werden . - Der Bauer schmunzelte in einem fort und pfiff auch gelegentlich still vergnügt vor sich hin . Etwas wie ein langverhaltener Jugendübermut kam über den alten Mann . Hätte er einen Bummler überholt , er würde ihn aufgefordert haben , zu ihm in den leeren Kälberwagen zu springen , nur um jemanden bei sich zu haben , dem er seine gute Laune mitteilen könne . Als er an einem Gasthofe vorüberfuhr , kam ihm der Gedanke , zu halten und einen Branntwein zu fordern ; das war ein Genuß , den sich der Büttnerbauer nur alle Jubeljahre einmal leistete . Er wollte schon das Pferd zum Stehen bringen , da fiel ihm ein , daß er den Schnaps ja auch im Kretscham von Halbenau trinken könne . Nicht etwa , daß er seinem Schwager , dem Kretschamwirt , den Verdienst hätte zuwenden wollen ! Nein ! Er hatte bei sich beschlossen , den Halunken zu ärgern . Wie würde sich Kaschelernst erbosten , wenn er vernahm , daß der Schwager das Geld doch noch bekommen hatte und daß ihm , Kaschelernst , die fünf Prozent auf diese Weise entgingen . - Der Bauer trieb den Rappen an . Schadenfroh lachte er in sich hinein . Endlich konnte er den Menschen , der ihm schon so manchen Tort angetan hatte , doch auch einmal ärgern ! - Er hielt vor dem Kretscham an und machte sich durch Peitschenknallen bemerkbar . Sein Neffe Richard Kaschel kam heraus . Der junge Mensch sah seinem Vater bedenklich ähnlich . Nur etwas länger war er geraten und zeigte noch nicht die rote Nase und die schwimmenden Augen des Alten . Aber dasselbe Rattengesicht war ' s und auch dasselbe Lächeln und Kichern , das bei dem jungen Menschen noch flegelhafter und zudringlicher herauskam . Der Büttnerbauer fragte den Neffen , ob der Wirt zu Haus sei . Der sei gerade aufs Feld hinausgegangen , erwiderte der Bursche und grinste dazu . Der Bauer bestellte einen Kornschnaps . » En guten ? « fragte der Neffe , mit unverschämten Lächeln den Onkel anzwinkernd . » Verstieht sich , an guten ! Was Schlecht ' s mog ich ne ! Wennt ' r und er hat schlechten , den kennt ' r salber saufen . Verstiehst de ! « rief der Alte dem Neffen zu . Der junge Mann , gleich seinem Vater in Strümpfen und Holzpantoffeln , verschwand im Gasthofe , um gleich darauf mit einer Flasche und einem Gläschen wieder zu erscheinen . Der Bauer goß den Schnaps hinter , machte » brrr ! « und schüttelte sich . » Wos kost ' dos ? « rief er und zog den Geldsack . Der Neffe meinte mit gönnerhafter Miene , das sei umsonst . » Was macht ' s ? « schrie ihn da der Alte an mit zorniger Miene . » Ich wer dich glei umsonsten ! Ich will keenen Menschen nischt ne schuld ' g bleiba , zu allerletzten eich ! Dei Vater mechte mich am Ende glei verklogen ! Dei Vater , wegen dan paar Pfengen . - Wos macht der Schnaps ? « Der Neffe nannte den Preis . Mit wichtiger Miene öffnete der Bauer den Geldsack , suchte eine ganze Weile unter den Münzen herum , immer beobachtend , welche Wirkung das Geld auf den Neffen hervorbringen würde , und ließ ein Goldstück wechseln . Nachdem er kleine Münzen zurückerhalten und den Beutel wieder an seinen Ort gebracht hatte , sagte er scheinbar beiläufig : » De kannst deinem Alten och derzahlen , ich hätte menen Hafer gut verkoft , und de Hipetheke hätt ' ' ch och ungergebracht . Vun ihn braucht ' ch nu nischt mih , und an Puckel kennt ' ar mir rungerrutscha , kennt ' ar mir ! « - Damit trieb er den Rappen an und fuhr nach Hause , sehr mit sich zufrieden . Seinem Schwager würde das brühwarm berichtet werden ; dafür war gesorgt . Dem Kaschelernst hatte er ' s mal gründlich heimgegeben . V. Ein Reiter ritt in den Hof des Büttnerschen Bauerngutes ein . Das Pferd war ein alter englischer Vollblutgaul , der bessere Tage gesehen haben mochte . Sattel und Zäumung waren armeemäßig . Der Reiter verleugnete in Haltung und Erscheinung den ehemaligen Offizier nicht . Er war ein hagerer Fünfziger . Seinem wettergebräunten Gesichte gab ein langer , graublonder Vollbart eine wirksame Umrahmung . Die Töchter des Büttnerbauern waren im Hofe mit Mistaufladen beschäftigt . Hochaufgeschürzt , mit bloßen Füßen , die Gabeln in den geröteten Händen , standen sie auf der Düngerstätte , neben der ein halbbeladener Wagen unbespannt hielt . » Bin ich hier im Büttnerschen Bauerngute ? « fragte der Reiter . » Hier is Büttners ! « antwortete Toni , die Ältere . » Ist der Bauer zu Haus ? « » Der Vater is uf ' n Felde mit Karlen . Se tun de Apern igeln . « » Ich möchte mit Ihrem Vater sprechen in einer Angelegenheit . Am liebsten allerdings im Hause . Könnten Sie ihn holen ? « Toni stand da mit offenem Munde und gaffte den Fremden an . Sein großer Bart , die roten Lederhandschuhe , die Reitgerte mit dem Silberknauf , alles an ihm kam ihr ungewöhnlich vor . Sie empfand eigentlich Lust , zu lachen . Darüber vergaß sie ganz , zu antworten . An ihrer Stelle übernahm die jüngere Schwester die Vermittelung dem Fremden gegenüber . Ernestine war die Gewecktere und Lebhaftere von den beiden . Mit einigen kaum merklichen Griffen hatte sie es verstanden , ihren allzu hoch aufgeschürzten Rock herabzulassen , so daß wenigstens die vom Mist beschmutzten Waden den Blicken des fremden Herrn entzogen waren . Sie sagte - und gab sich dabei Mühe , Hochdeutsch zu sprechen : » Wenn Sie den Vater sprechen wollen , wir können ihn rufen ; sie sein nicht sehre weit . « Damit sprang sie behende von der Düngerstätte hinab und lief