sie aus dem Vaterhause - so geht mein Kind , mein Leben , mein alles hinaus in die weite Welt ! « Heißenstein gebot ihr Schweigen . Er hat sich ermannt . Zwei Stunden später saß er im Postwagen und fuhr denselben Weg , den die Ulanen genommen . » Wenn jemand nach mir fragen sollte « , hatte er beim Abschied gesagt , » ich bin mit « - wie schwer brachte er den Namen über die Lippen ! - , » mit Rosa nach Wien gefahren . Das ist alles , was ihr wißt . Ihr versteht ? « » Ihr versteht « , sagte er , aber er sah dabei nur seine Frau an . Der Verschwiegenheit seiner Magd war er gewiß . 7 An diesem Tag gönnte sich Bozena keinen Augenblick der Ruhe . Kein Raum , vom Keller bis zum Dachboden , in dem sie nicht nachsah mit kundigem Auge , nicht ordnete mit flinker und geschickter Hand . Sie scheuerte und fegte , verfolgte ihren verhaßtesten Feind , den Staub , bis in seine verborgensten Schlupfwinkel und blickte des Abends zufrieden auf ihr vollendetes Werk . Es war ihr letztes Vermächtnis an das Haus , dem sie durch achtzehn Jahre treu gedient . Sodann begab sie sich ins Kontor , zu Mansuet . Er war allein , die jüngeren Herren hatten schon Feierabend gemacht . » Was steht zu Diensten ? « fragte der Kommis mit einer Gespreiztheit , die nach Würde aussehen sollte . Seit jenem Tanze beim » Grünen Baum « zeigte er sich etwas zurückhaltend gegen Bozena . » Ich habe Sie bitten wollen « , antwortete die Magd , ihm ein Päckchen reichend , das in Papier gewickelt und mit einem Wollfaden zugebunden war , » mir mein Sparkassenbuch aufzuheben . « Er bemühte sich , sein Erstaunen zu verbergen , und sprach nachlässig : » Wie komme ich zu der Ehre ? Ist Ihr Geld bei Ihnen nicht mehr sicher ? « » Seien Sie schon so gut und heben Sie mir ' s halt auf « , erwiderte sie und streckte ihm die Hand entgegen , in die er seine langen Finger zögernd legte . » Ich danke Ihnen im voraus , Herr Mansuet . Ich danke Ihnen überhaupt für alles . « Fort war sie . Hatte ihn verlassen , bevor er Zeit fand , sie zurückzuhalten und sich seine Bestürzung über den bewegten Ton ihrer Stimme recht zum Bewußtsein zu bringen . Und jetzt erst besann er sich , jetzt erst fiel es ihm mit banger Besorgnis auf das Herz , daß sie reisemäßig gekleidet war , ein Bündel trug und eine Geldtasche umgeschnallt hatte . » Will auch die davongehen ? « murmelte er mit schmerzlicher Ironie vor sich hin . Da möchte er zuvor doch ein Wort mit ihr reden . Er hatte ihre Stube niemals betreten , jetzt begab er sich dahin . Auf sein Pochen erfolgte keine Antwort , dennoch trat er ein . Inmitten des Zimmers stand ein gepackter Koffer ; auf den Deckel hatte eine ungeübte Hand den Namen » Bozena Ducha « mit weißer Ölfarbe gepinselt . Der Kommis stellte sich davor hin und betrachtete ihn mit wehmütigen Blicken . Sie geht ihrem Kinde nach . Hat recht - ich versteh ' s , dachte Weberlein . Und mich freut ' s , daß sie ' s über das Herz bringt , sich loszumachen von dem Hund , dem Bernhard . Mich freut ' s sehr . Und eine heiße Träne stieg ihm ins Auge . Er sah sich um in der hochgewölbten , weißgetünchten Stube , in der alles Reinlichkeit atmete . Hier also hat sie existiert , die Bozena . Da steht ihr gewaltiges Bett mit seiner schneeigen Decke , daneben die buntbemalte Truhe , die ihr Eigentum war , die sie mitgebracht hatte aus dem heimatlichen Dorfe . Im Fenster ihr Arbeitstisch , auf dem Gesimse der Rosmarinstock , den sie aus einem kleinen Zweige gezogen ; über der Tür das geschnitzte Christusbild , auf dessen Haupt sie über die Dornenkrone ein Blumenkränzlein gelegt hat . Oh - die Bozena ! - Wenn sie das einem Menschen getan hätte statt einem Gotte ... Wenn sie einem Menschen die Dornen des Lebens in Blumen verwandelt hätte ... einen Gott hätte der sich gefühlt . Mansuet läßt sich auf einen Schemel nieder , stützt den Ellbogen auf den Koffer und den Kopf auf seine Hand und - träumt , so wach er ist - so alt er ist ! Wie die Sachen stehen , hätte ihn die Bozena wohl schwerlich genommen . Er ist zu klein für sie , sie ist zu groß für ihn . Wenn er aber länger geraten wäre um einen halben Schuh oder - einen ganzen - wenn er überdies schön geworden wäre - und das hätte ja ohne Wunder der Fall sein können , es sind so viele Leute schön ! Dann ... Wer weiß , was dann geschehen wäre ? Seinen eigentlichen Beruf würde er gewiß ergriffen haben - Soldat wäre er geworden , und ein Reiterstückchen wie jenes , das Fehse , der Sapperloter , heute nachts ausgeführt - das hätt er auch getroffen , er traut sich ' s zu ! Nur , daß er sich nicht , so lieblich es auch ist , das Fräulein Augentrost mitgenommen hätte ... Er weiß eine andre - die hätte er zu seiner Herrin gemacht , der seine Lorbeeren zu Füßen gelegt , die auf starken Armen durch das Leben getragen ... An deren Herzen würde er jetzt ruhen , ein seliger Mann ! So schwärmt der kleine Mansuet von Liebe , Ruhm und Wonne und kauert neben Bozenas Habseligkeiten wie ein armer Köter neben den zurückgelassenen Gewändern seines Herrn . Der schöne Bernhard saß in seiner Stube und war mit der Abfassung eines Briefes beschäftigt , der ihm viel Mühe machte . Er legte die Feder weg , ergriff sie wieder ,