Frage hatte der Lehrer von Hilgertshofen einen Vortrag gehalten . Der war ein systematischer Mensch , welcher alles mit erstens , zweitens und drittens haben mußte . Und da war doch wenig oder nichts zu sagen . Wer einen politischen Kampf führen will , muß unabhängig sein ; und das waren die Lehrer nicht . Sie konnten nicht gegen die Geistlichkeit streiten . Erstens , zweitens und drittens , weil die Pfarrer auch Schulinspektoren sind . Die Bauern sollten ihre Sache nur selber ausfechten ; und wer weiß , wenn sie die Oberhand hätten ? Wer weiß , ob es die Lehrer dann besser träfen ? Das kann niemand sagen . Überhaupt so gescheite Reden ! Herr Stegmüller blieb stehen und schlenkerte die schweren Erdknollen weg , die sich an seinen Stiefeln festgesetzt hatten . Wie grau und öde jetzt alles war ! Das Feldkreuz sah aus wie ein Grabstein ; die zwei Buchen , welche daneben standen , ließen ihre verwelkten Blätter auf den Gekreuzigten fallen . » Da war es , « dachte Stegmüller , » da hat er gesungen , wie das hübsche Mädel dabei war . « Was ihm der Lehrer von Aufhausen erzählte ! Der Studiosus Mang komme häufig in das Haus des Herrn Kaufmann Sporner und musiziere mit dem Fräulein . Und das Fräulein habe ganz begeistert an die Frau Lehrer geschrieben über den Herrn Mang und seinen Tenor , und der Herr Mang hatte ihm , dem Herrn Stegmüller , geschrieben . Auch ganz begeistert über das Familienleben beim Kaufmann Sporner . Was war am Ende dabei ? Junge Leute und die Freude an guter Musik . Denn der Mang , der war ein Künstler , gewiß und wahr . Aber der Lehrer von Aufhausen hatte gesagt , der Studiosus wäre gar nicht so dumm , denn der Sporner Michel mit seinen zwei Häusern und dem alten Geschäft wäre kein übler Schwiegervater . Was hatte Sylvester damit zu schaffen ? Weggehen vom geistlichen Berufe ? Wenn er bloß die Miene dazu machte , dann zog sein Vetter die Hand von ihm ab : der Spanninger von Pasenbach , der ihn studieren ließ . Stegmüller blieb wieder stehen ! Er war am Weblinger Holze und fand auf dem Waldboden einen besseren Weg . » Ja , die Jugend ! « sagte er . » Das lebt so dahin und denkt nichts . « Neben ihm rauschte es heftig durch das welke Laub ; ein Hase sprang weg und setzte über das Feld . Plötzlich schlug er einen Haken , und Stegmüller sah , daß weiter unten ein Bauer bei seinem Düngerwagen stand . Es war der Schuller . Stegmüller erkannte ihn und wollte nicht ohne Gruß und Rede an ihm vorbeigehen . » Gut ' Morgen , Schuller ! « » Ah , der Herr Lehrer ! Waren S ' in Aufhausen drüben ? « » Freilich . Hat ein bissel lang gedauert , da bin ich gleich über Nacht geblieben . « Stegmüller kam näher und reichte dem Schuller die Hand hin . » Es geht it , « sagte dieser , » an andersmal , Herr Lehrer . Bei dem G ' schäft hat ma koane sauber ' n Händ ' . « Und er nickte mit dem Kopfe gegen den Düngerwagen hin . » Es gilt auch so , « erwiderte Stegmüller . » Sie sind schon wieder fleißig ? « » Ja , muaß scho sei . « » Freilich . Wer durch den Pflug reich werden will , muß ihn selber anfassen . Und Arbeit hat bittere Wurzel , aber süße Frucht . « Der Schuller lächelte . » Sie ham ' s allawei mit die Sprichwörter , Herr Lehrer . « » Da steckt die größte Weisheit drin , Schuller . No , Ihnen braucht man nichts zu sagen . Es hat keiner seine Sach ' in besserer Ordnung wie Sie . « » Es gibt Leut ' , de öffentlich was anders sag ' n , Herr Lehrer . « » Ich versteh ' Sie schon , aber wenn man auch nicht alles sagen darf , was man denkt , deswegen ist man doch nicht einverstanden damit . « » Ja , und vo dem kommt ' s her , daß de Schlechtigkeit so guat wachst . « » Von was , Schuller ? « » Vo dem , daß si die oan nix , und die andern alles trauen derfen . « Stegmüller wurde etwas verlegen . In den grauen Augen , die ihn so frei und gerade anblickten , lag ein Vorwurf . Er gehörte auch zu denen , die sich nichts trauten und aus Ängstlichkeit zu allem schwiegen . » Ja , Schuller , was will man machen ? « sagte er . » Wenn ich frei wäre oder einen Hof hätte wie Sie oder ... « » I hab ' net grad ' Eahna g ' moant , Herr Lehrer , i moan überhaupts bloß a so . « Stegmüller bohrte mit seinem Schirme Löcher in den Boden und schaute nachdenklich vor sich hin . » Schuller , « sagte er plötzlich , » ich hab ' neulich schon mit Ihnen reden wollen , wie die Geschichte passiert ist mit dem Grab . Sie dürfen glauben , daß ich das nicht gebilligt habe , durchaus nicht . « » Dös glaab i Eahna gern . « » Es hat mir so leid getan wegen Ihnen und Ihrer Frau . Es verletzt doch das religiöse Gefühl , so was . « » Dös mei nimmer , Herr Lehrer . « Stegmüller sah den Bauer verwundert an . Der breitete gleichmütig den rauchenden Mist vor sich aus und holte wieder eine Gabel voll vom Wagen herunter . » Wie meinen Sie das , Schuller ? « » Wia ' r i dös moan ? Dös will i Eahna scho sag ' n. « Der Schuller stützte sich auf die Gabel und stellte sich breitbeinig hin