alles Unendliche nicht mehr ertragen . Er flüstert wieder wie zu sich selbst : » Auch das ist zu schwer für mich ! « Und dann sagt er , wie die Geigenwinde immer weiter anschwellen und ihn immer weiter fortzuziehen suchen : » Liwûna , gieb Worte dazu ! « In der dunklen Ferne sieht er einen langen , dünnen Stab - gebildet aus lauter blutroten Rubinen - auf-und niedersteigen - auf- und niedersteigen - wie ein Taktstock . » Das ist ein Scepter ! « hört er die Liwûna neben sich sagen . Er wundert sich nicht , dass sie das neben ihm sagt , während doch das Scepter so weit weg ist . Er will nur noch Worte hören . Und er hört Worte . Viele Männerstimmen singen . Das Erste versteht er nicht - es ist ein vielstimmiger Gesang - und sehr gedämpft ist er . Wie sie aber lauter singen , versteht er - diese Verse : Wir mussten neulich so furchtbar lachen : Ein Alter sprach so voll Herzeleid ; Er wollte die herrlichsten Verse machen Zum Lobe der tiefen Unendlichkeit . Ihm aber gelang nicht das kleinste Gedicht , Und dazu schnitt er noch ein Gesicht , Als wenn die Unendlichkeit böse wär . Ach Alter , wo kamst du eigentlich her ? Mach dir doch nicht das Leben so schwer . Was machst du bloss für Sachen ? Man muss ja so furchtbar lachen . Die Geigen summen weiter , doch die Töne schliessen sich nicht mehr zu Melodien zusammen . Liwûna sagt : » Du hörst nur Kopfnaturen in der Finsternis . « Kaidôh denkt an die schlafenden Sternriesen und findet es seltsam , dass er selbst so lange ohne Schlaf durch die Welt schwebte . Er vergleicht das Sterben mit dem Einschlafen , wird aber durch ein Trompetengeschmetter aufgestört . Helle Hörnerklänge jubeln dazwischen . Die Geigen sind nicht mehr zu hören . Mit einem Male wirds still , und tiefe Männerstimmen sprechen im Chor : Diese ganze Welt ist nur sein Alltagsmantel , Und wir alle sind nur schlechter Zwirn . Tausend Echos hallen die Worte auf allen Seiten wider . Und es erklingen helle Glocken in einer lustigen Klimpermelodie . Dem Kaidôh kommt das Geklinge so bekannt vor . Tiefe Frauenstimmen singen dazu : Du kannst die ganze Welt verstehen , Wenn du vermagst , sie schweigend anzusehen . Doch rufst du dabei mal : Ich habs ! So kriegst du einen derben Weltenklaps . Kaidôh will lächeln , denn er sieht ja nichts . Er bleibt finster . Die Glocken verstummen . Eine tiefe Bassstimme , die so knarrt , spricht vertraulich in Kaidôhs nächster Nähe : Umfangreich sind die Weltengräber , Aber wen verblüfft das noch ? Jeder schneidige Alldurchstreber Findet unten doch ein Loch In dem grossen Grabestrichter . Es bleibt nach diesen Worten ein fernes Brummen , wie von Bienenschwärmen in der Finsternis , und Kaidôh denkt wieder an den Schlaf und möchte träumen . Und er träumt von weiten Wunderländern , die er noch nie gesehen hat , und ihm ist plötzlich so , als offenbare sich ihm plötzlich das ganze Allwesen , und es durchrauscht ihn ; es wird ihm alles so klar - traumklar . Da weckt den Träumer ein zwitscherndes Flötengedudel , und lachende Kinderstimmen singen zu den Flötentönen : Gross ist das Weltensein ! Alles gehört hinein . Gestern noch kam ein Kind , Schrie wie ein wilder Wind , Pries den ganzen Weltenlauf , Blies sich dabei drollig auf , That , als läge jede Note Fein seciert auf seiner Pfote , Und sprach von einem Wunderland , Das allen Wesen unbekannt , Als wärs fürwahr sein Vaterland . Wir sagten : So - so - so ! Du bist recht zauberfroh ! Und das Jenseits war seine Mütze , Das Bekannte nannte er Pfütze . Kindchen , lass das Schreien bleiben , Sonst wird dich ein Floh vertreiben . Und die Flöten dudeln - und entfernen sich nach allen Richtungen . Es steckte eine Marschmelodie in den Versen . » Köpfe können doch nicht marschieren ! « sagt Kaidôh . Er wagt es nicht , noch einmal zu träumen . Tiefe Frauenstimmen sprechen im Chore : Dunkel bleibt uns immer was . Doch es giebt ein Träumen Ueber allen Räumen . Nachdem die Echos auch diese Worte lange nachgehallt haben , ist das Bienengebrumm abermals zu hören . Es wird etwas heller . Dumpfe Pauken dröhnen in der Ferne , und Trommeln rasseln wie Ketten , und zu dem Getöse singen viele Stimmen schreiend durcheinander : Jede tolle Narrenpein Wird ja wohl notwendig sein . Diese Verse werden siebenmal wiederholt , und die Stimmen - es sind lauter Knabenstimmen - schreien jedesmal lauter , sodass der Gesang schliesslich zum Gekreisch wird , das schliesslich in Gewimmer umkippt und dann plötzlich weg ist . Und nun wirds allmählich hell . Und Mondlicht umfliesst den grossen Kaidôh . Es wird so still , dass Kaidôh sein Herz klopfen hört . Mit weit ausgebreiteten Armen dreht sich der Riese langsam um sich selbst . Und er sieht in der Runde in sieben tiefe Schluchten , in denen Nebelschatten geisterhaft auf und nieder gleiten . Im Mondenschein glänzen die Nebel wie bewegte Schleiergebilde - wie geisterhafte Rauchgewänder . Hier ist alles so ruhig wie auf einem Friedhof . Zwischen den Schluchten liegen grosse Bergnasen im hellen Mondenschein - Gletscher , die aus unzähligen Sternen bestehen . » Ich fürchte vielleicht doch nur das Stille ! « flüstert Kaidôh , und seine Augen irren über die Mondscheinpracht , und er geht auf in dieser Glanzwelt , in der die Geheimnisse des ganzen Alls zu schlummern scheinen . Er vergisst sein ganzes Leben . Und nach einer Weile spricht er fragend : » Die gewaltigen Stunden des Lebens - sollten sie immer stille Stunden sein ? « Die Bergnasen sind ihm so nahe . Und nun sieht er die Gletscher in zitterndem Zauberschein -