Sie mit einer Betonung , als wäre er für Fanny der Gegenstand höchster Güte , « bemerkte Adrienne ; » man sieht es nicht im freundlichen Verkehr zwischen beiden . Aber dennoch frage ich mich , weshalb heiraten sie einander nicht , und ist es möglich , daß Fanny , so in ihren besten Jahren , niemals den Wunsch haben sollte ... ich meine ... ich wollte sagen ... warum sie wohl Witwe bleibt ? « » Da fragen Sie mich zu viel . Seit ich ein Junge von zwölf Jahren bin , war ich von der Schule , dann von der Universität immer nur zum Besuch hier . Herrn Försters erinnere ich mich kaum , doch Sie wissen , man gewinnt mit der Zeit so was wie ein retrospektives Verständnis , und so verstehe ich auch jetzt , daß mit den Jahren die Lebensbilder , die ich hier im Ausschnitt sah , immer heiterer und friedlicher wurden . Lanzenau war schon immer eine stehende Figur darin , auch zu Försters Zeiten . Damals gehörte ihm Driesa . « » Ah , « sagte Adrienne mit dem Ausdruck unaussprechlichen Verlangens in Stimme und Antlitz , » wenn ich Fanny wäre , lebte ich anders . « » Wie denn ? « fragte Magnus , der von diesem Ausdruck gepackt wurde . » Ich weiß nicht , wie , « flüsterte sie , » nur müßte jeder Tag eine neue Wonne , ein anderer Genuß sein . « Magnus schwieg mit einigem Herzklopfen . Das also , das stand hinter der weißen Stirn ! Die schönen Lippen waren nur so schweigsam , weil der Durst sie zusammenpreßte ! Es fiel Adrienne nicht auf , daß er ganz verstummte . Sie hatte so viel zu denken , daß sie seiner Unterhaltung nicht bedurfte . So kamen sie vor der Terrasse an . Dort räumte gerade ein Diener den Kartentisch ab , aus dem Gartensaal brach ein Lichtstrom , man sah mitten in demselben Fanny und Lanzenau stehen , Lanzenau schien aus einem Zeitungsblatt eine Notiz zu lesen . Magnus ' Eltern waren nicht mehr da . » Ich habe mich schon vorhin von Fanny verabschiedet und gehe nicht mehr hinein . Gute Nacht ! « » Gute Nacht ! « sagte Adrienne und legte ihre kalte Hand in seine warme . Sie standen am Fuße der wenigen Stufen , die zur Terrasse emporführten ; im Schein des Lichts , das vom Hause kam , sah Adrienne die braunen Augen Magnus ' mit jenem zudringlichen feurigen Blick auf sich gerichtet , den Männer schnell für eine schöne Frau haben , die ein Bedürfnis oder den Wunsch nach » Trost « gezeigt hat , - dem Blick , den Wegelagerer auf eine scheinbar wenig verteidigte Beute richten . Adrienne erzitterte - so hatte sie noch kein Mensch angesehen , und ihr blieb auch alles Unbescheidene in dem Blick verborgen , sie bemerkte nur das Feuer , und das genügte , sie fliehen zu lassen . Mit eilenden Füßen lief sie über Treppe und Terrasse in den Gartensaal . » Gute Nacht , Fanny ! « sagte sie und wollte ihr im Vorübergehen die Hand reichen . Fanny hielt sie fest , zog eine Depesche aus der Tasche , gab sie Adrienne und machte : » Pst ! Lesen , aber nichts sagen . « Adrienne las , was da der Blaustift des Bahnhofinspektors auf das Depeschenformular hingeschrieben : » Ich komme an dem gewünschten Tag . Joachim von Herebrecht . « » Ein Geheimnis vor mir ? « fragte Lanzenau , scherzhaft drohend . » Ja , « sagte Fanny , » das Geheimnis einer Verschwörung . Aber nun geh schlafen , armes Kind , Du siehst ganz bleich und übernächtig aus . Ich bin auch müde , aber ich habe noch einiges mit Lanzenau zu besprechen , wozu der Tag uns keine Muße gab . « Adrienne murmelte etwas davon , daß sie in der That sehr abgespannt sei , und war froh , sich von beiden verabschieden zu können . » Kommen Sie , « sprach Fanny ; » was wir uns zu sagen haben , können wir uns draußen sagen . Die Nacht ist so wohlig kühl . « Sie ging auf die Terrasse hinaus und setzte sich in einen leichten Schaukelstuhl ; sie stemmte die Arme auf seine Seitenlehnen und die gekreuzten Füße auf einen Schemel . Den Kopf weit zurücklegend gegen die Holzeinfassung der rohrgeflochtenen Lehne , schaute sie zu dem neben ihr stehenden Lanzenau empor und fragte : » Nun ? « Lanzenau , der die Rechte sehr nahe an Fannys Kopf auf die Stuhllehne gelegt hatte , strich mit der Linken seine Haarlocke gesichtwärts glatt . Fanny wußte ganz genau , daß das bei ihm nervöse Aufregung bedeutete . » Wollen Sie nicht rauchen ? « fragte sie . » Also ich werde eines Beruhigungsmittels bedürfen ? « fragte er mit einem schwachen Lächeln entgegen . » Nein , Fanny , ich will keines , sondern ich will meinem Henker - wenn er wirklich als solcher vor mir sitzt - fest in die Augen sehen ; in diese grausamen , schönen Augen , die immer klar bleiben wie ein Himmel , über den nie ein Gewitter zieht . « Er schob das Windlicht auf dem Tisch neben Fannys Stuhl etwas weiter fort , nahm sich einen Sessel und setzte sich Fanny so nahe gegenüber , als es ihre jeweiligen schaukelnden Bewegungen nur irgend erlaubten . Mit vorgebeugtem Oberkörper faltete er seine Hände zwischen seinen Knieen , sah Fanny eindringlich an und sagte : » Dreimal , liebe Fanny , haben Sie seit dem Tode Ihres Gatten meine Werbung um Ihre Hand abschlägig beschieden , aber jedesmal hat die Art der Abweisung , hat Ihre liebevolle Güte nachher neue Hoffnung in mir genährt . Die Jahre sind darüber hingegangen , ich habe keine mehr zu verlieren in dem Kampf um Glück ; jetzt muß es mein werden oder