, hatte mit gefalteten Händen dagesessen und allerlei vor sich hin gemurmelt , wie um ihre Andacht zu bezeugen . Aber auch auf Lehnert waren die Worte nicht ohne Einfluß geblieben , denn er war klug genug , nicht bloß das herauszuhören , was sich gegen Opitz richtete . Nein , er hörte ganz allgemein den Geist christlicher Liebe heraus und sagte sich , daß er dieser Liebe geradesogut entbehre wie Opitz und daß er sein Recht geradeso heftig und eigensinnig vertrete wie Opitz das seine . Und sein Recht war doch nur sein Recht , Opitz ' Recht aber war das anerkannte , das gültige , das uralt bestätigte . Siebenhaar , der wohl sehen mochte , was in ihm vorging , hütete sich , durch eine Zwischenbemerkung zu stören . Und so verging eine geraume Weile . Dann erst nahm Lehnert seinerseits das Wort wieder und sagte : » Und was sagte da Opitz , Herr Pastor ? Ich weiß von Christine ... « » Daß er einen hochfahrenden Sinn hat und sich in dem , was seines Amtes ist , nicht gern dreinreden läßt . Ja , so heißt es von ihm und wird auch wohl seine Richtigkeit damit haben . Aber es kommt doch auch darauf an , wer mit ihm spricht , und vor allem , wie man mit ihm spricht , und ich hab ihn gestern als einen christlichen Mann befunden , das heißt als einen Mann , der vergeben kann , weil er fühlt , daß er selber der Vergebung bedürftig ist . So wenigstens schien es mir , als ich ihm nach den Augen sah , und war mir fast , als ob ich eine Träne darin gesehen hätte . « Lehnert lachte . » Wohl , wohl . Wenn er unter Wein ist , ist ihm immer das Weinen nah . Das kenn ich . Aber es hält nicht lange vor , und von gestern auf heute wird er sich wieder anders besonnen haben . « » Kann sein , Lehnert , aber es ist nicht wahrscheinlich . Und unter allen Umständen mußt du vorläufig an seine Versöhnlichkeit glauben und dein Betragen danach einrichten . Du hast es mir versprochen , neulich schon , und ich könnte dich beim Worte nehmen . Aber ich will es nicht . Ich will es nach allem , was er mir gestern gesagt hat , aufs neue von dir hören und , wenn es sein kann , aus einem freudigeren Herzen und einem festeren Entschluß . « » Ich geh ihm aus dem Wege . « » Das ist nicht genug , Lehnert . Das vertagt den Streit bloß , aber schafft ihn nicht aus der Welt , und der nächste Wind , der euch wieder zusammenweht , bläst auch die Flamme wieder an . Damit schließt man keinen Frieden , daß man sich aus dem Wege geht , das ist äußerlich und auf die Dauer einfach unausführbar . Hier muß es anfangen und hier . Herz und Einsicht müssen dazu zwingen . Und ist erst der gute Wille gewonnen , dann ist alles gewonnen . Den seinen hab ich ... « » Und den meinen auch « , sagte Lehnert in plötzlicher , beinah freudiger Erregtheit . Und dabei nahm er des Alten Hand , um sie dankbar zu küssen . » Ich will tun , was ich kann . Ich will die Kappe vor ihm ziehen , immer zuerst , und will kein Schmokfeuer mehr machen , wenn drüben das Leinzeug an der Leine hängt , und will das Wehr so stellen , daß das Wasser bei mir übertritt und nicht bei ihm , und wenn mir ' s auch einen halben Morgen Kartoffelland kostet . Und wenn seine Diana mir nach den Beinen fährt , so will ich den Stock bloß leise nach hinten halten , wie die Bettler und Strolche tun , und will nicht mehr nach der Bestie schlagen . Und was die Hauptsach is , ich will den Mund halten und nicht mehr mit den andern auf ihn schelten und schimpfen und will aufhören , ihn einen Neidhammel zu nennen und die Geschichte von dem Kreuz immer und immer wieder aufzutischen . Was vielleicht ohnehin das klügste ist , denn man soll nicht immer von seinen Heldentaten sprechen , worüber die Leute doch bloß lachen ... « » Also abgemacht , Lehnert . Und nun , Frau Menz , wenn Sie ein Glas Milch für mich haben , dann bringen Sie ' s mir , das soll mir besser tun als der Hochzeitskuchen mit seinen vielen Rosinen . Wenn man bei Jahren ist , soll man überhaupt keine Rosinen mehr essen . Das hat mir noch der alte Doktor Mattersdorf beigebracht , und der wußte es ... So , die hat mir geschmeckt , eine wundervolle Milch . Und nun machen Sie , daß die Kartoffeln ans Feuer kommen . Ich habe gesehen , daß es frische sind und noch dazu blaue ! Hab auch welche . Sie scheffeln in diesem Jahr . Und nun Gott befohlen ! « Und so sprechend überschritt er die Schwelle . Lehnert und seine Mutter begleiteten ihn bis an den Steg , und die Alte knickste und dienerte noch , als er längst schon drüben war . Achtes Kapitel Lehnert , als Siebenhaar drüben war , kehrte - die Kartoffeln wurden eben erst beigesetzt , und der Speck war noch nicht in der Pfanne - zu seiner Arbeit zurück , eigentlich nur deshalb , weil er sich dem unverständigen Gerede der Alten nach Möglichkeit entziehen wollte . Dies gelang ihm aber nur auf eine kleine Weile , denn als bald danach das Essen auf dem Tische stand , brach der zurückgestaute Redestrom der Alten mit verdoppelter Macht über ihn herein , und die Versicherungen nahmen kein Ende , daß sich nun alles zum Guten wenden müsse : Lehnert werde seinen Eigensinn abtun und Opitz fünf gerade sein lassen und auf den Ohren sitzen