wir haben für so einen , der von so weit herkommt , eigentlich gar nichts Ordentliches im Hause . « » Na ja , so muß es uns immer zur unrechten Zeit über den Hals kommen « , hatte dann wahrscheinlich Stopfkuchens guter , zweitbester Küchengenius gerufen und - sicherlich hinzugesetzt : » Na , ganz so schlimm ist es wohl noch nicht mit ihm , dem fremden Herrn , und uns hier auf der Roten Schanze . Die Hühner und den Taubenschlag haben wir ja immer gottlob noch bei der Hand . « Ich wußte es auch noch von meiner seligen Mutter her , was die Antwort und der Trost war . » Für eine gute Bouillon wollen wir jedenfalls sorgen , Stine . Die lassen sich auch die Verwöhntesten gefallen . « Frau Tinchen Schaumann hat an dem Tage aber noch aus ihrer eigenen Speisekammer und , was noch besser , aus ihrer eigenen guten Seele » mit einem Stein vom Herzen « hinzugesetzt : » Und dann haben wir ja auch , Gott sei Dank , den Schinken in Burgunder liegen . Also denn , Stine , rasch in den Hühnerhof und auf den Taubenschlag ! Der fremde Herr bleibt bis zum Abend , und es ist ein alter Freund von meinem Mann , und es ist auch mir eine große Freude , daß er nach so langen Jahren und von so weit her hier noch einmal auf der Schanze zu Besuch ist ! « Es möchten vielleicht manche auf dem Schiffe gern wissen , womit sich eigentlich der Herr aus der Burenrepublik so eifrig literarisch beschäftige , was er schreibe , worüber er jetzt knurre , jetzt seufze und jetzt lache . Es ist aber keiner unter der ganzen Reisegesellschaft , dem ich es vollständig klarmachen könnte , wie sich ein vernünftiger Mensch auf einer solchen Fahrt so mit einem längst gegessenen und verdaueten Schinken , und wenn auch in Burgunder , so eingehend noch einmal beschäftigen könne . Wir haben Deutsche , Niederländer , Engländer , Norweger , Dänen und Schweden , die ganze germanische Vetternschaft , an Bord des » Leonhard Hagebucher « ; aber sie würden mich alle mehr für einen Narren als einen mit ein wenig Weltverschönerungssinn begabten Teutonen nehmen , wenn ich heute abend im Rauchsalon ihnen einige Seiten aus meinem diesmaligen Logbuch und Reisemanuskript , aus der Kriminalgeschichte » Stopfkuchen « vorlesen würde . Ich lasse das wohl bleiben ; aber ich bleibe auch bei meinem Manuskript , wenn das Wetter und der Wogengang es erlauben . Ich bin eben oft genug im Leben zu Schiffe gewesen , um zu wissen , was das Behaglichere ist auf einer längern Fahrt . Es ist eine große Täuschung , zu meinen , daß auf den großen Wassern alle Augenblicke etwas Merkwürdiges vorkomme und daß eine germanische Reiseverwandtschaft immer ungemein humoristisch , gemütvoll , feinfühlig und interessant sei ... Nämlich den frischen Schinken in Burgunder und die gute Hühnersuppe fanden wir auf dem Mittagstisch ; aber so weit sind wir ja wohl noch nicht . Wir sitzen noch hinter Stopfkuchens zweitem Frühstück unter den alten Linden vor der Quakatzenburg auf der Roten Schanze , Freund Heinrich Schaumann und ich , und der Eßtisch drinnen im Hause wird eben erst in die Mitte der Stube gezogen , um von Frau Tinchen und einer zweiten Magd derselben für das Haupttreffen , die Hauptbefriedigung des täglichen Nahrungsbedürfnisses , » gedeckt « zu werden . » Endlich doch einmal ein Mensch , der ein vorgesetztes Ziel erreicht hat , ohne daß es ihn nach dem Anlangen enttäuscht hat ! « sagte und seufzte ich , in die nochmals dargereichte Zigarrenkiste greifend . » Ein bißchen viel Übergewicht « , brummte Stopfkuchen . » An heißen Tagen etwas beschwerlich , lieber Eduard . Vorzüglich bei den doch immer notwendigen Geschäftsgängen . « » Ja , hast du denn wirklich noch solche notwendige Gänge zu machen , lieber Heinrich ? Hast du wahrhaftig noch nicht mit allem , was für unsereinen so draußen herumliegt und besorgt werden muß , abgeschlossen ? Liegt nicht alles das draußen vor deinen wundervollen Wällen des Prinzen Xaver von Sachsen ? « » Was wohl soviel heißen soll als : bist du nur dazu da , auf der Roten Schanze nach dem Lebensunbehagen des Vaters Quakatz die Behaglichkeit des Daseins in deiner feisten Person zur Darstellung zu bringen ? Jetzt leihe mir mal gütigst deinen Arm , Eduard . Eine Weile dauert es wohl , ehe wir zu Tisch gerufen werden ; also kann ich dir , wenn es dir gefällig ist , vorher noch Festung , Haus und Hof - my house and my castle - , wie das alles unter meiner und Tinchens Herrschaft geworden ist , etwas genauer zeigen . Uf - langsam ! Nur nicht zu hastig . Weshalb sollen wir uns nicht Zeit nehmen ? Was könnte ich Hinhocker einem Weltwanderer gleich dir Merkwürdiges zu weisen haben , was solche ein rasendes Drauflosstürzen erforderte ? Nur mit aller Bequemlichkeit , Freund ! Wandeln wir langsam , langsam , und zwar zuerst noch einmal um den Wall des Herrn Grafen von der Lausitz , segensreichen , wenn auch nicht gloriosen Angedenkens . « » Segensreichen Angedenkens ? Das sagte die Stadt da unten , sowie die Umgegend , im Jahre Christi siebenzehnhunderteinundsechzig grade nicht . « » Aber ich sage es heute . Was geht mich die hiesige Gegend und Umgegend an ? Die schöne Aussicht darauf von Quakatzenburg aus natürlich abgerechnet . « Ich war jetzt so gespannt auf das , was er mir zu zeigen hatte , daß ich wirklich mit einiger Mühe meinen Schritt aus den Goldfeldern von Kaffraria nach seinem Schritt von der Roten Schanze mäßigte . Und zum erstenmal nun in meinem Leben umging ich auf dem Walle selbst das Schanzenviereck des Prinzen Xaver ; als Junge und als junger Mensch hatte ich es mir ja nur von jenseits des Grabens , vom Felde ,