, sprach er weiter : » Ich bin leider kein Mensch aus ganz hartem , deutschem Eichenholz . Meine Eltern mögen ' s verantworten , wie ich gewachsen bin und welche Säfte meine Art bestimmten . Aber wie ich bin , bin ich kein Mann der Gewaltsamkeiten . Man muß mir Zeit lassen - auch zur Tugend , wie Du sie verstehst . Ich habe schon schwer genug an meiner Eigenart zu leiden gehabt . Denke nur an den Jammer meiner Karriere und meiner späteren freien Existenz ! - Bei dem Abstreifen des Militärrocks ist auch ein gutes Stück Haut mitgegangen . Aber ich habe doch gezeigt , daß ich auch ohne die bunte Jacke leben kann . O , ich habe den Stoß gespürt und mir nie einreden lassen , daß meine angebliche Invalidität meine Entfernung aus dem Dienst allein bewirkt habe ! Und wie sie mich dann gnädigst berücksichtigen und in einem Ämtchen unterducken wollten - die menschenfreundlichen Feinde , die gütigen Zivilversorger ! Weißt Du das noch alles ? Du solltest mich endlich durch und durch kennen . Und weil ich mich kenne , sage ich Dir : Brigitta , sei ohne Sorge , gräme Dich nicht um meinetwillen , ich will alles allein durchfechten . Wie habe ich schon gerungen , um Ordnung und ruhigen Gang in mein Leben zu bringen ! Mehr als Du glaubst . Aber ich habe vielleicht kein Talent zum Glücklichwerden ... Wozu habe ich überhaupt noch Talent ? ! « » Morgen ist Ihr vierzigster Geburtstag . « » Da wirst Du mir gratulieren und mir einen Strauß von schüchternen Märzenveilchen überreichen , vielleicht auch etwas vom Schwabenalter deklamieren - und ich werde Dich herzlich auslachen . Das heißt - im Ernst , ist morgen schon mein Vierzigster ? Diesmal habe ich wirklich nicht daran gedacht . Ja , ja , um die Sturmzeit der Frühlings-Tag- und Nachtgleiche war ' s - o , die selige Mutter hat mir ' s oft erzählt , wie entsetzlich weh ich ihr mit meinem Einzug in die Welt gethan - Mutterglück ! wie teuer muß es erkauft werden - Brigitta , danke Gott , daß Du ein altes Jüngferchen geblieben ! Also morgen mein Vierzigster . Hm . - Eigentlich ist mir das überraschend . « » Und am Einundvierzigsten werde ich nicht mehr bei Ihnen sein . « » Das wollen wir in Gottes Namen abwarten . « » Sie sollten meinem alten Herzen die Erfüllung einer heiligen Pflicht nicht so schwer machen . Ich will Ihnen keine Strafpredigt halten und nichts Vergangenes mehr vorrücken . Nur möchte ich ... « Die Alte hielt inne . Drillinger war an den Spiegel getreten . Ängstlich musterte er seine braunen Haare . » Kein Zweifel , die weißen Fäden fangen bedenklich zu wuchern an . « Plötzlich einen etwas erzwungen humoristischen Ton anschlagend : » Übrigens hat meine Zukünftige , die Du für mich jedenfalls schon in petto hast , nicht zu befürchten , daß sie bald eine widerwärtige Junggesellenglatze mit zärtlichen ehefräulichen Händen streicheln müsse . Das Wachstum ist noch gut . Und wenn ich mich jetzt wirklich an der Schwelle des Schwabenalters entschlösse , noch die Pomade der Tugend aufzustreichen und etwas Glorienschein der Enthaltsamkeit drunter zu mischen , so würde das einen ganz superben Kopf geben , nicht wahr ? Bist Du aber auch ganz sicher , Brigitta meines jungen und meines alten Herzens , daß morgen mein Vierzigster ist ? « » Ach , wie Sie heute so leichtsinnig scherzen mögen ! « » Strafpredigten sind gegen die Verabredung , gib Acht ! « Und er reichte ihr die Hand mit herzlichem Drucke . » Bin neugierig , was uns morgen Deine Isar zu meinem Vierzigsten vorrauscht . Wird sie keifen , wird sie schelten ? « Das Dienstmädchen öffnete leise die Thür , steckte ihr breites , häßliches Kartoffelgesicht durch die Spalte und reichte einen Pack Zeitungen und Briefe herein . » Die Post für den gnädigen Herrn . « Die Thür schloß sich wieder . Aber noch eine Weile blieb das breite Kartoffelgesicht lauschend und spähend am Schlüsselloch . Drillinger musterte die einzelnen Briefe . Es war richtig schon wieder einer darunter , der sich durch sein Parfum als von » jener Frau « herrührend verriet . Er glitt unbemerkt in die Rocktasche . Da ein anderer , der besondere Aufmerksamkeit erregte - mit einem Totenkopf auf dem schwarzen Siegel . » Von meinem guten Schmerzenreich Dr. Edgar Trostberg ; weißt Du , dem Pessimisten . Was der nur wieder für Anliegen und Kümmernisse haben mag . Will er mich anpumpen ? Da kommt er jetzt an den Unrechten . « Nachdem er flüchtig gelesen : » Zu einem philosophischen Bummel lädt er mich auf morgen Abend ein . Köstlich ! Ich soll ihm aus allen Frühlingsblumen wieder Gift saugen helfen . An meinem Geburtstage ! Das trifft sich gut . Nun soll er mich diesem bösen Vormittag zum Trotz einmal in der ganzen Pracht und Macht meines Optimismus kennen lernen . « » Nichts aus Amerika ? Nichts aus Italien ? « » Nein . Nichts . « » Dieser Doktor Trostberg ist auch kein richtiger Umgang für Sie . So ein unzufriedener , unpraktischer Raisonneur ... Da ist kein sittlicher Ernst dahinter ... « » O , ich bin ihm viel Anregung schuldig zu mancherlei philosophischen und sozialen Studien . « » Und was ist dabei herausgekommen ? « Drillinger schüttelte den Kopf . » Erlaube , das verstehst Du nicht . Und nun , beste Brigitta , feierlicher Friedensschluß zur morgigen Lebenswende ! Auf welchen Forderungen beharrst Du ? « » Daß Sie sich endlich ein braves Weib - und für den Hausstand wieder eine geregelte Beschäftigung suchen . Das Leben wird besser für Sie , wenn Sie einen neuen Pflichten- und Erwerbskreis haben . Nur als Offizier gelten Sie für invalid , nicht als Mensch . Und der Mensch ist das Höhere . Nicht der