Und am folgenden Tage hatte er es nicht erwarten können , seinen Platz in dem Atelier des Meisters Teodor zu erobern , seine Handwerkszeuge zusammenzukaufen und dann sich in einer kleinen Bude hoch oben in einem Mietshause im vierten Stock einzurichten . Schon am dritten Tage war Einhart unter denen , die morgens in die Akademie eingingen . Und man kann sagen , er ging mit einem wahren Hunger ein . Er dachte an Wunderdinge . Er dachte , nun müßte sich eine ganze Welt auftun . Hier war einer der berühmten Männer , die es besaßen , wonach sich viele Jünger zeitlebens sehnten . Das Atelier Meister Teodors war hoch und hell . Ein Tisch stand neben der Wendeltreppe , die einen aus dem Meisteratelier emporführte . Eine große Chaiselongue stand mitten , davor ein Eisbärfell mit offnem Rachen sich gelagert , während Kopf und Rachen eines andern über das Keilende des Lagers herunterhing . Die Skizzen an den Wänden waren reichlich . Ein paar Staffeleien standen herum . Der Meister war ein Mann voll heiterer Miene , dabei sehr geradezu . Einhart kam , wie er seine Farbskizzen kritisierte , nicht aus dem Lachen heraus . Zu sagen , was nicht stimmte , wußte Meister Teodor . Er hatte einen Knebelbart und einen Schnurrbart , die er abwechselnd zupfte , wenn er Witze machte . Und er machte immer Witze . Auch wenn er sein Modell zu Änderungen seiner Stellung mit dem Malstabe anrührte , oder wenn seine großen , grauen Augen noch weiter wurden , und er zurückgelehnt scharf eine Linie des nackten Leibes beäugte , sie scharf gesehen hinzubringen . Der Meister malte ewig Frauen in allerhand idyllischen Lagen . Im Atelier standen mehrere große Bilder . Eines stellte die Hoffnung dar . Ein nacktes Mädchen im Walde , mit Augen , die ebenso groß , wie leer schienen , und hoffnungslos in die Ferne blickten . Einhart sah die Tafel lange stumm an . Es fiel ihm jetzt ein , daß er unter Hoffnung sich eigentlich niemals etwas Rechtes gedacht . Die Sache war ihm neu . Er wußte garnicht , ob es ihm gefiele . Er hatte einstweilen nur auch ein großes Staunen , wie das alles sicher gemacht schien . Einhart mußte mit dem Einfachsten beginnen . In der oberen Klasse saßen die Schüler zusammen , von Porträtbüsten abzuzeichnen . Der Zeichnenlehrer tadelte gleich seine Blätter und rühmte nur anfangs einmal etwas wie Stilisierung . » Aber Stilisierung , mein Lieber ! Sie fangen die Kirche mit dem Turm an , « sagte der alte , graubärtige Murrkopf in sehr bekannter Wendung , die Einhart doch originell dünkte . » Erst müssen Sie was können , dann können Sie stilisieren . « Das alles däuchte jetzt Einhart zuerst durchaus richtig . Auch in den kommenden Monaten noch war er eingeschüchtert . Er begann erst allmählich ein Gefühl zurück zu gewinnen , was aus ihm selber kam . Die Jungen in der Schule waren sehr verschiedenen Gelichters . Einige waren unsäglich peinlich . Das Zeichnen zeigte es : unglaublich geordnet und sicher und reinlich - und die Dinge recht , wie sie Gevatter Akademiediener oder der Barbier sah , der zum Direktor durch das Treppenhaus ging . Man wußte im voraus , was sich Großes enthüllen würde . Dann waren einige , die immer nur auf die Blätter der andern sahen , Glossen machten und selber nichts konnten . Die machten freche Bemerkungen an allen Ecken über Dinge und Lehrer und freche Witze über die Reize der Modelle , die Einhart tatsächlich unangenehm waren , so daß ihm einmal über die gefühllose Art , wie man ein junges , halbwüchsiges Mädchen sich hatte entkleiden lassen , ein Ekel angekommen . Und Einhart war garnicht gesprächig . Er ließ alle reden . Und je mehr er schwieg , desto mehr buhlte alles allmählich nach seiner Teilnahme . Allen erschien Einhart rätselhaft . Seine Augen sahen beim Arbeiten herrisch aus , so einfältig und gutmütig er sonst auch schien . Und Einhart zeichnete sonderbar . Garnicht , wie man es sich dachte . » Lächerlich , « sagte der Direktor , der herzukam und durchging . » Was zeichnet der Mensch ? Haben Sie denn so etwas hier schon gesehen ? Wollen Sie denn nicht sich daran halten , welche Aufgabe gestellt ist ! « Und er wies auf die Tafel des Nebenmannes , die den Leib der Jungen trocken und nahe wiedergab . Einhart hielt sich auch dabei ganz verschlossen . Die Mitschüler sahen sich dann alle die Tafel an , die der Direktor mißliebig angesehen . Und das ging so weiter . Denn auch der berühmte Meister Teodor sagte : » Was uns dieser Herr Selle alles an Kunst vormacht ! « Und er mußte rundweg lachen , wie ein voller Bauch lacht , daß es ganz bis zu den Beinen geht , und der Kopf sich beugen , und die Kniee knicken müssen . Einhart dachte dann nicht daran , ernst zu sein . Er lachte mit . So ging es bald , daß man Einhart in der Akademie kannte . Schon weil man über seine Zeichnungen und Malereien jetzt immer lachen mußte , die Meister mit den Schülern , und weil ein jeder die Werke Einharts kannte , als gingen sie mit einem jeden . Niemand trug heim , was der Meister selber auf die Tafel gebracht . Das schien allen eine rechte Arbeit . Und wer nur so auf die Dinge hinblickt , wie ein Mäher auf die Blumen , dem es auf das Gras ankommt , der konnte wohl über die sogenannte Natürlichkeit staunen . Aber einen Witz hatte man nicht im Ohr , eine einzige Weise nicht in der Seele , eine seltsame Fügung und einen Anklang eigenen Schicksals durchaus nicht . Das schien aus Einharts Zeichnungen heraus , und wie er mit der Malerei erst begonnen , gar aus seinen Entwürfen . Toll sahen sie aus . Dünn