ist ein Sa und ein Lam . « » Weiter nichts ? « fragte ich schnell . » Noch das Verdoppelungszeichen dazwischen , « antwortete er . » Da , siehe selbst ! « Er gab es mir . Ja , das war das mir so wohlbekannte Erkennungszeichen der Sillan ! Ich wußte sofort , daß dieses scheinbar ganz bedeutungslose Doppelalphabet gewiß von großer Wichtigkeit sei . Aber in welcher Weise wichtig , das war die Frage ! Es enthielt zweimal alle persischen Buchstaben vom Aelyf bis zum Jäj und sogar Lam-Aelyf . Aber die gleichen Buchstaben standen nicht beieinander , sondern die zweite Reihe war weiter fortgeschoben , so daß die letzten sieben Buchstaben nicht hinten sondern vorn ihr Ende fanden . Wenn ich versuchen will , dies durch das deutsche Alphabet zu verdeutlichen , so bekommt diese Probe folgendes Aussehen : A b c d e f g h i k l m n o p q r s t u t u v w x y z A b c d e f g h i k l m n v w x y z. - - - o p q r s. - - - Es war mit Gewißheit anzunehmen , daß die bereits erwähnte Wichtigkeit dieser Zusammenstellung für die Sillan eine allgemeine , für den Multasim aber außerdem eine noch besondere sei . Ich wünschte sehr , hierüber Aufklärung zu erhalten . Aber von wem ? Sie konnte mir nur durch eigenes Nachdenken werden . Jetzt aber gab es keine Zeit hierzu . Ich steckte also das Heftchen zu mir und sagte : » Die Buchstaben sind wahrscheinlich das , wofür du sie hieltest , nämlich eine Eselsbrücke . Der Esel ist ohne Zweifel Ghulam selbst . Jetzt interessiert mich nur der Umstand , daß er Henker genannt wird . Ihr kennt ihn besser als ich . Habt Ihr vielleicht schon einmal diese oder eine ähnliche Bezeichnung seiner Person gehört ? « » Nein , nie ; « antwortete der Pedehr . » Aber dadurch , daß er als Multasim sich mit seiner unersättlichen Habsucht an die Stelle des gütigen Beherrschers setzt , ist er wohl schon Unzähligen in Wirklichkeit zum Henker geworden . « » Hier fällt mir eine Aehnlichkeit auf , « fügte der Ustad hinzu . » Steuerpächter des Schah-in-Schah und Paradiesespächter ! Hier leibliches und dort seelisches und geistiges Henkertum ! Wie manchen solchen Geist- und Seelenhenker mag es geben , der seines traurigen Amtes dadurch waltet , daß er an Stelle des einfachen und ehrlichen Alphabetes , welches uns der Herr gegeben hat , ein gefälschtes setzt ! Was thun wir mit den Kleidern des Gefangenen ? « » Sie mögen hier liegen bleiben , bis er sie morgen wieder bekommt . Das geschieht nicht eher , als bis ich ihm dieses Alphabet wieder in die Tasche gesteckt habe . Ich wünsche , daß er denken möge , es sei unentdeckt geblieben . Wenn eure Leute später den vierten Perser mit den Pferden bringen , so steckt ihn in ein besonderes Verließ . Der Multasim soll jetzt noch nicht wissen , daß wir auch noch diesen festgenommen haben . Und noch eins : Ich habe euch etwas zu sagen und zu zeigen . Das steckt in meiner Satteltasche . Wo befindet sich das alles , meine Sachen und die Waffen ? « » In meiner Wohnung , « antwortete der Ustad . » Also bei dir ? Ich danke dir ! Das zeigt mir ja , wie wert du das Eigentum deines Gastes hältst . « Da ging ein ganz eigenartiges Lächeln über sein Gesicht . Er machte eine den Sinn meiner Worte abwehrende Handbewegung und sagte : » Es ist ein anderer Grund . Wenn du es erlaubst , werde ich dir ihn oben sagen . Soll auch der Pedehr mitgehen ? « » Ja . « Der Genannte erteilte Tifl einige Weisungen in Beziehung auf den vierten Perser ; dann begaben wir uns hinauf in die Wohnung des Ustad . Er führte uns nicht in die Balkonstube , sondern , nachdem er ein Licht angezündet hatte , in eine kleine , fensterlose Kammer , welche , wie es schien , für weggesetzte , unbrauchbar gewordene Gegenstände bestimmt war . Da hingen alle meine Sachen . Außer ihnen war nichts zu sehen als ein alter Kasten , dem man es ansah , daß er von Ur-Urgroßvaters Zeit herstammte . Indem der Ustad auf dieses Gerätstück zeigte , sagte er uns folgende , mir damals unverständliche Worte , die ich aber bald darauf sehr wohl begriffen habe : » Wenn der Mensch wüßte , wie sehr ihm solche alte , anererbte Sachen schaden , die er in falscher Pietät mit sich durchs Leben schleppt ! Für solche , erbliche Belastung ist die Rumpelkammer noch viel zu gut ! In solchen alten Gegenständen steckt ein ganzes Heer von geistig überkommenen Motten , Bohr- und Rüsselwürmern , welche , wenn man den Kasten öffnet , herausgekrochen und herausgeflogen kommen , um alles , was da Lebenswert besitzt , in zerfressenes Gerümpel und zernagte Lumpen zu verwandeln . Für solche Mottengeister giebt es nichts Heiliges , nichts unantastbar Hohes . Sie zerstören den königlichen Purpurmantel mit derselben Sicherheit , mit welcher sie den Hermelin der Wissenschaft zum kahlen Felle machen . Sie suchen das geistliche Gewand des Emir el Muminin8 ebenso heim , wie sie sich in der Filzmütze der tanzenden oder heulenden Derwische eingenistet haben . Sie sitzen im Kaftan des Näbi9 , im Turban des Sahibi Scheriat10 und in den Pantoffeln aller derer , die im Schatten solcher Vorschrift wandeln . Ganz außerordentliche Anziehungskraft aber hat auf sie das Papier , besonders das aus Lumpen fabrizierte . Man behauptet zwar , daß der Geruch der Druckerschwärze sie vertreibe , doch fand ich oft auch Druckpapier , aus welchem , wenn ich es zum Lesen auseinanderschlug , gleich eine ganze Wolke mich umnachten wollte ! « » Du sprichst in Rätseln ,