ein ganz guter Mensch sei , so war mir dieses Vielleicht jetzt zur Gewißheit geworden . Nur wohnte und wirkte leider ein Dämon in ihm , der ihn selbst um den Frieden brachte , den er Andern doch so gern geben wollte ; er hatte ihn ganz richtig als Agressivität bezeichnet . Dieser Teufel ist es , der Menschen , Korporationen und Völker immer vorwärts drängt , um neuen Raum zu gewinnen , dabei aber auf dem alten , wohlerworbenen keinen Frieden und keinen Segen aufkommen läßt ! Während des Mittagessens wurde es mir nicht schwer gemacht , diskret zu sein , denn meine Nachbarn sprachen außerordentlich wenig . Später bemerkte ich von meinem Fenster aus , daß sie einen Hotelwagen bestiegen , um den beabsichtigten Ausflug zu unternehmen . Punkt drei Uhr klopfte Sejjid Omar an meine Tür . Die Pferde wurden schon bereit gehalten ; wir konnten aufbrechen . Natürlich beobachtete ich ihn schon beim Aufsteigen . Das ging so leicht und glatt von statten , als ob es seine tägliche Gewohnheit sei . Auch hielt er sich eine volle Pferdelänge hinter mir , was ich dadurch belohnte , daß ich ihn aufforderte , an meine linke Seite heranzukommen . Ich konnte ihn doch nicht beobachten , wenn ich ihm vorausritt . Er hielt sich nun still und ruhig neben mir , ohne , was ein Anderer wahrscheinlich versucht hätte , mir zeigen zu wollen , daß er sein Pferd zu beherrschen verstand . Doch wurde , als wir uns dem Kasr en Nil näherten , der Straßenverkehr trotz der Hitze ein so lebhafter , daß ich leicht Gelegenheit fand , ihn , ohne daß er es bemerkte , auf die Probe zu stellen . Die uns begegnenden Wagen , Reiter , Kamele und Fußgänger bildeten mir willkommene Hindernisse , und ich wich ihnen in einer Weise aus , welche es einem mittelmäßigen oder gar schlechten Reiter sehr schwer gemacht hätte , nicht von mir abzukommen ; er aber überwand diese Schwierigkeiten , ohne daß er sie zu bemerken schien . Nachdem wir die Nilbrücke passiert hatten , ging es im Trab . Er saß wie angegossen . Jenseits des Museums , als wir das bekannte Eckcafé hinter uns hatten , mußten wir wieder langsam reiten , denn es begegneten sich da zwei Reihen aneinander gebundener Lastkamele , zwischen denen , gerad als ein Doppelwagen der Tramway von Gizeh kam , sich eine Schar schwatzender Fellachenfrauen befand , welche Körbe auf ihren Köpfen trugen . Das gab wahrscheinlich einen kritischen Augenblick . Wie gedacht , so geschehen ! Die Tramway erschreckte die Kamele ; sie blieben stehen ; das eine zerrte nach rechts , das andere nach links ; dieses stand lang und jenes quer , und da sie zusammengebunden waren , so entstand für einige Zeit ein straßenbreites Hindernis von blökenden Kamelen und schreienden Weibern , in deren Mitte wir steckten . » Komm , Omar ! « Mit diesem Rufe drängte ich mein Pferd zwischen zwei Frauen hindurch , hinter denen zwei Kamele so standen , daß sie eine schmale Lücke bildeten , welche durch den sie verbindenden Strick geschlossen war . Ich nahm mein Pferd hoch und kam glücklich über den Strick hinweg . Die Frauen kreischten ; die Kameltreiber schimpften ; Omar aber lachte fröhlich auf und nahm das Hindernis ganz in derselben Weise . Das war für dieses Mal genug , und es handelte sich nur noch darum , seine Ausdauer kennen zu lernen . Auf der Straße von Kairo nach den Pyramiden kommt man an zwei Fellachendörfern vorüber , welche links liegen . Rechts dehnen sich grüne Flächen aus , welche von Kanälen bewässert werden . Die Pyramiden hat man gerade vor sich liegen . Sie erscheinen von Weitem als dreieckige Flächen , treten aber , je mehr man sich ihnen nähert , um so plastischer hervor . Das Menahouse-Hotel liegt am Fuße derselben . Es führt von ihm aus ein ziemlich breiter , auch fahrbarer Weg hinauf , welcher , um nicht vom Sande verschüttet zu werden , zu beiden Seiten mit Mauern versehen ist . Er gleicht einem Hohlwege , weil der Sand die Höhe der Mauern erreicht . Auf dieser Höhe gibt es keinen eigentlichen Weg , doch führte aus dem von mir bestellten Zimmer eine Tür heraus auf sie , und man konnte da , allerdings nur über ungebahntes Geröll , direkt nach den Pyramiden kommen , ohne unterwegs von den in dem Hohlwege befindlichen Passanten gesehen zu werden . Es ist nicht ohne Absicht , daß ich diesen Umstand besonders in Erwähnung bringe . Am östlichen Fuße der Pyramiden liegt das arabische Dorf el Kafr , dessen Bewohner , von den Touristen vollständig verdorben , in rücksichts- und charakterloser Aufdringlichkeit das Menschenmöglichste leisten . Sie halten , vereinzelt aufgestellt , schon in weiter Entfernung von den Pyramiden auf der Straße Wache , um über die aus der Stadt kommenden Fremden herzufallen und , wenn sie auch nicht engagiert werden , doch wenigstens ihre falschen Münzen , geschickt nachgemachten Skarabäen und andere wertlose Imitationen an den Mann zu bringen . Heut sah ich keinen einzigen von ihnen auf der Lauer stehen . Es mußte irgend ein Grund vorhanden sein , der sie abhielt , ihrer einträglichen Herumlungerei jetzt obzuliegen . Ich erfuhr ihn sogleich , als ich das Hotel erreichte . Die gestern auf dem Platze Ibrahim Pascha beobachteten fremden Pilger waren heut heraus nach den Pyramiden gezogen , um ihnen , die für den Wüstenbewohner noch größere Wunderwerke als für uns zivilisierte Menschen sind , einen Besuch abzustatten . Sie hatten in das Hotel eindringen wollen , waren aber abgewiesen worden , was freilich mit der allergrößten Vorsicht hatte geschehen müssen , um ihre Rachgier nicht herauszufordern . Der mich nach meinem Zimmer führende Kellner teilte mir lachend mit , daß man mit einigen wie zufällig vorübergetragenen , geräucherten Würsten und Schweineschinken diesen Zweck sehr schnell und ohne alle üblen Folgen erreicht habe . Die über diesen