Wein getrunken , so gereizt zu Mute . Die Flötenspieler flöten wieder . Und die drei Mädchen sind so aufdringlich . Allerdings - das rührt die Gäste sehr wenig . Dem Battany ist die Liebenswürdigkeit der Mädchen sehr unangenehm - er ist daran gewöhnt , daß die Frauen bescheiden in der Ecke stehen und kaum zu atmen wagen . Kodama und Osman essen , als wenn sie vierzehn Tage gehungert hätten . Said ärgert sich - ärgert sich , daß er den Mädchen ganz zwecklos die neuen Kleider kaufte . Safur aber sieht auch mit Unwillen auf die beiden Dicken - sie essen ihm wieder zu schnell . » Langsam « , fängt er an , » essen diejenigen Menschen , die das Essen verstehen . « Said wirft dem Dichter einen dankbaren Blick zu , und der Dichter fährt fort : » Unbegreiflich erscheint mir doch Manches . Wir haben eigentlich sämtlich hier in Bagdad die beste Gelegenheit , unsre Gaumen auszubilden - wer aber bildet seinen Gaumen wirklich aus ? Ich glaube - ich tu das nur allein . Wer nicht zu essen versteht , versteht auch nicht zu genießen . Wir müssen doch , wenn wir das Leben genießen wollen , alle unsre Sinne ausbilden - den Geschmackssinn dürfen wir nicht vernachlässigen . Wer . sich immer den Magen überlädt - wie Osman und Kodama - der ist doch eigentlich nur ein ganz gewöhnlicher Tofaily . « Osman und Kodama grinsen . Die Andern schweigen und essen bedächtiger . Said macht ein sehr schlaues Gesicht . Abu Hischam räuspert sich , er will reden . Die chinesischen Fasanen , die ihm die Sailóndula anbietet , weist er barsch zurück und beginnt nun - bedächtiger als sonst : » Lieber Safur ! Du wirst uns bei allen Gelegenheiten umständlich auseinandersetzen wollen , daß Du Deine Sinne ständig verfeinerst - so als wenn darin die einzige Aufgabe Deines Lebens besteht . Du denkst eben , etwas Feineres als verfeinerte Sinne gäbs garnicht . Es gibt aber doch noch feinere Genüsse , die mit der Verfeinerung der Sinne ganz und garnichts zu tun haben . Wenn ich an der Weiterentwicklung der Welt arbeite oder über die wichtigsten philosophischen Fragen nachdenke , so empfinde ich doch mehr als bei Deiner Fresserei . « Alles lacht . Kodama sagt mit wohltönender Stimme , während er drohend ein chinesisches Fasanenbein schwingt : » Oh , Abu Hischam , um die Verfeinerung der Sprache wirst Du Dir auch keine Verdienste erwerben . Redet aber nur ruhig weiter , es ißt sich dabei ganz gut . « Doch nun reden Alle durcheinander . Die Süßigkeiten werden herumgereicht . Abla verteilt ihr Zuckergebäck und eine große ZobaïdaTorte . Sailóndula bietet ihren mit Mandeln und Bananen gefüllten Kataïf , der in Nußöl schwimmt , so zärtlich bittend an , daß ihr Niemand einen Korb gibt . Zwar - Abu Hischam will nur noch altmekkanischen Kirschenpudding essen , den die Knaben auch schon herbeigeschleppt haben . Abla gibt ihm den Pudding , läuft dann aber in den Garten - und singt - sie singt ihr berühmtes Gazellenlied , das sie schon öfters gesungen und das die Gäste schon kennen . Safur wendet sich während des Gesanges flüsternd an den Philosophen und fragt spöttisch : » Ei , Abu Hischam , über welche philosophischen Fragen denkst Du denn so eifrig nach ? « » Aber Safur « , erwidert leise der Philosoph , » Du mußt ja nicht das Eine vergessen : wir leben nur in einer Scheinwelt . Du glaubst immer nur , daß Du Dich an die greifbaren Genüsse halten müßtest - und doch - Du mußt nicht vergessen , daß ich in Indien war und auch einmal ein Buch Der Zweifler schrieb . Es gibt wirklich noch eine andere Welt als die , die wir mit unseren Sinnen begreifen können . « Doch was ist das ? Said fallen die Augen zu , der Kopf fällt ihm auf die Brust und nun - nein - hätte ihn nicht der Hausmeister aufgefangen , der Herr des Hauses wäre mit der Nase in den Kirschenpudding gefallen ... Die Gäste springen erschrocken empor . Aber die Tarub und die Sailóndula kichern - und tanzen vor Vergnügen . » Er hat ja ein Schlafpulver bekommen « , sagt die Sailóndula , » denn wir wollen mit Euch auf der Sternwarte Wein trinken . Beruhigt Euch ! « Battany und seine Freunde müssen nun so laut lachen , daß Said , den der Hausmeister vorsichtig auf die Seite legte , beinahe wieder aufgewacht wäre ... Ablas Gazellenlied verhallt - sie eilt auf die Estrade und wird vom dicken Kodama stürmisch geküßt . Die Gäste waschen sich alsdann in bester Laune die Hände - und wandeln davon - zur nahen Sternwarte - die drei Mädchen - und die Sklaven mit den Weinschläuchen folgen - die Flötenspieler ebenfalls . Auf der Estrade bleibt nur der schlafende Said - der schnarcht . Die roten Papierampeln schaukeln ein bißchen . Der Springbrunnen plätschert . Die Blumen duften stark . Das Räucherwerk duftet noch stärker . Wie verwüstete Dörfer liegen die Überreste der Torte und des Puddings auf den kostbaren Teppichen umher - - - Die sauberen weißen Tücher mit den Fransen sind zerknillt und durcheinandergeworfen . Die Estrade gleicht jetzt einem verlassenen Schlachtfelde . Der Halbmond steht schief über der Gartenmauer . Die Sterne sind wieder sehr hell . Die roten Ampeln verlöschen allmählich . Die Nachtigallen flöten wunderbar . Und Said schnarcht ... Sechstes Kapitel Die Mongolen reiten langsam um die Sternwarte rum und spitzen die Ohren - sie hören was . Sie zügeln ihre schwarzen Rosse und horchen , weit über den Kopf der Pferde gebeugt , in das Dunkel hinein . Dann erkennen sie die Stimmen , reiten rasch an den Turm , der oben den Empfangssaal trägt , und wecken die Schwarzen . Nach ein paar Augenblicken sind die zwölf schwarzen Sklaven mit zwölf Fackeln draußen . Die Sklaven eilen mit