Ohr äußerst wohlgefällig klang : hart und kalt , als ob man einen Degen aus einer Samtscheide zückte . Indessen , eine Stimme , die einem Rettung in der Not gebracht , die hat halt einen besondern Kern ! Ihm ward zumute , als hätte er in jenem Augenblick mit Cathri eine Verwandtschaft eingegangen , und zwar eine innige . Oder nein , nicht Verwandtschaft , denn was sind Verwandte ? Menschen , die einem das Leben verbittern , mit dem Anspruch , das als einen Beweis der Liebe zu verdanken . Freundschaft vielmehr . Beim Kuckuck , warum auch sollte man nicht mit jemand , der einem zusagt und der einem Gutes getan , plötzlich Freundschaft schließen ? Freundschaft ist doch kein Mostapfel , daß sie nur allmählich reifte ! Plötzlich lächelte er vor sich hin , als ob er in etwas Leckeres gebissen hätte . Es war ihm nämlich eingefallen , daß Cathri eine ledige Jungfrau war und er ein heiratsfähiger Bursch , woraus sich verlockende Möglichkeitsbilder entwickelten , denen er träumerisch nachhing . Jucunde erschien mit dem Wein , in einem Atem sich lästerlich anklagend und angelegentlich entschuldigend wegen der sträflichen Vernachlässigung , während sie ihm übereifrig einschenkte . Ehe sie wieder davoneilte , wand sie ihm hastig den Arm ums Gesicht , wie ein Naschwerk , um ihn zu vertrösten . Er aber stieß angeekelt das fremde Fleisch beiseite und fuhr unbehindert in seinen lieblichen Träumereien fort , denn er hatte sich durch die Störung nur oberflächlich wecken lassen . Freilich , gesetzt den Fall , zum Beispiel , er möchte und sie willigte ein , so würde er natürlich Feuer und Flamme dagegen speien , der alte Drache , daran war nicht der mindeste Zweifel . Nun , um so besser , dann gerade erst recht ! Hiermit war er wieder da angelangt , wohin er stets im Kreis zurückkehrte : bei ihm , dem Unvermeidlichen , dem Unausstehlichen , dem Feind seiner Beschaffenheit und Eigentümlichkeit , Feind seiner Wünsche , Pläne und Hoffnungen , Feind in allem und jedem , überall und immer . Neuerdings packte ihn der Groll und krampfte sich seine Hand , aber diesmal um das Weinglas , das er mit einem einzigen Zuge leerte , trotz dem sauren gepanschten Krätzer . Darob wandelte sich der Groll in Zorn , und der Zorn stiftete ihn wieder zum Trinken an . Bald verwirrte sich sein Geist . Ein Taumel betäubte ihn , durch welchen er bloß noch das Hämmern des Blutes gegen die Schläfen spürte , verbunden mit dem leidenschaftlichen Gelüsten , irgend etwas Gewaltsames zu vollführen , und zwar lieber früher als später , am liebsten auf der Stelle . Ein roher Lärm tobte durch den Hausgang , untermischt mit festlichen Jauchzern , und gleich einem Feuerläufer kam der Knecht aufgeregt um die Ecke gesprungen : » Die Niederwagginger sind da « , meldete er mit wichtiger Miene . » Jucunde , schnell ! Flaschen und Gläser , soviel da sind ! « gellte die Neuberin , hüpfend vor Freuden . Zu spät . Schon ward das Gärtchen von einer Rotte ungeschlachten Volkes erobert , das sich stürmisch auf die Stühle warf , im Nu jedes Plätzchen besetzend . Der Rest wirbelte hin und her , nach Bedienung lärmend und Wein begehrend . Sessel wurden als Beute aus den Zimmern herbeigeschleppt , hoch über die Köpfe erhoben , Weinflaschen reihenweise nach Dachdeckerart von Hand zu Hand vermittelt , alles so tumultuarisch wie möglich , aber in Frieden und Eintracht . » Heute gehts den Oberwaggingern an den Kragen ! « triumphierte eine Stimme . » Der Tanz im Pfauen wird wohl heute schwerlich bis Mitternacht währen « , höhnte ein anderer . Beifallsgelächter erscholl , Fäuste wurden prahlerisch geballt , gespannte Muskeln vorgewiesen , Stöcke geschwungen . Hinter den Burschen aber erschien nachträglich ein verschämter Weibertrupp , das Getümmel vermehrend , festlich geputzte Jüngferchen , Feldblumensträuße vor dem flachen Busen . Schüchtern schoben sie sich in die Lücken des aufgeregten Mannsvolkes , glückselig inmitten der Püffe und Tritte . Keine Bedienung vermochte das menschliche Dickicht zu durchdringen . Wo immer die Neuberin oder Jucunde sich hervorwagten , ward ihnen mit handgreiflicher Zärtlichkeit dermaßen zugesetzt , daß sie schleunigst die Flucht ergriffen . Dabei hieben sie weidlich mit den Fäusten drein , die eine wie die andere , unter entrüstetem Quietschen und Belfern , übrigens mit dem vergnügtesten Gesichte der Welt . Sie genasen augenscheinlich in dem Höllenbreugel . Conrad hatte keine Zeit gefunden , sich vor dem ungestümen Menschenschwall zurückzuziehen ; infolgedessen sah er sich auf seinem Platz festgepreßt , so daß ihm nichts übrig blieb , als sich so schmal wie möglich zu zwängen . Das ertrug er zwar ergeben , wie man ein Naturereignis erträgt , allein in der übelsten Laune . Plötzlich juckte er auf und sträußte die Ohren . Nämlich die Worte Pfauen , Kellnerinnen , karessieren hatten ihn getroffen . Und wie er den Kopf danach wandte , gewahrte er einen langen Lümmel mit einem schiefen Karpfenmaul und abstehenden Ohren , schlüpfrig wie ein Regenwurm , dem ers etwa zutraute . In der Tat , der verdrehte zischelnd die lüsternen Augen . Schon wollte er sich angewidert abwenden , da glaubte er zu hören : die schöne Anna vom Pfauen . Nein wahrhaftig , da sagte ers noch einmal , ganz deutlich , der Wicht : die schöne Anna vom Pfauen . » Ihr dort ! Nehmt den Namen meiner Schwester nicht in Euer schmutziges Maul « , herrschte Conrad hochfahrend , so rauh und beleidigend , daß er selbst davor erstaunte ; ein Ton wie eine Ohrfeige . Der Regenwurm kehrte sich zögernd herum , nicht einmal sonderlich verwundert , betrachtete den Gegner geraume Weile mit lauerndem Blick , dann erwiderte er mit flauer Stimme : » Man sagt ja durchaus nichts Schlimmes von Euerer Schwester , nicht im mindesten , im Gegenteil . « Hiermit wähnte Conrad den Fall erledigt . Indessen der andere