armen Jungen , hatte ihn schlafen lassen und derweilen , eine lange Pfeife rauchend , in Bengels Gnomon studiert , bis der wieder aufwachte , sich besann und weiterhin aufmerksam folgte , wie sein Meister lehrte . So lange war das nun her , und jetzt wollte der Sohn dieses armen Jungen selbst einmal Student werden und später ein Prediger , und das geschah darum , weil der Junge von damals so fleißig und treu gewesen war . Auch für des Pastors Blumen hatte Hans viel Liebe und Staunen . Vornehmlich an Topfpflanzen hatte sich der Pastor gefreut , wenig am Garten , als ein rechter Stubenhocker , der den lieben Sonnenschein so recht genoß durch die kleinen Scheiben seiner blumenbestandenen Fenster und zu Winterszeiten im warmen Schlafrock sein geheiztes Stäbchen liebhatte . Da standen merkwürdige Pflanzen , besonders viele Kaktuspflanzen ; dabei war auch eine Königin der Nacht , die nur einmal im Jahr blühte , und dann nur eine Nacht . Wenn diese Nacht war , so lud der Pastor den Förster , den Lehrer und den Amtmann zu sich ein , die Frau Pastorin setzte Wein und Torte vor , und dann wurde abgewartet , wie sich die Blume öffnete . Eine ganz sonderbare Geschichte erzählte der Pastor von einer andern Pflanze , die er » japanische Rose « nannte . In früheren Jahren hatte er einen solchen Topf von einem Amtsbruder geschenkt bekommen , der zwei Stücke besaß , die er selbst aus Stecklingen großgezogen . Lange Jahre wuchs , grünte und blühte das Gewächs ; aber mit einem Male fing es an zu kränkeln , nahm ab und ging endlich ein ; und zu der gleichen Zeit starb der Amtsbruder , von dem der Pastor den Topf erhalten . Diese Geschichte durfte Hans nicht weitererzählen wegen der menschlichen Schwachheit , weil Manche in der Gemeinde sich noch mit abergläubischen Gedanken trugen . Der Pastor war ein Letzter einer langen Reihe , und weil er mit seiner Frau keine Kinder hatte , so schien es , als wolle die Natur nicht , daß er seine Art fortführte . Was so viele Generationen seit Jahrhunderten in innerlicher Arbeit erstrebt hatten , das war in ihm ein wirkliches Bild geworden ; er wußte nichts von Schlechtigkeit oder bösem Wesen , und kam ihm etwas Schlimmes nahe in seiner Gemeinde , so machte er ein erschrecktes und betrübtes Gesicht , und dann lächelte er ungläubig , und seine Mienen zeigten an , daß er vor einem Fremden und Unverständlichen stand und keinen Rat wußte ; bald aber fand er sich wieder und meinte , ein Irrtum sei das und eine falsche Auslegung der Wirklichkeit . Zwar , er predigte von der Erbsünde und von der natürlichen Bosheit des Menschengeschlechtes ; aber in seinem Herzen wußte er nichts von diesen Lehren , er sprach da nur Worte , die er nicht verstanden . Mitten unter einer harten Bevölkerung lebte er , unter kleinen Bauern und Holzarbeitern , die wohl tüchtige und ordentliche Leute waren , unter denen keine Liederlichkeit oder Faulheit vorkam ; aber ihr Leben floh hin bei dürrer Berechnung von Besitz und Erwerb , bei zähem Halten am kleinen Vorteil , der nicht ohne geringe Betrügereien war , wie sie bei solchen Leuten als ordnungsmäßig betrachtet werden . Die fanden bald heraus , daß der Pastor vom wirklichen Leben nichts wußte und keine Ahnung hatte von dem , was in ihnen vorging ; deshalb hielten sie ihn für dumm , oder wie sie sich das vorstellten , für » überstudiert « ; und indem sie nun mit allem , was sie unmittelbar anging , sich fern von ihm hielten , vermehrten sie noch seine Täuschung über die Wirklichkeit , die ihn umgab . Aber auch in der Seele solcher Menschen , die ganz beschränkt auf Irdisches und Bürgerliches sind , gibt es doch ein höheres Leben . Zwar gewinnt es scheinbar keinen Einfluß , denn es wird rasch bedeckt durch das Überwuchern des Wirtschaftlichen ; aber vielleicht ist das ganz gut so , und wenn es anders wäre , würden solche Manschen Schwätzer und scheinheilige Salbader . Deshalb hatte der Pastor doch eine große und segensreiche Bedeutung für seine Gemeinde ; sie wußten alle , daß er nicht an sich dachte und das Evangelium vom Rock erfüllt hatte ; ja , es gab sogar eine Geschichte über ihn von einem Paar neuer Stiefel und einem wandernden Handwerksgesellen ; sie wußten , daß hier keine Lüge , keine Gier , kein Betrug war , keine Habsucht und kein unlauteres Wesen , sondern ein reines und frommes Herz und ein klarer und guter Sinn ; und in dem bedrängten und beladenen Leben , das sie führen mußten , bei harter Arbeit und schweren Sorgen um das tägliche Brot und Kämpfen um die Ehrbarkeit des Wandels hatten sie an dem Pastor ein Bild wie das eines glücklichen und frohen Engels , der auf Erden wohnt , nichts weiß von Sünde und Schuld und Sorge und mit dem Finger zum Himmel weist , als zu einem freien und leichten Leben , das als Ziel uns allen vorschweben sollte . Und was bedeutet das für einen beladenen Menschen , der mühselig dahin geht , den Blick auf die Erde gerichtet ! Aber es ist gut für uns , daß solche Menschen selten sind . In ihrer Art ebenso merkwürdig wie der Mann war die Frau Pfarrerin . Sie war frühzeitig Waise geworden und hatte von ihren Eltern ein ziemliches Vermögen geerbt ; ihres jetzigen Mannes Vater , der alte Pastor , der ein entfernter Verwandter war , wurde ihr als Vormund bestellt und nahm sie zu sich ins Haus , sie mit seinen Kindern zusammen zu erziehen . Schon als kleines Mädchen faßte sie eine Neigung zu dem ernsten Ältesten , weil er ein liebes und gutes Wesen hatte und in vielen kleinen Dingen besorgt werden mußte wegen seiner Zerstreutheit . Das hatte ihm eine Schwester einmal gesagt , da war er rot