oben , aber ganz leise . « Johanna , während das Gespräch so ging , sah über die Schulter der jungen Frau fort in den hohen schmalen Spiegel hinein , um die Mienen Effis besser beobachten zu können . Dann sagte sie : » Ja , das ist oben im Saal . Früher hörten wir es in der Küche auch . Aber jetzt hören wir es nicht mehr ; wir haben uns daran gewöhnt . « » Ist es denn etwas Besonderes damit ? « » O , Gott bewahre , nicht im geringsten . Eine Weile wußte man nicht recht , woher es käme , und der Herr Prediger machte ein verlegenes Gesicht , trotzdem Doktor Gieshübler immer nur darüber lachte . Nun aber wissen wir , daß es die Gardinen sind . Der Saal ist etwas multrig und stockig , und deshalb stehen immer die Fenster auf , wenn nicht gerade Sturm ist , Und da ist denn fast immer ein starker Zug oben und fegt die alten , weißen Gardinen , die außerdem viel zu lang sind , über die Dielen hin und her . Das klingt dann so wie seidne Kleider oder auch wie Atlasschuhe , wie die gnäd ' ge Frau eben bemerkten . « » Natürlich ist es das . Aber ich begreife nur nicht , warum dann die Gardinen nicht abgenommen werden . Oder man könnte sie ja kürzer machen . Es ist ein so sonderbares Geräusch , das einem auf die Nerven fällt . Und nun , Johanna , bitte , geben Sie mir noch das kleine Tuch und tupfen Sie mir die Stirn . Oder nehmen Sie lieber den Refraichisseur aus meiner Reisetasche ... Ach , das ist schön und erfrischt mich . Nun werde ich hinübergehen . Er ist doch noch da , oder war er schon aus ? « » Der gnäd ' ge Herr war schon aus , ich glaube drüben auf dem Amt . Aber seit einer Viertelstunde ist er zurück . Ich werde Friedrich sagen , daß er das Frühstück bringt . « Und damit verließ Johanna das Zimmer , während Effi noch einen Blick in den Spiegel tat und dann über den Flur fort , der bei der Tagesbeleuchtung viel von seinem Zauber vom Abend vorher eingebüßt hatte , bei Geert eintrat . Dieser saß an seinem Schreibtisch , einem etwas schwerfälligen Zylinderbureau , das er aber , als Erbstück aus dem elterlichen Hause , nicht missen mochte . Effi stand hinter ihm und umarmte und küßte ihn , noch eh er sich von seinem Platz erheben konnte . » Schon ? « » Schon , sagst du . Natürlich um mich zu verspotten . « Innstetten schüttelte den Kopf . » Wie werd ich das ? « Effi fand aber ein Gefallen daran , sich anzuklagen , und wollte von den Versicherungen ihres Mannes , daß sein » schon « ganz aufrichtig gemeint gewesen sei , nichts hören . » Du mußt noch von der Reise her wissen , daß ich morgens nie habe warten lassen . Im Laufe des Tages , nun ja , da ist es etwas anderes . Es ist wahr , ich bin nicht sehr pünktlich , aber ich bin keine Langschläferin . Darin , denk ich , haben mich die Eltern gut erzogen . « » Darin ? In allem , meine süße Effi . « » Das sagst du so , weil wir noch in den Flitterwochen sind ... aber nein , wir sind ja schon heraus . Um ' s Himmels willen , Geert , daran habe ich noch gar nicht gedacht , wir sind ja schon über sechs Wochen verheiratet , sechs Wochen und einen Tag . Ja , das ist etwas anderes ; da nehme ich es nicht mehr als Schmeichelei , da nehme ich es als Wahrheit . « In diesem Augenblicke trat Friedrich ein und brachte den Kaffee . Der Frühstückstisch stand in Schräglinie vor einem kleinen rechtwinkligen Sofa , das gerade die eine Ecke des Wohnzimmers ausfüllte . Hier setzten sich beide . » Der Kaffee ist ja vorzüglich « , sagte Effi , während sie zugleich das Zimmer und seine Einrichtung musterte . » Das ist noch Hotelkaffee oder wie bei der Bottegone ... erinnerst du dich noch , in Florenz , mit dem Blick auf den Dom . Davon muß ich der Mama schreiben , solchen Kaffee haben wir in Hohen-Cremmen nicht . Überhaupt , Geert , ich sehe nun erst , wie vornehm ich mich verheiratet habe . Bei uns konnte alles nur so gerade passieren . « » Torheit , Effi , ich habe nie eine bessere Hausführung gesehen als bei euch . « » Und dann , wie du wohnst . Als Papa sich den neuen Gewehrschrank angeschafft und über seinem Schreibtisch einen Büffelkopf und dicht darunter den alten Wrangel angebracht hatte ( er war nämlich mal Adjutant bei dem Alten ) , da dacht er , wunder was er getan : aber wenn ich mich hier umsehe , daneben ist unsere ganze Hohen-Cremmener Herrlichkeit ja bloß dürftig und alltäglich . Ich weiß gar nicht , womit ich das alles vergleichen soll ; schon gestern abend , als ich nur so flüchtig darüber hinsah , kamen mir allerhand Gedanken . « » Und welche , wenn ich fragen darf ? « » Ja , welche . Du darfst aber nicht drüber lachen . Ich habe mal ein Bilderbuch gehabt , wo ein persischer oder indischer Fürst ( denn er trug einen Turban ) mit untergeschlagenen Beinen auf einem roten Seidenkissen saß , und in seinem Rücken war außerdem noch eine große rote Seidenrolle , die links und rechts ganz bauschig zum Vorschein kam , und die Wand hinter dem indischen Fürsten starrte von Schwertern und Dolchen und Parderfellen und Schilden und langen türkischen Flinten . Und sieh , ganz so sieht es hier bei dir aus , und wenn du noch die Beine unterschlägst , ist die