einen erniedrigenden und nutzlosen Kampf mit elenden Gebresten . Von Zeit zu Zeit fuhr der Doktor nach dem Städtchen , um dort Neuigkeiten einzusammeln . Dies war denn einmal wieder geschehen ; Anka und ich befanden uns allein bei dem Grafen . Er hielt die Kleine auf seinem Schoß ; sie plauderten von der schönen Sommerzeit , von dem Schlosse , das wir früher bewohnt hatten , von dem Garten und seinen Wundern . Endlich kam die Rede auf die Einsiedelei . Ach , wie gut hatte sich Anka in der Einsiedelei unterhalten ... aber welchen Schrecken hatte sie einmal dort ausgestanden ! Wenn der Papa das wüßte , und - ich sage Ihnen , das Blut erstarrte in meinen Adern ... Soll ich ' s erzählen , Fräulein ? wandte sie sich plötzlich zu mir . Der Graf sah meine Bestürzung , sie schien ihn zu ergötzen ; lachend munterte der Unglückliche sein Kind zum Schwatzen auf . Anka ließ sich nicht bitten , berichtete alles genau - wie Stephan uns im Walde gesucht und wir ihm ausgewichen . Da kommt er in die Einsiedelei , sprach sie lebhaft , ich seh ihn von weitem und lauf davon ; dann seh ich auch Mama , die im Garten spazierengeht und rufe : Komm uns zu Hilfe , Stephan ist da ! - und da wird Mama ganz weiß - ich fürchte mich , verstecke mich und rühr mich nicht ... Mama versteckt sich auch vor Stephan und dem Fräulein . Will sie überraschen , verstehst du ? Stephan ist zornig und schreit - nun ja , es ärgert ihn , daß wir nicht mehr mit ihm sprechen wollen . Er wird immer zorniger . Da tritt Mama aus dem Hause und schaut ihn an - das Kind erzitterte bei dieser Erinnerung und wiederholte flüsternd : Schaut ihn an - - und ich , ganz erschrocken , rühr mich wieder nicht , und dem Stephan ist himmelangst geworden ! Umgedreht hat er sich , weg vom Fräulein , und ist der Mama gefolgt , wie dir die Lady folgt , wenn du sie geprügelt hast . Der Graf hob die Kleine von seinem Schoß und sprang auf . Ein dumpfer Laut der Qual entstieg seiner Brust . Hatte das Kind an eine verborgene Wunde gerührt ? leise glimmende Zweifel entfacht ? ... Ich wagte nicht , in sein Gesicht zu sehen , dachte nur : Jetzt gilt ' s ! und sprach so munter und so ruhig , als ich vermochte : Ich werde der Frau Gräfin ewig danken , daß sie mich durch ihre Dazwischenkunft aus einer peinlichen Verlegenheit gerettet hat . Graf Stephan scherzte nur , aber sehr keck . Das Erscheinen der Frau Gräfin war für mich eine wahre Wohltat ... Ich schwieg , ich hörte ihn tief aufatmen , und jetzt erhob ich die Augen zu ihm ... Nie bin ich imstande , Ihnen den Ausdruck seines Gesichtes zu beschreiben , die Befürchtung , die Hoffnung , die Freudigkeit , den Schmerz , die sich abwechselnd in seinen Zügen aussprachen . Seine Augen hingen an meinen Lippen , als spendeten meine Worte ihm das Leben . Nachdem ich geendet hatte , gelang es ihm , mit ziemlicher Gelassenheit zu sagen : Stephans Scherze waren vielleicht sehr ernst gemeint . Übrigens habe ich Sie , Fräulein , stets für entschlossen gehalten und für vollkommen fähig , Zudringlichkeit ohne fremden Beistand in Schranken zu halten . Dennoch habe ich den der Frau Gräfin gesegnet ... Er richtete sich empor . Genug ! unterbrach er mich und setzte leise , aber mit einer Gebärde unwiderruflicher Entschlossenheit hinzu : Ich will es glauben . Er faßte Anka in seine Arme , sie umklammerte seinen Hals und schmiegte ihr Gesichtchen an seine Wange ; so nahm er mit ihr seinen früheren Platz wieder ein , verweilte lange unbeweglich und stumm in Gedanken versunken und fragte endlich zerstreut : Was lesen wir heute ? Nichts mehr , meinte ich , da es sehr spät geworden sei . So geht denn , gute Nacht ! gute Nacht ! und plötzlich reichte er mir die Hand , hielt die meine fest in der seinen und sprach dabei kein Wort ; aber welchen innigen , warmen Dank sagte mir der Händedruck ! Anka und ich traten aus dem Salon , und in dem Augenblick , in dem ich die Tür aufstieß , huschte Francine von ihr hinweg . Sie hatte wieder gelauscht . Schämen Sie sich nicht ? fragte ich empört . Aber sie lachte : Nein , sie schämte sich nicht im geringsten . Wie echauffiert Sie sind ! sagte sie , und das Kind hat wohl schon geschlafen ? Es lag ein so frecher Verdacht in ihrem Blick , ihr Mund verzog sich so höhnisch , daß ich alle Herrschaft über mich verlor und ihr , die uns inzwischen auf unser Zimmer gefolgt war , befahl , sich augenblicklich zu entfernen . Da warf sie sich mit einem Ausbruch leidenschaftlicher Klagen Anka zu Füßen und kroch mit zigeunerhafter Geschmeidigkeit vor ihr auf dem Boden . Mein Herzchen hört , wie man die arme Francine behandelt - mein Herzchen sieht es ! Nun , ich gehe schon ! Sie drückte ihr Tuch vors Gesicht und eilte hinweg . Das Kind jedoch trat vor mich hin wie eine kleine wütende Megäre und sagte : Warten Sie nur , Großmama weiß alles , Francine schreibt alles der Großmama ! Was wollen Sie damit sagen ? fragte ich , was bedeutet Ihre Drohung ? Großmama darf alles wissen , was hier vorgeht , und Francine mag es ihr nur schreiben . Die Kleine blickte betroffen zu mir empor und begann mich anzuflehen , niemand etwas von dem zu verraten , was sie mir eben gesagt , niemand - am wenigsten Francine . Ich suchte sie zu beruhigen . Sie forderte ungestüm ein förmliches Versprechen , und nachdem ich es gegeben , küßte sie mich ein paarmal ,