anhörn mag , das kannst schon auf offener Straßen vorbringen , wenn auch Leut untern Türen stehen oder ausn Fenstern schauen . « » Eben der Leut wegen is mir um dich . « » Um mich ? Was brauch ich die Leut z ' scheuen , wo ich ihnen untern Augen herumgeh ? Aber du fürchtst wohl , daß deinm Vater zu Ohren kommt , du wärst da herunten mit einer von uns gsehn wordn ? « » Oh , hoho ! « lachte der Bursche . » Da kennst du mein Vadern schlecht ; der schreit wohl bei jedem Anlaß rechtschaffen herum , aber schließlich , wie groß er is , steck ich ' n doch in Sack . « » Da gib nur Obacht , daß d ' dir nit doch einmal die Taschen dabei zerreißt . « » Kein Sorg ! Bei meinm Vadern richt ich alls , was ich will . « » Alles ? « » Alles ! « » Na , ' s wird wohl auch bei allm Bisherigen um nix Bsonders ghandelt habn . « Toni begann mit großem Eifer von seinen unbsinnten Stückeln zu erzählen , aber er verstummte , als sie an den ersten Hütten des Dorfes vorbeischritten . » Da hast ' s « , flüsterte er , » da stehen schon welche und gaffen . « » Laß s ' doch , wenn s ' Zeit und Lust dazu habn « , sagte die Dirne und begann sofort mit lauter Stimme von dem Wetter , den Ernteaussichten , ihrem Haushalt und ihrer Wirtschaft zu reden , bis zur Brücke , wo sie dem Burschen » gute Mahlzeit « bot . » Nur eins noch « , sagte der . » Was ? « » Willst mir wirklich kein Glegenheit gebn , daß ich mich einmal mit dir ausreden könnt ? « » Nein , wirklich nit . « » Warum ? « » Warum , willst wissen ? Weil mir der Spatz , den ich da herunten samt sein Nest in Händen hab , lieber is wie du stolzer Tauber da drobn afm Dach vom Sternsteinhof . « Der Bursche stieß ein paar kurze , höhnende Lachlaute aus , dann sah er der Wegschreitenden eine gute Weile nach , plötzlich ward er es müde , stemmte die Ellbogen auf dem Brückengeländer auf , schob alle zehn Finger unter den Hut , dessen Krempe ihm dabei tief in die Stirne fiel , und kraute sich in den Haaren . So sah ihn Helene noch lange dort stehen , als sie mit der alten Kleebinderin an der Vorgärteltüre plauderte . Auf dem Sternsteinhofe wurden Knechte und Mägde zum fleißigen Kirchenbesuche angehalten , aber der Bauer und sein Sohn nahmen es damit nicht so genau ; war es ihnen vormittags nicht gelegen , Gott die Ehre zu geben , so ließen sie sich , wenn nichts dazwischenkam , nachmittags beim Segen sehen ; öfter fuhren sie auch nach dem nahen Marktflecken , wo sie mit Bauern , die ebenfalls reich , also mehr ihresgleichen waren , verkehren konnten , und da schickte es sich häufig , daß sie erst inmitten oder zu Ende des Gottesdienstes hintrafen und ihnen just Zeit blieb , ein paar andächtige Vaterunser zu beten , ehe es zu dem Wirtshaustisch ging . Aber seit seiner Begegnung mit Helene im Busch versäumte Toni keine Frühmesse , blieb die Predigt über und besuchte nachmittags den Segen . Er ließ den Bauer allein auf dem Hofe sitzen , auch allein nach dem Marktflecken fahren und sprach sich dem Alten gegenüber sehr verständig dahin aus , daß derselbe als Herr in allem seinen freien Willen haben müsse , wie gut es aber auch sei , wenn einer an seiner Statt , den Dienstleuten zum erbaulichen Beispiele , sich gehörigerweis in der Dorfkirche sehen lasse . Zweimal noch unter der Zeit war er Helenen über den Weg gelaufen . Er sah sie unten der Straße entlangkommen und eilte nach der Brücke , um sie zu überholen , aber sie war stets flinker gewesen , und ihm blieb nichts über , als ihr in einiger Entfernung zu folgen , und da kehrte sie sich das eine wie das andere Mal an der Hütte der alten Matzner-Resl gegen ihn , sah ihn mit großen Augen befremdet , ihm kam vor , auch ein wenig spöttisch an und verschwand unter der Türe , um nach einer Weile mit Sepherl herauszutreten und eifrig plaudernd , ohne einen Blick zur Seite zu tun , mit der Kameradin vom oberen Ende des Dorfes zum unteren zurückzukehren . Nun geschah es oft , daß der Toni mitten unterm Essen Gabel und Messer aus der Hand legte , statt der Arbeit nachzugehen , in irgendeinem Winkel stand , saß oder lehnte und in das Narrenkastel guckte , das heißt , ausdruckslos vor sich hinstarrte ; das alles mochte er mehr als vier Wochen getrieben haben , als ihm der Bauer eines Mittags vom Tische weg ins Freie nachfolgte . » Nun , Bub « , sagte er , » an dir kann wohl der Herr Pfarrer sein Freud habn . « » Warum , Vater ? « » Weil d ' dich so nachdrucksam afs Fasten und Beten verlegst . « » Ich ? Mich ? « » Ja , du dich ! Und laß dir sagen , wenn d ' dich kastein willst , so hätt ich so weit nix dagegn , aber das beschauliche Wesen - tu mir d ' Freundschaft - leg ab ! Der Sternsteinhof is kein Kloster , und es bringt da kein Verdienst , sondern nur Schaden , wann du dein Arbeit so ganz beiseite setzst . « » Das tu ich doch nit , das bildst d ' dir ein « , sagte der Bursche , indem er sein errötendes Gesicht wegwandte . » Ja , ' s is a wahre Einbildung , gelt ? « lachte der Alte und entfernte sich ,