hatte er noch am vergangenen Abend bestellt , den letzten mußte er noch ausfindig machen . Franzl , weil er immer an die Mali denken mußte , dachte an den Bruckner . Der hatte freilich noch nie als Treiber gedient . Der alte Moser , Graf Egges abgedankter Büchsenspanner , munkelte sogar , daß der Bruckner in früheren Jahren » gegangen « wäre - das sollte heißen : als Wildschütz . Aber es war wohl nur ein Gerede ; der alte Moser schwatzte gern , und was Bauer hieß , war ihm verdächtig . Franzl war überzeugt , daß man dem Bruder der Mali unrecht tat . Er meinte einen besseren Treiber nicht finden zu können als den Bruckner , dem es in seiner jetzigen Lage wohl auch willkommen sein mußte , ein paar Mark zu verdienen . Dennoch zögerte Franzl , als er das Bruckneranwesen erreichte . Der Hof war leer , die Haustür geschlossen . Hinter der Scheune ließ sich klingender Dengelschlag vernehmen . Franzl spähte nach den Fenstern , und als er da was Weißes flimmern sah , stieß er flink das Zauntürchen auf , klopfte ans Fenster und drückte das lachende Gesicht an die Scheibe . » Guten Morgen , Mali ! « » Jeh , mir scheint gar , der Franzl ! « klang es in der Stube . » Freilich ! Kennst mich jetzt ? Ich selber bin gestern auch völlig blind gwesen . Erst d ' Mutter hat mir ' s gsagt . Und da hab ich mir gleich denkt , ich muß meiner Schulkameradin an guten Einstand in der Heimat wünschen . Geh , trau dich a bißl aussi zu mir ! « Die Haustür öffnete sich , und Mali trat in die Sonne heraus ; mit den Armen hielt sie ein geblumtes Kissen umschlungen , aus dem das wackelige Köpfchen eines Kindes hervorlugte : ein welkes Gesichtl mit müden Augen und einem farblosen Mündchen , um dessen Winkel schon die Bitternis des Lebens gezeichnet war . Franzl aber sah nur das Gesicht des Mädels , das mit keiner Spur die durchwachte Nacht verriet . Langsam reichten sie sich die Hände und sahen sich schweigend in die Augen , als spräche zu jedem aus dem Blick des anderen die Erinnerung der längst verflossenen Kindheit und der guten Freundschaft , die einst ihre jungen Herzen verbunden hatte . Franzl fand zuerst die Sprache : » Mali ! Nobel hast dich ausgwachsen ! « » Geh ! Du ! « schmollte das Mädel . » Aus dir , scheint mir , is der richtige Schwefler worden . « » Ich sag , was wahr is ! Ganz heiß wird mir , wann ich dich anschau und sag mir : dös is mei ' Mali ! « Das Mädel machte große Augen : » Dei ' Mali ? Du redst dich leicht ! « » Is doch wahr , daß wir zwei allweil zammghalten haben wie der Vogel und d ' Federn ! Bis wir grupft worden sind alle zwei . « Aus dem Gesicht des Jägers schwand der lachende Frohsinn . » Aber jetzt bist ja wieder da ! « In Franzls Augen ging die Sonne wieder auf . » Und gar net begreifen kann ich ' s , daß ich dich gestern net gleich wiederkennt hab . Schaut dir ja ' s liebe Kindergsichtl noch allweil aus die Augen aussi . « » Und die deinigen sind noch allweil die gleichen Haselnußkern ! « sagte Mali lächelnd . » No also , nachher stimmt ja alles ! Da fangen wir gleich die alte Kameradschaft wieder an . Und schau , « Franzl nahm den Hut ab und löste die Nelken aus der Schnur , » da hab ich dir zum Einstand gleich was mitbracht . « Malis Wangen brannten , als ihr der Jäger das Sträußchen reichte . Sie wollte die Nelken ans Mieder stecken . Da streckte das Kind verlangend die Ärmchen aus dem Kissen und griff mit den bleichen Fingerchen nach den roten Blüten . Mali hatte nicht das Herz , dem kranken Kind die kleine Freude zu stören . » Gelt , Nettele , schöne Blümerln ! « plauderte sie zärtlich . » Und alle ghören dem Netterl , alle ! « Die Händchen des Kindes zupften und rissen an den Blüten , daß die roten Flocken zu Boden fielen . Mali wurde unruhig . » Gelt , Franzl , bist net harb ? « » Aber geh , was redst denn ! « In herzlichem Erbarmen hingen Franzls Augen an dem welken Gesichtchen des Kindes . » Dös arme Hascherl ! « » Der Doktor meint , ' s Herzl wär schwach . So a Kindl , so a guts ! Wenn nur ich ihm was geben könnt vom meinigen , ich hab eh so an Brocken in mir drin , der allweil schlögelt wie net gscheit ! « Um dem Kinde das Spiel mit den Blumen zu erleichtern , setzte Mali sich auf die Hausbank ; und während das Netterl in den Blüten wühlte , plauderte sie mit dem Kind und glätte ihm die dünnen , gesträubten Härchen . Schmunzelnd betrachtete sie der Jäger . » Dös schaut sich gut an : du als jungs Mutterl ! « Sie guckte so drollig erschrocken zu ihm auf , daß er lachen mußte . Und da schalt sie : » Tu net so laut ! Unser Stadtherr droben schlaft noch . Der kann ' s heut brauchen . Was er ghabt haben muß ? Die ganze Nacht is er auf und ab marschiert über der Decken . « Franzl sah zu dem großen Fenster hinauf . Da hörte er hinter sich ein leises Klirren , und als er sich umwandte , sah er den Bruckner stehen , in der einen Hand die gedengelte Sense , in der anderen den Hammer . Die Gestalt des Bauern war gebeugt , und mißtrauisch musterte er den Jäger . » Was suchst denn du