ziehen zu sehen , sondern weil ich seither über den Krieg im allgemeinen zu Ansichten gelangt war , in welchen ich unmöglich mit einem Krieger hätte übereinstimmen können . Oberstlieutenant von Tilling machte von meiner Aufforderung , sich neben mich zu setzen , keinen Gebrauch . » Ich will Sie nicht lange belästigen , Gräfin . Was ich Ihnen mitzuteilen habe , paßt nicht in ein Ballfest . Ich wollte mir nur die Erlaubnis erbitten , mich in Ihrem Hause einzufinden ; können Sie mir gnädigst einen Tag und eine Stunde bestimmen , wann ich Sie sprechen darf ? « » Ich empfange an Samstagen zwischen zwei und vier . « » Dann gleicht an Samstagen zwischen zwei und vier Ihr Haus vermutlich einem Bienenstock , wo die Honigträger aus- und einfliegen - « » Und ich als Königin in der Zelle sitze , meinen Sie - das ist ein recht hübsches Kompliment . « » Komplimente mache ich nie - ebensowenig als Honig , und so behagt mir die samstägliche Schwarmstunde durchaus nicht ; ich muß Sie allein sprechen . « » Sie reizen meine Neugier . Sagen wir also morgen Dienstag , um die gleiche Stunde ; ich werde für Sie und sonst niemand zu Hause sein . « Er dankte mit einer Verbeugung und ging . Eine Weile später kam mein Vetter Althaus vorbei . Ich rief ihn zu mir , ließ ihn an meiner Seite Platz nehmen und verlangte Auskunft über Baron Tilling . » Gefällt er Dir ? Hat er dir solch ' tiefen Eindruck gemacht , daß Du Dich gar so angelegentlich erkundigst ? Er ist zu haben - das heißt er ist noch ledig . Darum soll er aber doch nicht frei sein ... Man munkelt , daß eine sehr hohe Dame ( Althaus nannte eine Prinzessin aus regierendem Hause ) ihn durch zarte Bande an sich fesselt - deshalb heirate er nicht . Sein Regiment ist erst seit kurzer Zeit hierher versetzt worden , daher hat man ihm noch nicht viel in der Gesellschaft begegnet - auch ist er , glaube ich , ein Feind von Bällen und dergleichen . Ich habe ihn im adeligen Kasino kennen gelernt , wo er täglich ein paar Stunden verbringt , aber gewöhnlich im Lesezimmer in die Zeitungen , oder mit unseren besten Schachspielern in eine Partie vertieft . Ich war erstaunt , ihn hier zu treffen - da jedoch die Hausfrau seine Kousine ist , so erklärt sich seine kurze Erscheinung auf dem Ball - er ist auch schon wieder weg . Nachdem er sich von Dir empfohlen , sah ich ihn fortgehen . « » Hast Du ihn noch mehreren anderen Damen vorgestellt ? « » Nein , nur Dir . Aber darum mußt Du Dir nicht einbilden , daß Du es ihm von weitem angethan , und er deshalb verlangte , Dich kennen zu lernen : - » Können Sie mir nicht sagen , fragte er mich , ob eine gewisse Gräfin Dotzky , geborene Althaus - vermutlich mit Ihnen verwandt - hier anwesend ist ? Ich muß mit derselben sprechen . « - » Ja , antwortete ich , auf Dich zeigend , - dort in jener Ecke auf dem Sofa - im blauen Kleide . « - » Ah , die ? Seien Sie so gut , stellen Sie mich vor . « - Was ich denn bereitwilligst that , ohne zu ahnen , daß ich Dich dadurch um Deine Ruhe bringen würde . « » So sprich doch keinen Unsinn , Konrad - meine Ruhe ist nicht so leicht zu untergraben . Tilling ? was ist das für eine Familie ? - ich höre den Namen zum erstenmale . « » Aha , Du gibst nicht nach ... Ist das ein Glücksmensch ! Ich habe mich durch volle drei Monate , mit Aufwand aller meiner Bezauberungskräfte , in Deine Gunst einzuschleichen versucht - vergebens . Und dieser kalte Oberstlieutenant - denn er ist kalt und fühllos , laß Dir das gesagt sein - kam , sah und siegte . - Was Tilling für eine Familie sei , fragtest Du ? Ich glaube preußischen Ursprungs - doch war schon sein Vater in österreichische Dienste getreten - seine Mutter ist auch Preußin - Du mußt seinen norddeutschen Accent bemerkt haben . « » Ja , er spricht ein wunderschönes Deutsch . « » Natürlich - alles ist wunderschön an ihm . « Althaus stand auf . » Jetzt habe ich gerade genug . Erlaube , daß ich Dich Deinen Träumen überlasse ; ich will versuchen , mich mit Damen zu unterhalten , welche « » Dich wunderschön finden . Solche gibt es wohl genug . « Ich verließ den Ball zu früher Stunde . Meine Schwestern konnten unter dem Schutze Tante Maries noch bleiben und mich hielt nichts zurück . Die Lust am Tanzen war mir vergangen , ich fühlte mich ermüdet und sehnte mich nach Einsamkeit . Warum ? ... Doch nicht , um ungestört an Tilling denken zu können ? .. Es scheint doch so - da ich noch um Mitternacht die roten Hefte mit Eintragung der oben angeführten Gespräche bereicherte und Betrachtungen daran knüpfte , wie folgt : » Ein interessanter Mensch , dieser Tilling ... Die hohe Frau , die ihn liebt , denkt jetzt wahrscheinlich an ihn ... oder vielleicht kniet er in diesem Augenblick zu ihren Füßen und sie ist nicht so allein - allein - wie ich . Ach , jemand so recht innig lieben zu können ... es müßte nicht eben Tilling sein - ich kenne ihn ja nicht ... Nicht um Tilling beneide ich die Prinzessin , aber um ihr Verliebtsein . Und je leidenschaftlicher , je wärmer sie ihm zugethan ist , desto mehr beneide ich sie . « Mein erster Gedanke beim Erwachen war wieder - Tilling . Ja richtig : er hatte sich für diesen Tag behufs wichtiger Mitteilungen bei mir angesagt . So gespannt , wie auf diesen Besuch