soll ich die Lampe bringen ? « » Nein - nein - ich komme an den Kamin . « Er sehnte sich jetzt nach Licht , nach Traulichkeit , nach Lenes Geplauder , dann würde es vielleicht nachlassen , dieses angestrengte , ermüdende Denken des einen Gedankens . Er saß am Kamin , müde wie nach einem langen Gange . » Sprich - erzähl « , sagte er zu Lene . » Du warst bei Doktors ? « Ja , Lene war bei Doktors gewesen . Die Kinder waren krank . Das Mädchen hatte eine Halsentzündung , das Kleine zahnte . » So - wirklich . « - Werner versuchte es , sich dafür zu interessieren . Der Doktor Braun war aus Debschen gekommen . Die Baronin hatte einen Gichtanfall . » Ja - das geht so weiter « , murmelte Werner . Er war mit seinen Gedanken wieder auf dem Wege von der Galgenbrücke nach dem Park von Dumala - und dort - geschah ihm ein großes Unrecht . » Was hast du denn jetzt soviel zu tun ? « hörte er Lene fragen . » Ich ? - ja - du weißt - am Ende des Kirchenjahres ist ' s so « , antwortete Werner . » Ich werde ein gutes Stück der Nacht zu Hilfe nehmen müssen . « » Die dummen Rechnungen ! « seufzte Lene . Der Abend verging für Werner traumhaft genug . Lene war heiter und gesprächig , daraus schloß er , daß auch er einen gemütlichen Eindruck machte . Lene freute sich beim Abendessen , daß es ihm schmeckte , also schien es , daß er mit Appetit aß . Später zog er sich wieder in sein Zimmer zurück , um zu arbeiten . Er stützte den Kopf in die Hand und schaute in das Kontobuch . - Jetzt wußte er es , er mußte hinaus , er mußte dort an der Brücke und am Parkgitter stehen . Nun wartete er , daß die Stunde kam . Er horchte hinaus , wie es stiller im Hause wurde , wie die Uhren schlugen . Lene kam und ließ sich auf die Stirne küssen . » Hast du noch viel zu tun , du Armer ? « fragte sie . » Es geht « , antwortete er freundlich . » Gute Nacht . « Werner wurde unruhig . Er trat an das Fenster . Die Nacht war sternhell . Ein scharfer Nordwind fegte über die Ebene . Jetzt litt es Werner nicht mehr in dem Zimmer , bei der Lampe . Es war ihm , als könnte er etwas Wichtiges versäumen . Leise zog er sich seinen Pelz an , stülpte die Mütze auf den Kopf und schlich vorsichtig zum Hause hinaus . Draußen blieb er einen Augenblick stehen und bedachte sich . Er war ganz ruhig . Ein sicheres Wollen erfüllte ihn . Er machte seinen Plan , wie der Jäger , der ein Wild einkreist . Durch die Tannenschonung mußte der Schlitten kommen . Dort konnte er auch , durch die kleinen Tannen verborgen , den Weg nach der Galgenbrücke bis zum Parkgitter gehn . Er trat seinen Weg an , sah zum Sternhimmel auf , bewunderte das Flimmern . Wie geschäftig solch ein Sternlicht ist , keinen Augenblick ruhig . Über den ganzen Himmel dieses eifrige , goldene Sichregen . Die jungen Tannen dufteten erfrischend bitter und strichen mit ihren vom Reif überglasten Nadeln , wie mit kleinen , kalten Krallen , über Werners Wange . Ein Fuchs kam des Weges daher , den Kopf am Boden suchte er wohl eine Spur , die ihm verlorengegangen sein mochte . Furchtlos ging er an Werner vorüber . Werner mußte lachen . » Raubtiere , die sich im Revier begegnen « , ging es ihm durch den Kopf . Im Gehen hatte er fast vergessen , warum er hier war . Es tat wohl unter dem Sternhimmel , mitten unter den stillen Bäumen und Tieren zu stehen , sich wie einer der Ihren zu fühlen , verantwortungslos und gedankenlos . Jetzt sah er die Galgenbrücke vor sich - sehr hoch über der finstern Kluft hingen die beschneiten Bretter , ein heller Streif in all dem Schwarz . » Ja - hier hinüber , das ist der allernächste Weg nach Dumala « - dachte Werner . Und wirklich , über den weißen Strich glitt etwas , ein dunkler Schatten , dann wie ein zierliches , schwarzes Spielzeug - ein Pferd - ein Schlitten . Lautlos huschte er über den Abgrund hin . - Nun war er mitten auf der Brücke - schwebte wie frei in dem Dunkel - jetzt mußte - mußte er versinken . Werner schien es , als könnte er mit seinem Wunsch , mit seinem Willen das zierliche , schwarze Spielzeug versinken machen . Sein Wunsch zerrte an den morschen Brettern , um sie zu brechen . Der Schlitten war herüber . Etwas wie eine große Enttäuschung machte Werner das Herz schwer . Der Schlitten näherte sich ihm , er hörte den Hufschlag im weichen Schnee . Von einer dichten Hecke junger Tannen verborgen , spähte er hinaus , wie das Gefährt an ihm vorübereilte . Er sah deutlich Rast , mit wehendem tintenschwarzem Bart. Er kutschte und hatte eine Zigarre im Munde . Neben ihm Damkewitz