bewirte . Daß unterwegs auf hohen Bäumen und Felsen Einsicht in die seltensten Vogelnester genommen und das Tauglichste von jungen Vögeln ausgesucht würde , verstand sich von selbst . Wie alles ohne Schaden zu unternehmen sei , dafür hatte er bereits eine Auskunft und kannte die Formel , mit welcher der Teufel , nach beendigtem Vergnügen , um seinen Teil gebracht würde . Auch in dem Gespensterwesen war er sehr erfahren ; doch auch hier verdrehte sich ihm alles zum Lustigen . Die Angst , welche er bei seinen Abenteuern empfunden , war immer eine höchst komische und endete öfter mit einem pfiffigen Streiche , welchen er den Quälgeistern gespielt haben wollte . Auf diese Weise ergänzte er trefflich das phantastische Wesen seiner Frau , und ich hatte so die Gelegenheit , unmittelbar aus der Quelle zu schöpfen , was man sonst den Kindern der Gebildeten in eigenen Märchenbüchern zurechtmacht . Wenn der Stoff auch nicht so unverfänglich war wie in diesen und nicht für eine so unschuldige kindliche Moral berechnet , so enthielt er nichtsdestoweniger immer eine menschliche Wahrheit und machte , besonders da in dem vielfältigen Sammelkrame der Frau Margret eine reiche Fundgrube die sinnliche Anschauung vervollständigte , meine Einbildungskraft freilich etwas frühreif und für starke Eindrücke empfänglich , etwa wie die Kinder des Volkes früh an die kräftigen Getränke der Erwachsenen gewöhnt werden . Denn was ich hörte , beschränkte sich nicht allein auf diese übersinnliche Fabelwelt ; sondern die Leute besprachen auch auf die leidenschaftlichste Weise ihre eigenen und fremde Schicksale , und hauptsächlich das lange Leben der Frau Margret und ihres Mannes war reich an ernsten und heitern Geschichten , an Beispielen der Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit , der Gefahr , Not , Verwicklung und Befreiung ; Hunger , Krieg und Aufruhr hatten sie gesehen ; jedoch ihr eigenes Verhältnis zueinander war so sonderbar von Leidenschaften bewegt , und es traten so ursprünglich dämonische Gewalten der Menschennatur darin zutage , daß ich mit kindlich erstauntem Auge in die wilde Flamme sah und schon tiefe Eindrücke empfing . Während nämlich die Frau Margret die bewegende und erhaltende Kraft in ihrem Haushalte war , den Grund zum jetzigen Wohlstand gelegt hatte und jederzeit das Heft in den Händen hielt , war ihr Mann einer von denjenigen , welche nichts Eigenes gelernt haben noch tun können und daher darauf angewiesen sind , mehr den Handlanger einer tatkräftigen Frau zu machen und auf eine müßige Weise unter dem Schilde ihres Regimentes ein ruhmloses Dasein zu führen . Als die Frau , besonders in frühern Jahren , durch kecke Benutzung der Zeitläufe und originelle Handstreiche in wörtlichem Sinne Gold zusammenhäufte , spielte er nur die Rolle eines dienstbaren Hauskoboldes , welcher , wenn er seine Handleistungen getan hatte , mit dem , was ihm die Frau gab , sich gütlich tat und dazu allerhand Späße trieb , welche männiglich ergötzten . Sein unmännlicher Mangel an Rat und Zuverlässigkeit , die Erfahrung , daß sie in kritischen Fällen nie einen kräftigen Schutz in ihm fand , ließen Frau Margret auch seine sonstigen Leistungen übersehen und erklärten die unbefangene Art , mit welcher sie ihn ohne weiteres von der Mitherrschaft über die Geldtruhe ausschloß . Es hatte auch lange Zeit keines von beiden ein Arges dabei , bis einige Ohrenbläser , worunter auch jener ränkesüchtige Schneider , dem Manne das Demütigende seiner Lage vorhielten und ihn aufhetzten , endlich eine Teilung des Erworbenen und vollständige Mitherrschaft zu verlangen . Sogleich schwoll ihm der Kamm gewaltig , und er drohte , die schlimmen Ratgeber hinter sich , der bestürzten Frau mit den Gerichten , wenn sie nicht seinen Anteil an dem » gemeinschaftlich erworbenen « Gute herausgäbe . Sie fühlte wohl , daß es mehr um einen gewaltsamen Raub als um ein ehrliches Rechthalten zu tun sei , und sträubte sich mit aller Kraft dagegen , zumal sie wußte , daß sie nach wie vor die einzig erhaltende Kraft im Hause sein würde . Sie hatte aber die Gesetze gegen sich , da diese nicht auf eine Ausscheidung der beitragenden Kräfte eingehen konnten , und zudem gab der Mann vor , sich allerlei mutwilliger Anklagen bedienend , sich nach geschehener Teilung von ihr trennen zu wollen , so daß sie betäubt und beschwatzt wurde und , krank und halb bewußtlos , die Hälfte von allem Besitze herausgab . Er nähete sogleich seine schimmernden Goldstücke , je nach der Art , in lange , wurstartige Beutel , legte dieselben in einen Koffer , den er am Boden festnagelte , setzte sich darauf und schlug seinen Helfershelfern , welche auch ihren Anteil zu erschnappen gehofft hatten , ein Schnippchen . Im übrigen blieb er bei seiner Frau und lebte nach wie vor bei und von ihr , indem er nur dann zu seinem Schatze griff , wenn er eine Privatliebhaberei befriedigen wollte . Sie erholte sich indessen wieder und hatte nach einiger Zeit ihren eigenen Schatz wieder vervollständigt und mit den Jahren verdoppelt ; aber ihr einziger Gedanke war seit jenem Tage der Teilung , mit der Zeit wieder in den Besitz des Entrissenen zu gelangen , und das war nur möglich durch den Tod ihres Mannes . Daher ging ihr jedesmal ein Stich durch das Herz , wenn er ein Goldstück umwechselte , und sie harrte unverwandt auf seinen Tod . Er hingegen wartete ebenso sehnlich auf den ihrigen , um Herr und Meister des ganzen Vermögens zu werden und in voller Unabhängigkeit den Rest seines langen Lebens zuzubringen . Dieses grauenhafte Verhältnis hätte man freilich auf den ersten Blick nicht geahnt ; denn sie lebten zusammen wie zwei gute alte Leutchen und nannten sich nur Vater und Mutter . Insbesondere blieb die Margret in allem einzelnen auch gegen ihn die gute und freigebige Frau , die sie sonst war , und sie hätte vielleicht ohne den vierzigjährigen Lebensgenossen und sein spaßhaftes Umhertreiben nicht einen Tag leben können ; auch ihm war es mittlerweile wohl genug , und er besorgte mit humoristischer Geschäftigkeit die Küche