dem Strom zugekehrten Seite der Straße befanden sich viele alte hölzerne , nach holländischer Art gebaute oder eiserne Kräne und Winden , dann führten Treppen in kurzen Zwischenräumen hinunter an das Wasser , und an schweren Ketten lagen die zahlreichen Jollen , die hier zwischen Schiffen und Ufer einen ununterbrochenen Verkehr herstellten . In der Straße selbst wogte es von Hafenarbeitern und Seeleuten aller Rassen , von Ewerführern , Schauerleuten , Jollenführern , Agenten der Schiffshändler und Makler . Hier sprach man alle Sprachen , hier kannte man alle Münzen der Welt . Hart an den Vorsetzen lagen Torf- und Kartoffelewer von der Unterelbe , die einen bedeutenden Teil des Bedarfs an diesen Artikeln in die Stadt bringen . Überall lebte und webte auf jedem Fußbreit der schmalen Straße das geschäftige Treiben einer Hafenstadt , überall regte sich der Handel nach allen Ländern der Welt . Es war für den Seiler keine leichte Aufgabe , seinen jungen Freund vorwärts zu bringen . Zwanzigmal blieb er stehen , um dies oder das zu bewundern oder eine neugierige Frage zu stellen . Er wollte alles sehen und alles wissen . Nur sehr ungern trennte sich der Junge von der Wasserseite Hamburgs und folgte dem Freund durch St. Pauli wieder zurück nach Altona . » Nun haben wir aber auch alles gesehen ! « sagte er zufrieden . Der Seiler lächelte halb spöttisch . » Und die Museen , mein Junge , und der Zoologische Garten ? - Aber ich denke , wir machen noch manche kleine Reise zusammen « , fügte er hinzu . » Wenn die Geschichte nur nicht so teuer wäre . « » Was hat uns der Tag gekostet ? « fragte Robert . » Hm , wenn wir wieder in Pinneberg angelangt sind , so ist die Tasche leer . Aber du hast ja noch Vorrat in der Sparbüchse . « Robert antwortete nicht . Er mußte die vielen neuen Eindrücke dieses Tages erst in sich verarbeiten , bevor irgend etwas anderes seine Aufmerksamkeit fesseln konnte . Unterwegs im Wagen legte er die heiße Hand auf Georgs Arm . » Laß uns gleich , wenn der Zug hält , wieder umkehren « , sagte er , » ich kann es doch nicht ertragen - nun erst recht nicht . « Der Seiler zuckte die Achseln . » Hättest besser zugreifen sollen « , flüsterte er , Daumen und Zeigefinger mit einem bedeutsamen Blick gegeneinander reibend . » Ohne das kann man in der Welt keinen Schritt vorwärtskommen . « Robert sprach kein Wort mehr , aber er ging , nachdem er auf Umwegen nach Hause geschlichen war , gleich ins Bett , ohne vorher zu essen oder seiner Mutter irgend etwas zu erzählen . Er wollte nur ungestört an das , was er gesehen hatte , denken . Am folgenden Tag mußte die Arbeit , die der Vater für seinen Sohn und Lehrling zurückgelassen hatte , in aller Eile fertig gemacht werden , aber es fielen diesmal viele Tränen darauf . » Wenn mich so alle diese kräftigen Seeleute sehen könnten « , dachte er , » die Glücklichen , die in Wind und Wetter draußen ihre Arme brauchen dürfen , während ich die Nähnadel halten muß ! « Der Alte fand auch , als er nach seiner Rückkehr jeden Stich musterte , die Arbeit schlecht und sparte daher nicht mit Zurechtweisungen . Zur Strafe beschränkte er die freie Zeit seines Jungen , so daß Robert nur höchst selten mit Georg einmal vertraulich sprechen oder an dem Holzklotz , den er sich heimlich in einen Winkel des Heubodens geschafft hatte , ein paar Minuten meißeln konnte . Das Buch des Matrosen vom » Blitz « gab über alles genaue Auskunft und war so verständlich geschrieben , daß es gar keine Kunst mehr schien , nach diesen Anweisungen selbst ein kleines Schiff zu bauen . Robert hatte sich in seinem Versteck eine richtige Werkstatt eingerichtet , denn die Mutter verriet ja nichts , und der Vater kam nie dort hinauf . Zwar schüttelte Frau Kroll den Kopf und meinte , das werde noch einmal ein Unglück geben , wenn es der Vater erfahren sollte , aber Robert kehrte sich nicht daran . In seinem Vater sah er ja schon längst den Feind , dessen er sich mit allen Mitteln zu erwehren suchte . Und Georg schürte das Feuer , wo er konnte . Robert lieferte jetzt kein empfangenes Trinkgeld mehr ab , stahl für seinen Freund aus der Speisekammer der Mutter alles Eßbare und hatte auch schon mehrere Male wieder mit Hilfe von Georgs Nachschlüssel den Geldkasten des Vaters bestohlen oder » von seinem Eigentum ein paar Taler verbraucht « , wie es der Seiler nannte . Alles das machte ihm kaum Gewissensbisse . Wenn der Vater gewollt hätte wie er , wenn er kein Tyrann gewesen wäre , so würde es ja nie geschehen sein , aber durch diese Halsstarrigkeit , diese Ungerechtigkeit trug er ja an allem selbst die Schuld . Schalt er , so hieß es : » Ich will ja doch kein Schneider werden . Habe ich ausgelernt , so gehe ich auf und davon . « Natürlich zog nach solchen Auftritten der Vater die Zügel nur immer straffer , und das Verhältnis zwischen ihm und seinem Sohn wurde immer schlechter . Robert hatte jetzt , als das Wetter anfing kalt zu werden , den Schiffbau oben in der Ecke des Heubodens soweit vollendet , daß er mehrere Kleinigkeiten einkaufen mußte , um weiterarbeiten zu können , aber es fand sich dazu leider kein Geld , und auch der Seiler erklärte , keins zu haben . » Nimm es doch , du weißt doch , wo es liegt « , sagte er höhnisch . Aber Robert schüttelte den Kopf . » Was ich in der Sparbüchse hatte , ist verbraucht « , antwortete er , » und das übrige gehört mir nicht . « Dabei blieb es . Georg sah zu seinem größten Ärger ,